30.11.2017 Datensicherung unerlässlich

Kein Backup ohne Automatisierung

Von: Kathrin Zieblo

Im Interview berichtet Carsten Graf, Managing Director DACH bei Code42, warum Unternehmen auf eine automatisierte Backup-Lösung setzen sollten und welche Gefahr von Ransomware ausgeht.

Carsten Graf, Managing Director DACH bei Code42

„Ohne eine Automatisierung ist ein Backup heute nicht mehr einsetzbar. Dem Benutzer die Verantwortung für die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes zu übertragen bringt ein hohes Risiko und Wahrscheinlichkeit mit sich, dass eine Datensicherung nicht stattfindet", so Carsten Graf, Managing Director DACH bei Code42.

IT-DIRECTOR: Herr Graf, vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen, wenn es um das Thema Backup geht und wie lassen sich diese meistern?
C. Graf:
Die Lückenlosigkeit des Backups ist ein heißes Thema. Meistens werden zwar Server und Datenzentren gesichert, aber die Endpunkte – PCs und Laptops – vernachlässigt. Hier wird jedoch über alle Unternehmensebenen hinweg ein Großteil der kritischen Informationen erstellt und verarbeitet, sodass deren unwiederbringlicher Verlust gravierende Folgen haben kann.

IT-DIRECTOR: Welche typischen Fehler werden im Backup-Bereich häufig gemacht?
C. Graf:
Zum einen, wie erwähnt, die Vernachlässigung der Endpunkte. Zum anderen sind meist die Sicherungsintervalle zu groß und die Wiederherstellungszeit zu lang – beides sollte im Bereich von Minuten liegen. Außerdem wird das Potential von modernen Backup-Lösungen – zum Beispiel das lückenlose Nachvollziehen von Datenbewegungen – nicht voll ausgenutzt.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lässt sich ein Backup bereits automatisieren und wie wichtig ist es, die Funktionstüchtigkeit zu überprüfen – Stichwort Recovery-Test?
C. Graf:
Ohne eine Automatisierung ist ein Backup heute nicht mehr einsetzbar. Dem Benutzer die Verantwortung für die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes zu übertragen bringt ein hohes Risiko und Wahrscheinlichkeit mit sich, dass eine Datensicherung nicht stattfindet. Aus diesem Grund muss eine Endgeräte Backup-Lösung sich nahtlos in die bestehenden Softwareverteilungsprozesse integrieren lassen, um eine 100 prozentige Automatisierung und somit ein gesichertes Backup zu gewährleisten. Beim Recovery müssen zwei Dinge beachtet werden. Zum einen ist es wichtig, dass die Backuplösung den Daten im Archiv automatisiert auf Konsistenz prüft. Wichtig ist aber auch, und dies wird oft vergessen, dass ein Prozess bestehen muss, der die erfolgreiche Wiederherstellung von Daten an sich sicherstellt und dieser auch regelmäßig getestet wird.

IT-DIRECTOR: Welche Aspekte sollten beim Erstellen von Backup-Konzepten berücksichtigt werden?
C. Graf:
Das kommt ganz auf die individuellen Schwerpunkte im Unternehmen an. Habe ich viele Remote-Worker die mit sensiblen Daten arbeiten, muss ich diese natürlich abdecken, aber ohne ihre Arbeit zu behindern (z.B. durch Zwang zu langsamen VPN-Verbindungen etc.). Bei der Wiederherstellung sollte ein Fokus auf das schnelle Recovery akut wichtiger Daten liegen, damit schnell wieder produktiv gearbeitet werden kann.

IT-DIRECTOR: Welche Bedeutung hat die Cloud für das Backup-Geschäft?
C. Graf:
Die Cloud bietet natürlich den Vorteil, dass alle Geräte in einem Unternehmen gesichert werden können, ob sie sich nun im Unternehmensnetz befinden, oder nicht. Dies erlaubt einen ganzheitlichen Sicherheitsansatz gepaart mit der Flexibilität, Funktionsvielfalt und Bedienkomfort moderner Services.

IT-DIRECTOR: Wo liegen die Vorteile eines Cloud-Backups?
C. Graf:
Da ist natürlich die Ortsunabhängigkeit. Backup in die Cloud geht von überall und damit auch das Recovery nach überall hin. Zum anderen braucht man sich als Unternehmen keine Gedanken um Kosten für Storage im Haus zu machen – die Cloud skaliert mit, nach oben oder unten, und man bezahlt nur, was man auch braucht.

IT-DIRECTOR:  Erschwert die Virtualisierung (z.B. von Servern) ein zuverlässiges Backup?
C. Graf:
Viele Virtualisierungslösungen unterstützen heute „Snapshots“ mit denen ein Stand einer VM zum jeweiligen Zeitpunkt eingefroren werden kann. Meist ist es aber so, dass man nicht einen kompletten Server, sondern einzelne Daten wiederherstellen möchte. Hier ist ein funktionierendes Backup unabdingbar. Moderne Backup-Lösungen arbeiten sowohl mit virtuellen als auch physischen Umgebungen problemlos zusammen.

IT-DIRECTOR: Wo sehen Sie die größten Gefahren für IT-Systeme und wie wirken Unternehmen diesen effektiv entgegen?
C. Graf:
Das größte Risiko für die IT-Infrastrukturen liegen heute beim Benutzer. In den meisten Fällen ist er die Schwachstelle, die durch gezielte oder ungezielte Angriffe adressiert wird. Phishing-Attacken ermöglichen potentiellen Angreifern nicht nur das Einschleusen von z.B. Ransomware in ein Unternehmen. Auch der Diebstahl von Zugangsdaten stellt heute ein großes Problem dar. Auch das Anwerben von „Insidern“ wird immer einfacher. Im Darkweb gibt es bereits eigene Portale für die Vermittlung von User Accounts, wobei Beträge bis 10.000 EUR für einen funktionieren Benutzeraccount keine Seltenheit sind.

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