06.11.2017 Wie Pabst Transport Fahrer und Disponenten entlastet

Ohne Klick auf einen Blick

Von: Marcus Walter

Ankunft Kunde, Laden fertig: So oder ähnlich klingen typische Statusmeldungen, die von Telematiksystemen vorgegeben und vom Fahrer am jeweiligen Bordrechner oder Smartphone „nur noch“ angeklickt werden sollen. Wird jeder neue Status aktiv gemeldet, dann haben Disponenten den perfekten Überblick über die laufenden Touren. Soweit die Theorie. In der Praxis tun sich Trucker jedoch schwer, jede Zustandsveränderung gewissenhaft per Touchscreen oder Mini-Tastatur zu dokumentieren.

  • Lediglich das Eintreffen der Tourdaten auf dem Tablet muss jetzt noch manuell vom Fahrer bestätigt werden.

    Lediglich das Eintreffen der Tourdaten auf dem Tablet muss jetzt noch manuell vom Fahrer bestätigt werden.

  • Andreas Wagner verantwortet bei Pabst den Bereich IT und Organisation.

    Andreas Wagner verantwortet bei Pabst den Bereich IT und Organisation.

  • Der Logistikdienstleister Pabst verfügt über rund 25.000 m2 überdachte Lagerfläche und einen eigenen Fuhrpark mit aktuell rund 300 Lkw.

    Der Logistikdienstleister Pabst verfügt über rund 25.000 qm überdachte Lagerfläche und einen eigenen Fuhrpark mit rund 300 Lkw.

Diese Erfahrung machte man auch bei der Pabst Transport GmbH aus Gochsheim, die seit 2012 schon mehrere Telematiklösungen getestet hat. „Unsere Fahrer wollen sich auf das Fahren und weniger auf unsere internen Datensysteme konzentrieren“, berichtet Andreas Wagner, der bei Pabst den Bereich IT und Organisation verantwortet. Im Interesse eines guten Betriebsklimas nimmt der fränkische Logistikdienstleister die Belange seiner über 300 Fahrer sehr ernst und reagiert mit Verständnis auf die eher ablehnende Haltung gegenüber den zusätzlichen manuellen Eingaben.

Fahrerbelange ernst genommen

Dennoch wollte man bei Pabst nicht auf aktuelle Statusmeldungen verzichten und wandte sich an den langjährigen Softwarelieferanten Dr. Malek. So entstand die Idee einer vollautomatischen Lösung für das Übermitteln von Statusänderungen, die ohne Fahrereingriff funktioniert. Das neue System sollte sich nahtlos in die vorhandene Softwarelandschaft einfügen. Seit 2009 nutzt Pabst das Transportmanagementsystem M3 von Dr. Malek Software, das vor vier Jahren um die Telematiklösung M3 App ergänzt wurde; diese für Android-Tablets oder -Smartphones konzipierte App erlaubt eine mobile Auftragsabwicklung für alle Arten des Straßengütertransports.

„Wir wollten die App mit Automatik-Modus", so Wagner. Die App verfügte zwar mit integrierter Navigation, Spurverfolgung und Geofencing schon von Haus aus über gute Voraussetzungen für die gewünschte Weiterentwicklung. Als Telematiklösung stellt sie dann auf Basis individueller Prozesse den Austausch aller relevanten Daten zwischen Auftraggeber, Disponent und Fahrer sicher. Im Sammelgut- und Kurierdienstbereich bietet sie eine packstückgenaue Vorholung und Zustellung, die wahlweise mit oder ohne Barcode-Scan funktioniert. Verwaltet werden die Apps zentral über die M3-Plattform.

Der neu entwickelte Automatik-Modus für die App nutzt das im Tablet integrierte GPS-Modul, das kontinuierlich die aktuellen Fahrzeugpositionen liefert und somit eine durchgängige Spurverfolgung auf der M3-Plattform ermöglicht. Die Positionsdaten werden mit den Tourdaten verknüpft, die aus dem Transportmanagementsystem M3 an die Fahrer-Tablets übertragen werden.

