30.10.2017 Beschleunigtes Wachstum der PSI AG

Investitionen machen sich bezahlt

Von: Karsten Pierschke

Das Berliner Softwarehaus PSI AG hat durch das Wachstum im Industrie- und Energiegeschäft den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 um 4 Prozent auf 133,1 Mio. Euro gesteigert, das Betriebsergebnis (EBIT) sogar um 18 Prozent auf 8,2 Mio. Euro und das Konzernergebnis um 17 Prozent auf 4,6 Mio. Euro.

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Das Segment Energiemanagement (Energienetze, Energiehandel) der PSI AG erzielte trotz des regulatorischen Schattenjahres in den ersten neun Monaten einen 5 % höheren Umsatz von 50,8 Mio. Euro (30.09.2016: 48,3 Mio. Euro). Das Betriebsergebnis des Segments wurde gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 4,2 Mio. Euro verbessert (30.09.2016: 3,5 Mio. Euro).

Die Marktführung im Bereich Sektorkopplung (Verbindung der Stromwende mit der beginnenden Verkehrswende/Elektromobilität und Wärmewende) wurde mit einem weiteren Großauftrag fortgesetzt. Die in einem Großprojekt unter Beweis gestellte Mandantenfähigkeit führt zu neuen Geschäftspotentialen für große Netzbetreiber, die nun kleineren Netzbetreibern Netzführung als Dienstleistung (Grid-Management-as-a-Service) anbieten können. Es schließen sich aber auch Netzbetreiber auf Basis dieser neuen Technologie zu Kooperativen zusammen.

Wichtige Upgrade- und Erweiterungsaufträge

Der Bereich Elektrische Netze erhielt weitere wichtige Upgrade- und Erweiterungsaufträge und vereinbarte eine Partnerschaft für den nordamerikanischen Markt, in deren Rahmen bereits die ersten beiden Projekte implementiert werden. Der Bereich Gas und Öl gewann einen wichtigen europäischen Neukunden im Bereich Gastransport, der Bereich Energiehandel verbesserte sich im dritten Quartal bei Umsatz und Ergebnis. In acht öffentlich geförderten Forschungsprojekten wird unter anderem ein Algorithmus zur Marktreife gebracht, der bei weiterem Ausstieg aus Atomkraft und fossilen Kraftwerken dabei hilft, die dynamische Stabilität der deutschen Netze sicherzustellen.

Im Segment Produktionsmanagement (Rohstoffe, Industrie, Logistik) wurde der Umsatz in den ersten neun Monaten um 7 Prozent auf 67,2 Mio. Euro erhöht, das Betriebsergebnis um 6 Prozent auf 5,5 Mio. Euro. Das Segment profitiert auch weiterhin vom sehr starken Wachstum in der Internet-Order-Logistik, dem Aufbau weiterer Elektrofahrzeug-Produktionswerke und der Auflösung des Investitionsstaus in der Stahlindustrie.

Wie erwartet erhielt der Bereich Metals im 3. Quartal große Aufträge chinesischer Stammkunden. Durch die erfolgreiche Umstellung aller Produkte des Segments auf die neue Konzern-Java-Oberfläche verzeichnet PSI zunehmende Vertriebserfolge, wobei die einzelnen Softwareprodukte immer häufiger zu übergreifenden Prozessketten integriert werden. Dies gilt auch für die Transport- und Lagermanagement-Software auf der Java-Konzernplattform, für die sich einer der größten deutschen Logistikkonzerne entschied und eine Reihe großer Projekte mit einem ersten Abruf begann.

Vollendung zweier Smart-City-Projekte

Im Infrastrukturmanagement (Verkehr und Sicherheit) verringerte sich der Umsatz um 9 Prozent auf 15,0 Mio. Euro, das Betriebsergebnis verbesserte sich dennoch auf -0,5 Mio. Euro (30.09.2016: -0,9 Mio. Euro). Das Ergebnis des Segments wurde im dritten Quartal im Rahmen der Eintreibung von Schlusszahlungen aus großen Markteintrittsprojekten durch außergerichtliche Vergleiche mit knapp einer Million Euro belastet. Auch die Kosten für die Auflösung des Standorts Chennai im Zuge der Kapazitätsanpassung der Substationproduktion belasteten das Quartal.

Im Gegenzug schritt die Ausbildung von Informatikern am Standort Malaysia mit der Vollendung zweier Smart-City-Projekte und mehrerer IEC 61850-Substation-Scada-Projekte voran. Das dabei etablierte Two-Shifts-per-Day Entwicklungs- und Testverfahren auf Basis der Konzern-Technikplattform wird nun auf weitere Aufgaben erweitert.

Die Mitarbeiterzahl des Konzerns am 30.09.2017 erhöhte sich auf 1.650 (30.09.2016: 1.632). Wie schon im ersten Halbjahr steht der Wachstumsinitiative in Europa die im Vorjahr durchgeführte Kapazitätsanpassung im Hardware-Geschäft in Südostasien entgegen. Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit war vor allem durch Veränderungen des „Working Capital“ geprägt und verringerte sich auf 0,6 Mio. Euro (30.09.2016: 4,2 Mio. Euro). Mit 39,8 Mio. Euro lagen die liquiden Mittel trotz der höheren Dividendenzahlung 11 Prozent über dem Vorjahresniveau (30.09.2016: 35,9 Mio. Euro).

Technologisch wird die Konzerntechnik-Plattform in den nächsten beiden Quartalen zu progressiven Webanwendungen erweitert, die ein Weiterarbeiten auch bei schwachen oder zeitweise unterbrochenen Mobilfunkverbindungen mit Angular 4 unterstützen. Ein erster großer Industriekunde in Mexiko wurde bereits erfolgreich ausgerüstet.

Write Once Run Anywhere

Diese Technologie ist nicht nur für Mobilanwendungen, sondern auch innerhalb von Unternehmen als Thin-Client-Webtechnik vorteilhaft, weil die IT-Abteilungen dank Private-Clouds den Pflegeaufwand für die betreuten Arbeitsplätze deutlich reduzieren können. PSI realisiert dies nach dem Prinzip „Write Once Run Anywhere“ (WORA), so dass auch die Click-Design-Oberflächengestaltung für Webanwendungen genutzt werden kann. Im vierten Quartal richtet PSI das Hosting einer ersten Software-as-a-Service für einen ersten großen Hochverfügbarkeits-Cloud-Kunden ein.

Generell setzt sich die Nachfragebelebung in allen Geschäftsfeldern fort. Im Bereich Energie steigt durch die dezentrale Energieerzeugung und Elektromobilität der Bedarf für mehr Flexibilität und intelligente, dezentrale Steuerung in den Verteilnetzen. Zudem beginnen die großen deutschen Versorger nach Unternehmensaufspaltungen und Reorganisationen mit der Erschließung neuer digitaler Geschäftsmodelle und Wachstumsfelder.

Trotz der Belastungen aus dem Abbau der Marktrisiken in Asien ist das Management weiterhin zuversichtlich, den EBIT-Zielkorridors von 12 bis 15 Mio. Euro mittig oder darüber zu treffen. Große Aufmerksamkeit liegt nach den großen Technikinvestitionen nun darauf, das Wachstum wieder stärker voranzutreiben. Sollte die neue Bundesregierung die Verkehrswende und den Kohleausstieg beschleunigen, wird sich der Stress in den Stromnetzen weiter erhöhen, was langfristig die Geschäftserwartungen der PSI verbessert.

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