03.01.2018 Deutscher RZ-Markt wächst um 10 Prozent auf gut eine Milliarde Euro

RZ-Standort Deutschland verliert an Boden

Von: Bastian Pauly

Der Markt für Rechenzentren bleibt in Deutschland auf Wachstumskurs. Die Investitionen am Standort Deutschland sind nach Einschätzung des Bitkom im Jahr 2017 um 10 Prozent gestiegen und haben erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro überschritten. Trotz der beachtlichen Investitionen soll aber der Anteil der deutschen Rechenzentren am Weltmarkt – gemessen an der IT-Fläche – von 5 Prozent im Jahr 2010 auf 4 Prozent im Jahr 2020 sinken, schätzt der Branchenverband.

  • Bitkom-Präsident Achim Berg:

    Bitkom-Präsident Achim Berg: „Die Strompreise sind entscheidend dafür, ob Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland weiterhin einen attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort finden!“

  • Entwicklung der Investitionen in Rechenzentrumsinfrastruktur (ohne IT) in Deutschland bis 2016 und Prognose für 2017.

Nicht nur das Investitionsvolumen, auch die Zahl der Arbeitsplätze entwickelt sich in der RZ-Branche positiv. Seit 2014 sind in deutschen Rechenzentren 15.000 zusätzliche Jobs entstanden. Derzeit gibt es 130.000 Vollbeschäftigte, weitere 85.000 Arbeitsplätze sind direkt von Rechenzentren abhängig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Borderstep Instituts im Auftrag des Bitkom vom November 2017.

„Treiber sind aktuelle Trends wie Cloud Computing, Industrie 4.0 und Big Data, die größere RZ-Kapazitäten beanspruchen. Auch in den kommenden Jahren stehen die Zeichen auf Wachstum“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Im internationalen Vergleich relativiere sich das positive Bild jedoch, denn die Anteile am Globalmarkt schrumpfen aufgrund der deutlich dynamischeren Entwicklung der Kapazitäten in den USA und in Asien.

Auch im europäischen Maßstab kann Deutschland nicht mit den Marktführern in Skandinavien und den Niederlanden mithalten. „Die internationale Bedeutung des Standorts Deutschland nimmt bei Rechenzentren ab. So positiv die Wachstumsraten auch sind – im globalen Vergleich sind sie unterdurchschnittlich“, sagt Berg. Laut Prognose wird der Anteil der deutschen Rechenzentren am Weltmarkt – gemessen an der IT-Fläche – von 5 Prozent im Jahr 2010 auf 4 Prozent im Jahr 2020 sinken. Mitverantwortlich dafür auch: Hohe Strompreise und langwierige Genehmigungsverfahren.

Die Wettbewerbsintensität wird der Studie zufolge in den kommenden Jahren weiter zunehmen. „Hochgeschwindigkeits-Netze und technische Entwicklungen wie Cloud Computing und Virtualisierung führen dazu, dass der Betrieb und die Standortwahl von Rechenzentren immer flexibler werden. Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands hängt dabei ganz maßgeblich von den Energiekosten ab. Die Strompreise sind entscheidend dafür, ob Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland weiterhin einen attraktiven und wettbewerbsfähigen Standort finden“, sagt Berg. Auch langwierige Genehmigungsverfahren würden die Entwicklung ausbremsen. Bei den übrigen Standortfaktoren schneidet Deutschland laut Studie dagegen gut bis sehr gut ab: Sicherheit der Stromversorgung, gute Internetanbindung, Datenschutz und Rechtssicherheit.

Rechenzentren sind neben Breitbandnetzen ein zentrales Element digitaler Infrastrukturen und damit eine grundlegende Voraussetzung für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Leistungsfähige Rechenzentren stärken aus Bitkom-Sicht die digitale Souveränität, sorgen für Arbeitsplätze und verbessern die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die vollständige Studie gibt es hier kostenlos zum Download.

Bildquelle: Bitkom

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