Status nach Farben

Lediglich das Eintreffen der Tourdaten auf dem Tablet muss jetzt noch manuell vom Fahrer bestätigt werden. Von da an funktioniert der Ablauf automatisch: Der Fahrer sieht am Display eine Liste aller Stationen mit der geplanten Reihenfolge und startet mit dem ersten Auftrag. „Auf die Navigationsfunktion der App haben wir verzichtet, weil unsere Fahrer ihre eigenen Systeme bevorzugen“, erklärt Wagner. Vor diesem Hintergrund muss die Automatikfunktion der App auch völlig unabhängig von der Navigationslösung funktionieren.

Sobald der Lkw die erste Be- oder Entladestelle erreicht, wird dies durch die Geofencing-Funktion erkannt. Der Sendungsstatus wechselt dann automatisch auf „Ankunft“, was nicht nur dem Fahrer, sondern auch dem Disponenten unmittelbar angezeigt wird. Dieser verfügt über einen hochkant installierten 24-Zoll-Kontrollbildschirm, an dem er bis zu 60 Touren überblicken kann. Der grafische Fahrzeugeinsatzplan vom Transportmanagementsystem differenziert die verschiedenen Sendungsstati mit unterschiedlichen Farben.

Bewusst ausgeblendet

Parallel dazu berechnet und überwacht M3 die voraussichtliche Ankunftszeit (Estimated Arrival Time, ETA), indem die aktuelle Position mit den Tourdaten abgeglichen wird; zusätzlich wird die ETA dem Disponenten angezeigt.

Gerät der Plan durch ein Überschreiten der Fahr- oder Wartezeiten in Gefahr, generiert M3 automatisch einen Alarm. „Gemeldet werden ausschließlich die drohenden Verspätungen bei der unmittelbar folgenden Be- oder Entladestelle, damit sich die Disponenten auf die relevanten Vorkommnisse konzentrieren und frühzeitig reagieren können“, betont Wagner. Die weiteren möglichen Auswirkungen auf den späteren Tourverlauf werden bei Pabst bewusst ausgeblendet. Es komme schließlich immer wieder vor, dass Verspätungen im Laufe des Tages wieder aufgeholt werden können.

Sobald der Fahrer die aktuelle Be- oder Entladestelle verlässt, wird die jeweilige Tourposition zuverlässig und automatisch als „erledigt“ gekennzeichnet. Der Status wechselt dann ohne manuellen Eingriff auf „Abfahrt“, so dass die gesamte Verweildauer bei der Be- oder Entladestelle erfasst und archiviert wird. Somit dienen die Daten nicht nur der Disposition, sondern auch für spätere statistische Auswertungen. Und dank der zuverlässigen Arbeitsweise der Technik kann laut Wagner „auf viele telefonische Nachfragen verzichtet werden“. Dadurch hätten die Disponenten wieder mehr Zeit für die persönliche Kontaktpflege mit den Fahrern, was sich positiv auf das Betriebsklima auswirke.

Auf zusätzliche Statusmeldungen für Beginn und Ende der Be- oder Entladung verzichtet Pabst. Diese müssten von den Fahrern manuell erfasst werden, denn diese Ereignisse können durch Geofencing nicht automatisch erkannt werden. „Zur Zeit würde sich dieser Aufwand nicht lohnen, weil langen Wartezeiten an den Rampen kein Thema bei uns sind. Sollte sich dies ändern, würden wir mit den entsprechenden Kunden Standgelder vereinbaren und deren Berechnung mit der App automatisieren“, sagt Wagner.

 

Über Pabst Transport

Das im Jahr 1953 gegründete Familienunternehmen ist ein Logistikdienstleister, der über rund 25.000 m2 überdachte Lagerfläche und einen eigenen Fuhrpark mit aktuell rund 300 Lkw verfügt. Die Leistungen decken alle Teilbereiche der Logistikkette ab, von der Beschaffungslogistik über die Distribution bis hin zur Lagerung. Das Unternehmen mit Sitz im unterfränkischen Gochsheim beschäftigt 500 Menschen, die einen jährlichen Umsatz von rund 60 Mio. Euro erwirtschaften.

Bildquelle: Pabst Transport / KfdM

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