23.10.2017 Transformation. Bamm!

IT rockt den Wandel

Von: Gesa Müller

Nie war der Status quo in Unternehmen so schnell veraltet. Neue Technologien und branchenübergreifende Kooperationen sind heute die Regel. Und die IT muss das alles stemmen. Ihr kommt bei der Transformation eine besondere Rolle zu. Nicht nur aus technischer Sicht, wie Marcus Bond und Dietmar Dahmen, die Autoren des Buchs „Transformation. Bamm!“, erklären.

  • Buch Transformation. Bamm!

    Der Titel "Transformation. Bamm!" wurde vom Verlag Murmann Publishers, Hamburg, veröffentlicht.

  • Die beiden Buchautoran Marcus Bond und Dietmar Dahmen

    Dietmar Dahmen (re.) nennt sich Transformations- und Zukunftsexperte, der nun sein erstes Buch veröffentlicht hat. Unterstützt wurde er vom Digital-Business-Experten Marcus Bond.

IT-DIRECTOR: Herr Dahmen, Herr Bond, Kernaussage Ihres gemeinsamen Buches ist, dass sich die gesamte Wirtschaft wandelt. Altes vergeht, Neues entsteht. Kann es sein, dass diese Erkenntnis bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen ist?
D. Dahmen:
Ganz im Gegenteil. Die Transformation ist überall sichtbar. Die Autoindustrie produziert beispielsweise zwar immer noch Automobile. Früher tat sie es aber mit der Betonung vorne: AUTOmobil. Heute tut sie es immer mehr mit der Betonung von autoMOBIL. Menschen wollen kein Auto mehr, sie wollen Mobilität. Weg vom fixen Produkt (mein Auto) hin zur Lösung (in diesem Moment mit dem Cabrio übers Land). Die Transformation ist sehr sichtbar. Die Frage ist nur, mit welcher Dringlichkeit Unternehmen darauf reagieren und mit welcher Konsequenz. Um beim Auto zu bleiben: die Umstellung auf E-Mobility und selbstfahrende Fahrzeuge ist ein radikaler Wandel und keine Weichei-Nummer. Wer denkt, die alte, bekannte und vielleicht geliebte Technologie halten zu können, befindet sich auf dem Holzweg.

M. Bond: Umwälzende Entwicklungen kommen zudem immer öfter von Playern außerhalb der bekannten Spielfelder. Bei Amazon und Google weiß man: die mischen überall mit, neuerdings auch im Pharmabereich. Aber was ist mit Busunternehmen wie Flixbus? Europas größter Fernbusanbieter ist quasi ein reines IT-Unternehmen. Ein Busbetrieb ohne eigene Busse. So wie Airbnb eine Hotelkette ohne Zimmer ist. Das Geschäft ist transformiert und digital. Hinter Flixbus könnte theoretisch genauso DHL, MAN, Google oder eben das pfiffige Tech-Start-up aus München stehen.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Aufgaben bringt die digitale Transformation für die IT?
M. Bond:
Branchen lösen sich derzeit in übergreifenden Kooperationen auf: Der Stahlkonzern kooperiert mit dem 3D-Druck-Startup. Der Pharmakonzern kooperiert mit dem Big-Data-Spezialisten. Bosch ist eines der größten Software-Unternehmen. Gardena entwickelt integrierte Hard- und Software. Die IT ist der Kitt, den die neuen Verbindungen und Geschäftsmodelle brauchen. Ergo: Die IT ist voll im Wandel und transformiert. Während sie früher interne Systeme am Laufen halten und optimieren musste, muss sie heute interne Systeme und haufenweise neue, externe Systeme vernetzen. Das erfordert deutlich mehr Agilität in allem, auch im Kopf und in den Methoden.

Deshalb der Tipp: In den Unternehmen sollten Flexibilitätsstrukturen einziehen. Die Verantwortlichen sollten sich bei jeder Entscheidung fragen, ob das neue System, das Tool, der Prozess oder die KPI die Organisation und die Produkte  einfacher, schneller, vernetzter, service-orientierter macht, oder statischer, bürokratischer, unflexibler?

