13.11.2017 Abschied vom Softlayer-Nachfolger: IBM Cloud verdrängt den Markennamen

Bye bye Bluemix

Von: Berthold Wesseler

IBM tut sich schwer in der Cloud. Frische Ansätze im Marketing und neue Cloud-Services sollen das ändern. Nachdem „Big Blue“ erst vor fast genau einem Jahr, am 25. Oktober 2016, den Markennamen Softlayer durch Bluemix ersetzt hatte, wird jetzt auch dieser Name geopfert – zugunsten von IBM Cloud, wie das Angebot seit letzter Woche schlicht und ergreifend heißt. Parallel dazu wurden etliche neue Cloud-Services lanciert, u.a. rund um den Hoffnungsträger Watson.

Bildquelle: Verena N. / Pixelio.de

Nachdem „Big Blue“ mit diversen Anläufen und Übernahmen wenig erfolgreich in der Cloud agierte, wurde im Juni 2013 der prosperierende Provider Softlayer übernommen. Diverse Übernahmen (CSL International, Cross Ideas und Lighthouse Security) später folgte im Juli 2014 die Markteinführung von Bluemix, als eigenes Angebot von Plattform-as-a-Service (PaaS) aus der Cloud. Nachdem im Oktober 2016 die Softlayer-Cloud in Bluemix aufging, verschwindet jetzt auch dieser Name, denn ab sofort werden alle entsprechenden Angebote unter der Überschrift „IBM Cloud“ vermarktet – von Watson über die ehemaligen Bluemix-Angebote wie Platform as a Service (PaaS) bis hin zum klassischen IaaS-Service eines Softlayer-RZ.

Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Abschied von Softlayer und dem von Bluemix, denn die Softlayer-Rechenzentren bleiben online und die Services sind wie gewohnt weiter erhältlich, während Bluemix auch technisch in die neue IBM Cloud überführt wird. „Today we are excited to announce that we are merging the Bluemix brand with IBM Cloud brand since they’ve grown to be synonymous,” postete Michael Mendenhall, Chief-Marketing-Officer für Watson und die Cloud-Plattform. An den ehrgeizigen Projekten rund um Watson, Artificial Intelligence und Cognitive Computing ändere sich nichts.

Über Bluemix greifen Programmierer auf zahlreiche Cloud-Services zu, um mobile Apps und Webanwendungen zu entwickeln. Unterstützt werden mehrere Programmiersprachen und Frameworks, einschließlich Java, Node.js, Go, PHP, Python, Ruby Sinatra, Ruby on Rails; andere Sprachen werden durch den Einsatz von Buildpacks unterstützt. Bluemix basiert auf Cloud Foundry und läuft als IBM Cloud weiter in den Softlayer-Rechenzentren.

Neu angekündigt hat IBM auch Tools für die Watson Data Platform namens „Data Catalog“ und „Data Refinery“ sowie die Verfügbarkeit der bereits früher angekündigten „Analytics Engine“. Außerdem wurde der „Unified Governance Platform“ ein Update spendiert, insbesondere mit Blick auf die ab Mai 2018 greifende europäische Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO). Außerdem wurde Cloud Private lanciert, die den Zugriff auf Bare-Metal-, IaaS-, CaaS- und PaaS-Ressourcen – sprich Serverhardware sowie diverse Virtualisierungsebenen und Abrechnungsmodelle – On-Premise und in der Cloud vereinheitlichen und damit vereinfachen soll.

Brückenschlag von der Private zur Public Cloud

Die neue Plattform Cloud Private soll sowohl die Entwicklung als auch die Integration von Apps in Multi-Cloud-Umgebungen beschleunigen – und nutzt dazu Ressourcen sowohl aus Private als auch Public Cloud. Mit der offenen Plattform reagiert IBM nach eigenem Bekunden auf die wachsende Nachfrage nach Public-Cloud-Services, mit denen Anbieter wie Amazon, Google oder Microsoft höchst erfolgreich sind und „Big Blue“ davonziehen. Erst im Juni hatte die Gartner Group die IBM aus dem Quadranten der führenden Cloud-Anbieter zurückgestuft in den Quadranten der Visionäre – und sie mit Anbietern wie Oracle auf eine Stufe gestellt.

„Insbesondere Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie, der Finanzbranche oder auch dem Gesundheitswesen – die strengen Regularien und rechtlichen Vorgaben unterliegen – treibt das Thema Public Cloud um“, heißt es in der Presseinformation der IBM. Sie seien auf der Suche nach „einer sicheren Brücke, die bestehende Private Clouds mit den öffentliche Ressourcen einer Public Cloud verbindet. Einerseits wollen sie die Kontrolle über ihre Kerndaten und Workloads behalten und andererseits auf flexible Public-Cloud-Services zugreifen, um neue Anwendungen schnell zu starten und zu aktualisieren“.

So soll es Entwicklern möglich werden, in ihren lokalen Systemen eine cloudbasierte Umgebung zu erstellen, die die Flexibilität einer Public Cloud besitzt. Die offene Plattform basiert auf dem Open-Source-System Kubernetes, mit dem sich Container automatisch anwenden und verwalten lassen. Zudem unterstützt IBM Cloud Private Docker-Container und Cloud Foundry, was die Plattform für unterschiedliche Public Clouds kompatibel machen soll. Dadurch lassen sich nicht nur Entwicklungen beschleunigen, sondern auch Software, Datenbanken und Services cloudbasiert für neue Apps nutzen. Zudem bietet die Plattform unterschiedliche Tools, mit denen Entwickler digitale Daten und Anwendungen in zentrale Services für Security oder Compliance integrieren können. Zum Angebot gehören übrigens auch „Cloud Managed Services for IBM i“.



Auf einen Blick: Bestandteile der Plattform IBM Cloud Private

  • Infrastruktur: Kompatibel mit Systemen von Cisco, Intel, Lenovo, Dell EMC oder Netapp. Optimiert für die IBM-Plattformen z, Power System und Flash Storage sowie die Spectrum-Plattformen. Deployment über Vmware, Open Stack oder Baremetal-Server.
  • Cloud-Plattform: Gängige PaaS-Technologien und Developer-Runtimes werden unterstützt; Container, Kubernetes Orchestration, Cloud Foundry und andere Management-Tools sind enthalten.
  • Daten und Analyse: Datenbank-Services für Entwickler, wie Db2, Db2 Warehouse, PostgreSQL und MongoDB.
  • Anwendungs- und Integrations-Services: Software und Entwickler-Frameworks, darunter Websphere, Liberty, MQ und Microservice Builder.
  • Entwickler-Tools: Zugriff auf Management- und Dev-Ops-Tools, darunter APM, Netcool, Urban Code und Cloud Brokerage sowie Open-Source-Tools für Entwickler wie Jenkins, Prometheus, Grafana und Elastic Search.

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