26.10.2017 IBM lagert Entwicklung von Lotus Notes und Domino an HCL aus

Strategie für Domino2025

Von: Berthold Wesseler

Ist es eine gute oder eine schlechte Nachricht für Anwender von Collaboration-Produkten der IBM? Gestern gab der US-Konzern bekannt, dass er Produktentwicklung von Notes, Domino, Verse und Sametime an den indischen Partner HCL übergibt, der künftig auch den Service verantworten wird. Im Jahr 2018 soll Version 10 von Notes und Domino erscheinen; gemeinsam wollen beide Hersteller eine Strategie für Domino2025 ausarbeiten.

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Ein kluger Schachzug der IBM?

Kritiker reden von einer Abschiebung der Collaboration-Produkte, während Lotus-Fans darin eine gute Nachricht sehen und auf eine Verbesserung der zuletzt schleppenden Produktentwicklung hoffen. „IBM behält bei den Collaboration-Lösungen die Rolle des Motors und HCL Technologies wird der neue Bi-Turbo“, formuliert es Tom Zeizel, Business Unit Executive IBM Collaboration & Talent Solutions D-A-CH.

So Recht vom Fleck kam die IBM mit ihren Collaboration-Produkten zuletzt nicht mehr, auch wenn im Jahr 2015 mit Verse ein völlig neues Produkt angekündigt wurde. Doch von Neukunden der IBM in diesem Bereich hörte man zuletzt ebenso wenig wie von neuen Produkt-Releases. Nur von Einsparungen war immer wieder die Rede – und von Migrationen mancher IBM-Kunden auf Microsoft Office 365 oder in die Google Cloud. Die Weiterentwicklung von Notes und Domino dagegen war ins Stocken geraten.

Das will IBM jetzt ändern – durch eine Ausweitung der Partnerschaft mit dem IT-Konzern HCL, der künftig für Entwicklung und Support von Notes, Domino, Verse und Sametime verantwortlich zeichnet und dazu auch Personal von der IBM übernimmt, die für Marketing und Vertrieb der Produkte zuständig bleibt. Mit HCL arbeitet IBM in ähnlicher Form bereits bei den Software-Produkten Tivoli und Rational zusammen – und bei BRMS wurde im Sommer eine vergleichbare Partnerschaft mit Help Systems geschlossen.

Das erste gemeinsame Ergebnis der neuen Partnerschaft mit HCL soll das lang erwartete Release 10 von Notes und Domino werden, das im Herbst 2018 kommen soll. Diese Ankündigung ist aber erst der Beginn einer langfristigen Roadmap und gemeinsamen Entwicklung. Vorher kommen das „Notes Domino Feature-Pack 10“ und „Verse on Prem 1.0.3“ – und zwar laut Ankündigung noch vor dem Jahresende. Erst im Frühjahr hatte IBM sich zur Weiterentwicklung von Domino als Anwendungs- und Mail-Plattform verpflichtet, weil diese Plattform für viele Kunden und Partner wichtig sei.

Um die Wünsche und Anregungen der Kunden in die Roadmap einfließen zu lassen, wird in den nächsten Tagen die Initiative „Domino 2025 Jam“ (#Domino2025) gestartet. Ziel ist es, gemeinsam mit mit Kunden, Partnern und User Groups wie der DNUG e.V. die Investitionen in Verse, Notes, Domino und Sametime, also Inhalte der kommenden Releases und Feature-Packs, frühzeitig abzustimmen. Man darf gespannt sein, ob diese Partnerschaft ein kluger Schachzug der IBM war – oder ob damit die Collaboration-Suite von Big Blue endgültig schachmatt gesetzt wird.

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