D. Dahmen: Betrachtet man die weltweiten Top-10-Firmen, regiert dort IT. Dabei erlauben Plattformen den direkten Draht zu Kunden. Und wer den hat, gewinnt. Plattformen erlauben auch, Ökosysteme und Gesamtlösungen zu bauen. Kunden wollen nicht nur den Flug buchen, sondern den ganzen Urlaub und am besten noch jemand, der sich um die Katze kümmert. Der Kunde denkt an die Katze, Plattformen können das auch.

IT-DIRECTOR: Welche Position sollte die IT einnehmen? Die IT bewegt sich ja immer im Spannungsfeld zwischen Erfüllungsgehilfe und Treiber der Transformation.
M. Bond:
Unterm Strich ist es eine Frage der Einstellung. Nimmt man den IT-Leiter bei einem Garagentoranbieter. Macht er sich Gedanken über die mittlere und langfristige Zukunft des Unternehmens? Und wie trägt er bei, diese zu meistern? Es gibt beispielsweise den Trend zur Individualisierung. Individuell bedruckte Garagentore online anzubieten, wäre ein echter geschäftlicher Vorteil. Dafür müsste aber eine Menge geändert werden: Ein E-Commerce-System samt Online-Konfigurator müsste her und mit dem Backend verbunden werden. Die Lackiererei müsste prozesstechnisch anders integriert werden. Es müssten neue Experten eingestellt, neue Systeme implementiert und neue Prozesse eingeführt werden. Wer ist Treiber des Ganzen? Bestenfalls die IT, denn damit trägt sie direkt zur Zukunftssicherung der Firma bei. Schlimmstenfalls reagiert die IT auf Innovation stirnrunzelnd: „Oh, das geht aber nicht mit unseren Systemen. Wir haben auch nicht die richtigen Leute im Haus …“.

IT-DIRECTOR: Sie beschreiben in Ihrem Buch digitale Trends und geben Tipps, wie Unternehmen damit umgehen sollten. Gibt es einen Trend, der besonders wichtig ist?
D. Dahmen:
Was früher Daten waren, ist heute Künstliche Intelligenz. So steckt China gerade 150 Mrd. Yuan in KI. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin sagte diesen September: „Wer KI meistert, regiert die Welt.“ Aber KI an sich ist keine Form, sondern vielmehr Augmented Reality oder eine Stimme – Amazon Echo lässt grüßen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

M. Bond: Die Schwierigkeit bei Trends ist heute die Gleichzeitigkeit. Früher hieß es seitens des Marketings: Wir müssen ins Internet und brauchen ein Content-Management-System (CMS). Dann kam der Vertrieb und verlangte nach einem Customer Relationship Management (CRM), möglichst web-basiert. Heute kommen Internet of Things (IoT), KI, 3D-Druck oder Virtual Reality gleichzeitig und beeinflussen sich zudem noch gegenseitig. Bei großen Unternehmen heißt es heute nicht: Setzen wir auf IoT oder VR oder innovative Künstliche Intelligenz? Sie müssen alles gleichzeitig einsetzen.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen Cloud-Anwendungen in der im Buch genannten Vulkanökonomie?
D. Dahmen:
Die Cloud ist die Atmosphäre der digitalen Ökonomie und diese ist überall. Man sieht sie nicht, man schmeckt sie nicht und man kann sie nicht fühlen. Aber wenn man die Atmosphäre aus der Welt entfernen würde, würden alle sterben. Von daher ist Atmosphäre zum Überleben notwendig. Im Business befindet sich die Atmosphäre in der Cloud, das heißt: Wer die Daten der Cloud nicht atmen kann, wird ersticken.


Transformation. Bamm!

Management in der Vulkanökonomie
von Dietmar Dahmen und Marcus Bond

232 Seiten
19,90 Euro
ISBN 978-3-86774-582-6
Verlag: Murmann Publishers, Hamburg

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