02.11.2017 Interview mit Dr. Ralf Dingeldein, Technogroup

Service für das RZ von Morgen

Von: Berthold Wesseler, Foto: Roger Richter

Im Jahr 1990 gegründet, ist die Hochheimer Technogroup IT-Service GmbH heute ein erfolgreicher mittelständischer IT-Dienstleister mitten im Generationswechsel. Die drei Gesellschafter Gebhard Dieser, Claus Fischer und Alfried Netzband haben diesen Wandel langfristig vorbereitet. Deshalb haben diese drei Alteigentümer bereits 2013 einen strategischen Investor ins Boot und im Juli mit dem Mitvierziger Dr. Ralf Dingeldein einen neuen Chef an die Unternehmensspitze geholt.

  • Im Gespräch mit DV-Dialog zog Dingel­dein auch Parallelen zu seinem Hobby Motorradfahren.

    Im Gespräch mit DV-Dialog zog Dingel­dein auch Parallelen zu seinem Hobby Motorradfahren. Ein Unternehmer brauche ebenso wie der Biker Mut, Agilität und Vorsicht gleichermaßen, um schnell ans Ziel zu kommen.

  • Im Gespräch mit DV-Dialog zog Dingel­dein auch Parallelen zu seinem Hobby Motorradfahren.

    Man müsse die Straße bzw. den Markt „lesen“ und vorbereitet sein auf das Unerwartete. Dann wird man selbst bei kurviger Strecke niemals aus der Balance geraten. Und dann bereite die Arbeit ebenso viel Freude wie das Fahren – mit dem guten Gefühl, etwas zu bewegen.

  • „Selbst wenn der mancherorts diskutierte Trend ‚Change & throw away‘ im Rechenzentrum Wirklichkeit werden sollte, muss es ja jemanden geben, der defekte Hardware austauscht oder die Konfiguration dem Bedarf entsprechend anpasst.“ Dr. Ralf Dingelde

    „Selbst wenn der mancherorts diskutierte Trend ‚Change & throw away‘ im Rechenzentrum Wirklichkeit werden sollte, muss es ja jemanden geben, der defekte Hardware austauscht oder die Konfiguration dem Bedarf entsprechend anpasst.“ Dr. Ralf Dingeldein

  • „Ich habe schnell gemerkt, dass es mir viel Freude macht, mich in neuen Dingen auszuprobieren und Innovationen in die Praxis umzusetzen!“ Dr. Ralf Dingeldein

    „Ich habe schnell gemerkt, dass es mir viel Freude macht, mich in neuen Dingen auszuprobieren und Innovationen in die Praxis umzusetzen!“ Dr. Ralf Dingeldein

Nach Jahren des profitablen Wachstums wurde der Gesellschafterkreis derTechnogroup IT-Service GmbH vor vier Jahren um die Hamburger Caldec Beteiligungen GmbH erweitert. Dieser finanzkräftige und unternehmerisch erfahrene Partner unterstützt den dynamischen Wachstumsprozess in Deutschland und im Ausland.

Diesen Prozess soll der neue Firmenchef Dingeldein steuern und vorantreiben – durch die weitere Professionalisierung der Abläufe, die Internationalisierung des Geschäftes und die Expansion in neue Märkte, wie sie bereits mit dem Service für Medizintechnik und Kassensysteme in Angriff genommen worden ist.

Der begeisterte Biker Dingeldein kann dabei auf über 250 Mitarbeiter des Wartungsspezialisten in 37 Stützpunkten (auch in Österreich, der Schweiz und den Niederlanden) zurückgreifen, die für eine hohe Systemverfügbarkeit der IT-Infrastruktur bei mehr als 4.000 Kunden sorgen. Dafür stehen über 100.000 Ersatzteile für mehr als 85.000 gewartete IT-Systeme bereit, wobei die Technogroup als herstellerunabhängiges Unternehmen Know-how im Umfeld aller wichtigen Systemplattformen hat.  DV-Dialog hat den auch sportlich ehrgeizigen Dr. Ralf Dingeldein gefragt, was ihn an seinen neuen Aufgabe reizt und wie er sie ausgestalten will.

Herr Dingeldein, wie läuft der „Generationswechsel“ an der Firmenspitze?
Dr. Ralf Dingeldein:
Seit der Übergabe des Staffelstabes am 1. Juli durch Firmengründer Claus Fischer leite ich als Sprecher der Geschäftsführung gemeinsam mit Alfried Netzband die Geschicke des Unternehmens. Herr Fischer will sich langsam aus dem operativen Geschäft in den Beirat zurückziehen; spätestens Ende des Jahres soll dieser Prozess abgeschlossen sein.

