07.12.2017 Mehr als nur irgendwas mit Umwelt

CSR-Richtlinie: Auf der rechtssicheren Seite sein

Von: Gesa Müller

Gemäß einer aktuellen EU-Richtlinie zur Corporate Social Responsibility (CSR) benötigen Unternehmen entsprechende Prozesse und IT-Lösungen, um auf der rechtssicheren Seite zu sein.

  • Es gilt, ökologische, soziale und ökonomische Ziele zu vereinbaren.

    Es gilt, ökologische, soziale und ökonomische Ziele zu vereinbaren, um gleichermaßen Umweltschutz, Sozialschutz und wirtschaftliches Wachstum zu erreichen. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Nils Giesen, Nachhaltigkeits­experte bei Abat

    Nils Giesen, Nachhaltigkeits­experte bei Abat ((Bildquelle: Abat))

Große kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland müssen sich seit März 2017 an die CSR-Richtlinie (Corporate Social Responsibility) der Europäischen Union halten. Sie sind dazu verpflichtet, Auskunft über wesentliche ­Aspekte aus den Bereichen Umwelt, Sozialbelange, Menschenrechte, Arbeitnehmerbelange und Korruptionsbekämpfung zu geben. Dazu müssen sie die entsprechenden Daten regelmäßig erheben und in Form eines Berichts aufbereiten – eine große Herausforderung für viele Verantwortliche, da entsprechende Prozesse fehlen.

In der Öffentlichkeit herrscht häufig ein falsches Bild von Nachhaltigkeit, denn oft steht nur der Umweltschutz im Fokus. „Es gilt aber, ökologische, soziale und ökonomische Ziele zu vereinbaren, um gleichermaßen Umweltschutz (Planet), Sozialschutz (People) und wirtschaftliches Wachstum (Profit) zu erreichen“, erklärt Nils Giesen, Nachhaltigkeitsexperte und Consultant beim Bremer SAP-Dienstleister Abat. „Das muss zunächst auf strategischer Ebene beginnen und das Management sollte grundsätzliche Entscheidungen hinterfragen.“

Durch das Inkrafttreten der CSR-Berichtspflicht ist für viele Unternehmen ein Nachhaltigkeitsbericht nicht mehr nur Kür, sondern Pflicht. So wird es immer wichtiger, die Berichte fehlerfrei und effizient zu erstellen. Aktuell liegt der größte Stolperstein in der Erfassung, Konsolidierung und Auswertung der benötigten Daten. Dabei reicht es nicht, nur die eigenen Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit zu dokumentieren, denn viele Informationen, die berichtsrelevant sind, entstehen entlang der Lieferkette. Aktuell fehlt es immer wieder an den richtigen Vorgehensweisen: Daten werden oft über mehrere Standorte hinweg in Form von Excel-Listen manuell gesammelt und gepflegt – ein Prozess mit hoher Fehleranfälligkeit und viel Aufwand. Das können große Unternehmen nur bewerkstelligen, wenn Datenerhebung, Erfassung und Auswertung automatisiert ablaufen.

Erst die Strategie, dann die IT


Doch bevor sich die Verantwortlichen an die IT machen, müssen sie zunächst vorhandene Prozesse genau betrachten und analysieren. Dabei sollten sie strukturiert vorgehen: Welche Personen sind beteiligt? Wie soll die Berichterstattung aussehen? Zudem sollten sie identifizieren, welche Kennzahlen für ihr Unternehmen wesentlich sind. „Hier liefert die CSR-Richtlinie einige Anhaltspunkte, über welche Bereiche zu berichten ist. Zusätzlich sollten sich die Verantwortlichen am Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) oder an der Global Reporting Initiative (GRI) orientieren – so gehen sie auf Nummer sicher“, erklärt Giesen. Die beiden Standards machen klare Vorgaben, was ein Nachhaltigkeitsbericht enthalten muss.

Darüber hinaus sollte ein genauer Blick auf die Daten geworfen werden: Welche benötigten Daten hat man bereits erfasst? Welche davon kann man nutzen? Welche Daten muss man noch erheben? Und dann die wichtigste Frage: Kann man mit der internen Infrastruktur die Berichterstattung überhaupt abbilden? Wer die letzte Frage mit „Nein“ oder „nur teilweise“ beantwortet, sollte unbedingt unterstützende Software-Tools implementieren. Diese werden über Schnittstellen an interne Systeme angebunden und unterstützen im gesamten Prozess – von der Datenerhebung über die Aggregation und Auswertung bis hin zur Berichterstellung.

Spezial-Software kann helfen


„Schon bei der Datenerfassung kann eine entsprechende IT-Lösung, beispielsweise ,Storm‘, kurz für Smart Online Reporting & Management, helfen. Sie kann verschiedene Daten integrieren, z.B. automatisiert über Schnittstellen aus dem ERP-System oder direkt aus der Aufzeichnung von Sensoren“, erklärt Giesen. Das System aggregiert die Daten auch unabhängig vom Format. So müssen neue und vorhandene Daten nicht mühsam manuell zusammengetragen werden. Auch das händische Erheben von verschiedenen Datenlieferanten, wie Dienstleistern oder Lieferanten, lässt sich mit Reporting-Lösungen in die Berichtsprozesse einplanen und durchführen. Anschließend findet eine automatisierte Qualitätskontrolle der Daten statt, was Zeit spart und die Fehlerquote senkt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Durch die automatische und qualifizierte Zusammenführung aller Informationen wird eine homogene Datenbasis geschaffen, mit der Unternehmen effizient weiterarbeiten können. Auch bei der Verwendung der richtigen Daten für die Berichterstattung kann eine Spezial-Software unterstützen: So sind inhaltliche, vom DNK oder der GRI vorgegebene Indikatoren oft schon als Vorlage in der Software vorhanden. Damit können die Verantwortlichen sichergehen, dass sie ihre Daten so verwenden, wie es die Standards und die CSR-Berichtspflicht verlangen. Das Ergebnis: Die Berichte sind von hoher Qualität und vollständig. Mit einem entsprechenden System ist es zudem möglich, die Nachhaltigkeitsberichte zielgruppenspezifisch aufzubereiten. So können beispielsweise mit wenigen Klicks ein Bericht für das Management und ein weiterer für die Konsumenten erstellt werden. Auch die Integration in die Abläufe der Wirtschaftsprüfung durch entsprechende Belege und Dokumentation kann durch Reporting-Lösungen erfolgen.


Die CSR-Berichtspflicht


Was wird verlangt?
Unternehmen ab einer bestimmten Größe müssen jährlich in Form eines Berichts Auskunft zu Umwelt-, Arbeitnehmer- und Sozialbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung geben.
Wer ist betroffen?
Große kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kredit- und ­Finanzdienstleistungsinstitute sowie Versicherungsunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern
Was sind die wichtigsten Regularien?
– CSR-Richtlinie
– Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)
– Global Reporting Initiative (GRI)

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH