13.11.2017 Vor- und Nachteile hybrider IT

Die Cloud ist nicht immer günstiger

Von: Kong Yang*

Hybride IT ist in vielen Unternehmen mittlerweile Realität, denn immer mehr migrieren ihre Systeme in die Cloud. Doch welche Vor- und Nachteile bringt der Mix aus Cloud- und On-Premise-IT mit sich?

Umstieg auf Cloud Computing

Wie viel lässt sich mit dem Umstieg auf Cloud Computing tatsächlich einsparen?

Laut dem IT-Trends-Index 2017 des IT-Anbieters Solarwinds haben im letzten Jahr bereits 82 Prozent der Unternehmen wichtige Anwendungen in die Cloud migriert. Dabei sollten die IT-Experten bereits vor dem Umstieg in die Cloud genau wissen, was sie zu erwarten haben. Naturgemäß hat jedes Unternehmen andere Erwartungen an die Vorteile einer Migration von Anwendungen oder Infrastrukturen in die Cloud. Zu den größten Anreizen gehören jedoch sicherlich vereinfachte Verwaltungsprozesse, eine schnellere Bereitstellung und Kostenersparnisse, die sich positiv auf die Gewinne auswirken.

Wie die Ergebnisse des diesjährigen Berichts zeigen, konnte nur ein Viertel der befragten IT-Experten alle erwarteten Vorteile der Migration von verschiedenen Bereichen der IT-Infrastrukturen des Unternehmens in die Cloud vollständig umsetzen. Zum Teil kann dies an zu hohen Erwartungen an die Cloud und einer unzureichenden Planung im Vorfeld liegen. Im Folgenden werden einige Fakten aufgeführt, die IT-Experten beim Umstieg in die Cloud berücksichtigen sollten.

IT-Abteilungen auf der ganzen Welt werden vom Management dazu gedrängt, in die Cloud zu migrieren, da diese im Vergleich zu lokalen Hosting-Anwendungen als kostengünstiger erachtet wird. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Je nachdem, welche Anwendungen migriert und welche zusätzlichen Dienste ausgewählt werden, kann eine Cloud-Bereitstellung am Ende deutlich mehr kosten als eine lokale. Nach Abschluss der Entwicklungs- und Designarbeiten durch IT-Experten für den gesamten Stack ist der Preis letztlich wahrscheinlich höher als erwartet.

Fortlaufende IT-Verwaltung

Es gilt immer zu beachten, dass Verfügbarkeit und akzeptable Antwortzeiten für Endbenutzer gewährleistet sind – und das unabhängig davon, wo Anwendungen gehostet werden. Auch die Anwendungslebenszyklen ändern sich. Sie werden kürzer, was zu fortlaufenden Integrations- und Bereitstellungsaufgaben führt. Sobald eine Anwendung in die Cloud migriert wurde, müssen die Dienste auf Abruf bereitstehen und konstant bei optimaler Leistung ausgeführt werden, damit SLAs erfüllt werden können.

Dies kann zum Beispiel durch die Implementierung eines Überwachungssystems erreicht werden, das eine umfassende Übersicht über die gesamte hybride IT-Umgebung bietet. Durch ein solches System können IT-Mitarbeiter fundierte Entscheidungen treffen, welche Rechenlasten lokal ausgeführt und welche in die Cloud migriert werden sollten. Außerdem zeigt das System zu jedem beliebigen Zeitpunkt an, wenn die Leistung einer lokalen oder Cloud-Anwendung abfällt oder zu gering ist, und gibt einen Vergleich der relativen Leistung aus, sodass sachgerechte Entscheidungen getroffen werden können.

Erwägungen vor der Cloud-Migration

Hybride IT führt zu einer höheren Komplexität von IT-Umgebungen. IT-Experten sind nun für eine Vielzahl von Variablen verantwortlich, die sie teilweise nicht selbst steuern, aber dennoch verwalten müssen. Auch wenn Anwendungen sich auf dem Server oder innerhalb der Infrastrukturen von Dritten befinden bzw. dort gehostet werden, sind IT-Experten für die Servicequalität dieser Anwendungen verantwortlich und müssen sicherstellen, dass sie die Service Level Agreements (SLAs) erfüllen.

IT-Teams sollten auch ihre Erfahrung im Bereich Sicherheit berücksichtigen, bevor sie Anwendungen in die Cloud migrieren. Dies gilt insbesondere bei der Migration in eine öffentliche Cloud. Zum angemessenen Schutz von Daten in der Cloud müssen IT-Organisationen sich bei der Risikominimierung genauestens mit ihrem Cloud-Service-Provider abstimmen und Tools für die Sicherheitsüberwachung und -verwaltung überlegt einsetzen.

Aufgrund der zunehmenden Migration in die Cloud müssen IT-Experten sich mithilfe von Best Practices dafür rüsten, in dieser schnelllebigen Umgebung Schritt halten zu können. Dabei sollten sie folgende Aspekte besonders in Betracht ziehen:

  • Zusammenarbeit: Für IT-Experten ist es extrem wichtig, mit Kollegen aus der Branche und den verschiedenen Communitys rund um neue Technologien vernetzt zu bleiben. Genauso wichtig sind jedoch die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Benutzern sowie die Weitergabe von Fallstudien und Erfahrungswerten. Nur so können sie sich einen genauen Überblick über alle Vorteile hybrider IT verschaffen und diese vollständig ausnutzen.
  • Kommunikation: IT-Experten benötigen ausgereifte Kommunikationsfähigkeiten. Die Möglichkeit zur Kommunikation von Erfolgen und Problemen an das Management-Team ist extrem wichtig. Außerdem muss eine klare und deutliche Kommunikation mit Cloud-Service-Providern gewährleistet sein.
  • Umfassendes Know-how: Da die Landschaft der hybriden IT einem ständigen Wandel unterliegt, müssen sich IT-Experten umfassendes Know-how aneignen, um beim Thema Cloud in ihrem Job bestehen zu können. Wenn sie über die Fähigkeit verfügen, sich einen Überblick über Probleme, die mit hybriden IT-Umgebungen einhergehen, zu verschaffen und diese zu beheben, sind sie optimal für diese neue IT-Ära aufgestellt.

Sollten Unternehmen noch nicht mit der Migration in die Cloud begonnen haben, könnte diese in nächster Zukunft jedoch anstehen. Spätestens dann müssen IT-Experten die Erwartungen im Hinblick auf hybride IT mit dem Management abstimmen und die Ergebnisse entsprechend kommunizieren, damit die Bereitstellung aus der Cloud erfolgreich verlaufen wird. Da IT-Umgebungen immer komplexer werden, müssen sich die IT-Experten zudem neue Fähigkeiten aneignen und sich umfassend mit der Cloud-Thematik vertraut machen.

* Der Autor Kong Yang ist Head Geek bei Solarwinds.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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