Wie ich Herrn Fischer kenne, war die Übergabe des Staffelstabes kein bürokratischer Akt?
Dingeldein:
Im Gegenteil, es war ein sehr emotionaler Moment während unseres Sommerfestes. Und statt eines Staffelstabes hat mir Claus Fischer als begeisterter Oldtimer-Freund vor versammelter Belegschaft das Original-Lenkrad eines Jaguar V12 aus meinem Geburtsjahr überreicht – sehr schön montiert auf einer Platte. Das war eine anrührende Geste für eine aus meiner Sicht gelungene Übergabe der Führungsverantwortung.

Führungsverantwortung hatten Sie ja auch in Ihren bisherigen Positionen.
Was hat Sie gereizt, die Führungsverantwortung bei der Technogroup
zu übernehmen?
Dingeldein:
Grundsätzlich reizt mich die Führung eines Unternehmens. Das erkennen Sie schnell beim Blick auf meine Vita, weil mein bisheriger Lebensweg sehr stark unternehmerisch geprägt ist. Jetzt darf ich an der Spitze eines Unternehmens stehen und habe die Entscheidungskompetenz.

Schon bei meiner letzten Aufgabe, der Geschäftsführung des Linde-Händlers Willenbrock Fördertechnik, hatte ich mir zum Ziel gesetzt, das Unternehmen konsequent an den Anforderungen seiner Kunden auszurichten. Dieses übergeordnete Ziel verfolge ich auch bei der Technogroup. Nur das unser Angebot anders geartet ist; wir unterstützen statt der innerbetrieblichen Logistik die Digitalisierungsstrategien unserer Kunden.

ZUR PERSON: Claus Fischer, Gründer und Geschäftsführer der Technogroup, hat sein Unternehmen in fast 27 Jahren zu einem gut aufgestellten, mittelständischen IT-Dienstleister mit 250 Mitarbeitern und über 4.000 Kunden entwickelt. Um die Nachfolge vorzubereiten, hat er den Vertriebsprofi Dr. Ralf Dingeldein (44) am 18. April als neuen Geschäftsführer ins Unternehmen geholt. Er soll den RZ-Dienstleister fit für die Zukunft machen, das Geschäftsmodell weiterentwickeln und den Mitarbeitern eine klare Perspektive geben. Zuletzt war Dingeldein Geschäftsführer beim Linde-Händler Willenbrock. Seine Karriere begann er nach dem Studium an der TH Karlsruhe bei McKinsey; später folgten leitende Positionen bei der Kion Group und Linde Material Handling.

Müssen Sie zur Unterstützung der Digitalisierung nicht auch über fundierte Branchenkenntnisse verfügen?
Dingeldein:
Diese Kenntnisse haben sowohl die Technogroup als auch ich persönlich. Für mich gilt: Schon während meiner Zeit bei McKinsey habe ich einen General-Management-Ansatz verfolgt – und die unterschiedlichsten Unternehmensbereiche und Branchen kennengelernt, vom Bergbau über die Chemie bis hin zur Konsumgüterindustrie. Dabei habe ich auch Erfahrung mit Extremen im Geschäftsalltag gesammelt, zumal ich international sehr viel unterwegs war, zum Beispiel in USA, China oder Südafrika. Danach habe ich gemeinsam mit einem Kollegen die Ausgründung eines Büros begleitet – und schnell gemerkt, dass es mir viel Freude macht, mich in neuen Dingen auszuprobieren und Innovationen in die Praxis umzusetzen.

Konnten Sie das Unternehmertum bereits öfter in der Praxis umsetzen?
Dingeldein:
Die Chance hatte ich mehrfach, auch bei meinem späteren Arbeitgeber Kion bzw. dessen Tochter Linde Material Handling. Schon dort habe ich mir das Thema „Digitalisierung“ auf die Fahne geschrieben. Außerdem war ich dort Leiter weltweit für den Vertrieb der Gabelstapler und Flurförderzeuge verantwortlich.

Danach hatte ich die Gesamtverantwortung für eine kleinere Einheit, als ich wie gesagt als Geschäftsführer nach Bremen ging und die Verantwortung für zwei Handelshäuser von Linde übernahm – die Firma Willenbrock mit 300 Mitarbeitern in Bremen und mit 200 Mitarbeitern in Hannover. Dabei habe ich meiner Passion folgend schnell gemerkt, wieviel Spaß mir die eigenverantwortliche Arbeit in kleineren Einheiten macht. Ohne hier ins Detail zu gehen kann ich sagen: Verantwortung für einen Mittelständler zu übernehmen ist etwas völlig anderes als Unternehmertum in einem Großkonzern; das kann sich sicher jeder Leser gut vorstellen. Und diese unternehmerische Freiheit habe ich jetzt auch bei der Technogroup. Das reizt mich sehr.

Dabei hilft Ihnen sicherlich, dass Sie sich bestens damit auskennen, wie Konzerne „ticken“...
Dingeldein:
Ja, denn die Technogroup arbeitet sowohl auf Kunden- als auch auf Partnerseite mit etlichen Großkonzernen zusammen. Nicht nur, aber auch! Großkonzerne wie IBM, HP oder Dell haben ganz klar ihre Berechtigung. Aber ich weiß auch: Gerade das 21. Jahrhundert bietet Mittelständlern wie Willenbrock oder Technogroup angesichts von Herausforderungen wie Globalisierung und Digitalisierung große Chancen.

Man kann heute als kleine, flexible Einheit sehr erfolgreich im Markt agieren. Ich glaube nicht daran, dass die Großen die Kleinen fressen oder die Schnellen die Langsamen. Das kann natürlich passieren, aber im Endeffekt braucht der Markt beides: Sowohl den Supertanker als auch das Schnellboot. Beide behalten ihre Existenzberechtigung. Für die Technogroup als „Schnellboot“ im Markt kommt es darauf an, die Kundenwünsche zu identifizieren, rasch darauf zu reagieren und so Mehrwerte zu schaffen. Es geht letztlich darum, die Kunden exzellent zu bedienen und auf diese Weise die Zusammenarbeit immer wieder zu erweitern.

Digitalisierung ist kein Fremdwort für Sie. Wissen Sie aber auch, wie die IT-Branche funktioniert?
Dingeldein:
IT ist meine alte Leidenschaft, wenn ich das so ausdrücken darf. Das erkennen Sie daran, dass ich während der Anfänge des E-Commerce im Jahr 2000 ein halbes Jahr im Silicon Valley verbracht habe. Dort hatte McKinsey ein Büro in Redwood City, direkt neben den Oracle-Türmen. Damals habe ich die IT-Branche aus nächster Nähe kennen und schätzen gelernt; in den Jahren 2001 und 2002 habe ich dann auch noch über ein sehr IT-nahes Thema – Internet-basierte Markplätze – an der Universität Essen in Wirtschaftswissenschaften promoviert. Seither habe ich die IT-Branche nicht aus den Augen verloren.

(schmunzelnd) Die Herausforderung bei meiner Promotion war: Ich musste schneller promovieren als die einschlägigen Anbieter weggestorben sind oder aufgekauft wurden. Viele Unternehmer hatten seinerzeit gute Ideen, aber ihnen ist schlicht und ergreifend das Geld ausgegangen.

Ich habe damals gelernt: Wer unternehmerisch erfolgreich sein will, braucht immer auch einen langen Atem. Gefragt ist eine Strategie, die konsequent umgesetzt wird. Dabei muss man nachhaltig unterwegs sein, das Geschäftsmodell immer wieder an neue Herausforderungen anpassen und auch Rückschläge verkraften können. Nur dann wird man letztlich erfolgreich sein können.

Sie kennen also die IT-Branche. Seit wann kennen Sie denn die Technogroup?
Dingeldein:
Die ersten Gespräche gab es Anfang 2016. Je mehr Gespräche ich mit den Eigentümern geführt habe und je besser ich die Unternehmenskultur kennengelernt habe, desto mehr hat mich die Technogroup begeistert – mit ihrer Dynamik, mit der Loyalität  und Kompetenz ihrer Mitarbeiter und der Professionalität des Arbeitens.

Die Technogroup ist aber kein Hype-Highflyer, sondern ein Anbieter ganz klassischer Wartungsservices und IT-Dienstleistungen. Das klingt nicht sexy, sondern eher langweilig...
Dingeldein: (lacht)
Ich kann Ihnen versichern: Seit April war noch kein einziger Tag langweilig – im Gegenteil. Natürlich ist Service harte Arbeit, die sich aber lohnt. Für uns, aber auch für unsere Kunden.

Ich bin dabei, das Unternehmen und seine Mitarbeiter immer besser kennenzulernen. Und ich habe schon die ersten Ansatzpunkte entdeckt, an denen ich die Technogroup weiter entwickeln möchte. Das ist für mich alles andere als langweilig, sondern im Gegenteil hochspannend. Mittelstand in der Nische, dynamisches Umfeld – genau das, was ich gesucht habe. Mir macht es Spaß!

Was genau möchten Sie denn verändern?
Dingeldein:
Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage – denn ich möchte, dass meine Mitarbeiter das von mir persönlich und nicht aus der Zeitung erfahren. Klar ist aber schon soviel: Ich werde nach dem Motto „Evolution statt Revolution“ verfahren!

Die Technogroup ist ja ein gut geführtes und erfolgreiches Unternehmen. Hier wird schon sehr viel sehr gut und sehr richtig gemacht. Das wissen auch meine Mitarbeiter – und sie sollen es weiter so gut machen. Es geht einzig und allein darum, manches noch etwas besser zu machen als bisher.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Dingeldein:
Wir müssen die im vergangenen Jahr erfolgte Einführung des neuen ERP-Systems verdauen. Wer das schon einmal erlebt hat, weiß um die damit verbundenen Ruppeligkeiten und Herausforderungen. Diese Umstellung haben die Mitarbeiter gemeistert, ohne dass die Kunden davon viel mitbekommen hätten. Das war viel Arbeit, deren Früchte wir nun ernten wollen.

Außerdem wollen wir unsere Fühler über die DACH-Region hinaus ausstrecken und durch die Internationalisierung in das nahe europäische Umfeld neue Marktpotentiale erschließen. Last not least wollen wir durch die Ausweitung des Projektgeschäftes über die reine Wartung hinaus mit bestehenden Kunden mehr Umsatz generieren. Dafür wollen wir die Qualität und Stabilität unserer Prozesse auf neue Einsatzfelder ausweiten.

Außerdem wollen wir unsere Fühler über die DACH-Region hinaus ausstrecken und durch die Internationalisierung in das nahe europäische Umfeld neue Marktpotentiale erschließen.

Dabei folgen wir dem Trend zur Digitalisierung, denn mit dem „Internet of Things“ wachsen nicht nur die Server- und Speicherkapazitäten in den Rechenzentren rasant, sondern auch auch Zahl und Vielfalt der Endgeräte, die in irgendeiner Form an das RZ angeschlossen sind. Auf diese Endgeräte, seien es Kassen, sei es Medizintechnik – weiten wir unsere Services aus, damit unser Kunde die notwendige Performance und Verfügbarkeit sicherstellen kann. Von den Vorteilen unseres IoT-Service haben wir bereits einen großen deutschen Büroausstatter überzeugt.

Was genau tun Sie dort?
Dingeldein:
Dieser Büroausstatter bietet seinen Kunden vernetzte Arbeitsplatzlösungen an. Damit ist den Mitarbeitern seiner Kunden immer klar, welcher Arbeitsplatz gerade besetzt oder frei ist. Dahinter steht als Architektur das Internet der Dinge mit entsprechenden Rechenkapazitäten und Netzwerklösungen, die wir gemeinsam mit unserem Partner bereitstellen. Derartige Lösungen wollen wir weiter vorantreiben; in diesen Bereich investieren wir kräftig.

Das wäre dann ein Managed-Service?
Dingeldein:
Wir sprechen von Shared-Services, um die Zusammenarbeit mit dem Kunden bei der Leistungserbringung zu betonen. Der Kunde kann gezielt bestimmte Services bei uns einkaufen, mit denen er seine IT betreibt und absichert, beispielsweise um Krankheits- oder Urlaubszeiten zu überbrücken oder um seine IT-Experten für aktuelle Projekte einsetzen zu können.
Es kann aber durchaus auch sein, dass der Kunde bestimmte Kompetenzen einkauft, die er im eigenen Hause nicht mehr hat, beispielsweise im AS/400- oder im Mainframe-Umfeld. Wir betreuen dabei nicht nur das aktuelle Power-System i, sondern durchaus auch ältere Maschinen und Software-Releases. Ich selbst kenne den „Grünen Bildschirm“ noch aus eigener Erfahrung; zuletzt habe ich damit von knapp drei Jahren intensiver Kontakt gehabt.

Solange alte Technik reibungslos funktioniert, muss sie kein Problem sein. Man sagt ja auch aus gutem Grund: „Never touch a running System!“ Deshalb halten wir auch so viele Ersatzteile vor, beispielsweise für alte Zeilendrucker verschiedener Hersteller. Diese robusten „Arbeitspferde“ leisten heute oft noch gute Dienste auf Versandrampe oder Shop-Floor, wo ein empfindlicher Laserdrucker allzu schnell seinen Geist aufgeben würde.

Welche Shared-Services bietet die Technogroup an?
Dingeldein:
Im Prinzip alle Arbeiten, die für einen reibungslosen IT-Betrieb notwendig sind. Diese Services kann der Kunde einkaufen und in sein eigenes Service-Konzept einbetten. Das kann zum Beispiel das Remote-Monitoring der Server sein, bei dem unsere Techniker von Hochheim aus das RZ des Kunden überwachen und bei Problemen eingreifen. Das kann aber auch der Floor-Service sein, bei dem unsere Techniker im Rechenzentrum des Kunden andere Dienstleister begleiten, beispielsweise für ein Hardware-Upgrade. Das Spektrum dieser Services ist breit gefächert und reicht bis hin zu einem Outtasking, bei dem unsere Techniker vor Ort beim Kunden im Sinne der Arbeitnehmerüberlassung definierte Aufgaben wahrnehmen.

Um die Hochverfügbarkeit der Systeme unserer Kunden sicherzustellen, unterhalten wir in Hochheim ein Zentrallager mit den kritischen Systemkomponenten. Das ist nicht nur die aktuelle Hardware, sondern darunter finden sich auf viele Bauteile alter „Schätzchen“, sei es ein Printronix-Drucker oder ein AS/400-Modell. Damit wir flexibel reagieren und die Wegezeiten verkürzen können, gibt es zusätzlich – verteilt über Deutschland, Österreich und die Schweiz – verschiedene Außenläger.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Sie diese Logistik im Zuge der geplanten Internationalisierung in das benachbarte Ausland ausbauen wollen. Folgen Sie dabei den Kunden – oder gehen Sie neue Märkte strategisch an?
Dingeldein:
Beides, wobei die Pläne derzeit noch nicht ganz in trockenen Tüchern sind. Ohne etwas vorwegzunehmen kann ich aber sagen: Wir schauen uns natürlich an, in welchen Ländern wir unseren Kunden besonders helfen können. Dabei spielt es eine große Rolle, inwieweit andere Fremdwarter bereits in diesen Ländern aktiv sind; deshalb werden Frankreich oder England nicht ganz oben auf unserer Agenda stehen. Norditalien aber ist immer einen Blick über die Alpen wert. Und Erfahrungen beim notwendigen Ausbau der Logistik bringe ich ja von meinem früheren Arbeitgeber mit...

Unterscheiden sich eigentlich die Anforderungen der IT-Logistik von der Ersatzteillogistik eines Gabelstapler-Herstellers?
Dingeldein:
Nicht grundsätzlich! Das mag zwar überraschend klingen, aber man hat in beiden Fällen bestimmte Gebiete mit einem definierten Besatz. Das können in unserem Fall Server, bei Linde Gabelstapler und Förderfahrzeuge sein. Für jedes Gebiet ist eine bestimmte Anzahl von Servicetechnikern zuständig, deren Einsatz sowohl kunden- als auch ertragsoptimal zu steuern ist.

Das ist jeweils der gleiche Spagat, auch wenn die Art der gewarteten Technik unterschiedlich ist. Wie Herr Fischer und ich erkannt haben, gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten und Analogien als wir anfangs vermutet hätten. Letztlich ist es egal, ob Sie ein Paket von Amazon durch ein logistisches System schicken oder eine Festplatte der Technogroup. Es kommt ja immer darauf an, das richtige Paket zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu haben. Bei der Fehlerquote oder bei den zeitlichen Anforderungen sehe ich keine Unterschiede zu Amazon; dort gibt ja es Angebote wie Same-Day-Delivery oder in Metropolen wie Berlin sogar Lieferungen innerhalb einer Stunde. Bei den logistischen Anforderungen sehe ich eine große Konvergenz in praktisch allen Industrien – inklusive der IT-Branche.

Kann ein Mittelständler wie die Technogroup solch ein anspruchsvolles Logistiknetz betreiben?
Dingeldein:
Klar. Wir machen das heute schon sehr gut, um es bescheiden zu formulieren. Unsere Lieferqualität liegt über 99 Prozent, die Teileverfügbarkeit jenseits von 90 Prozent und die Instandsetzungszeit innerhalb von vier Stunden sogar bei 100 Prozent. Diese Zahlen sprechen für sich; wir beherrschen unsere Logistik. 

Herr Dingeldein, vielen Dank für das Interview!

 

 

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