01.12.2017 Anforderungen an IT-Infrastrukturen

Mit Edge-Rechenzentren auf dem Weg in die Zukunft

Von: Thomas Sting

Inwieweit stellen Edge-Rechenzentren wesentlich höhere Anforderungen an IT-Infrastrukturen?

Lösungen wie autarke Kompaktrechenzentren können unkompliziert in die bestehende städtische Infrastruktur integriert werden.

Lösungen wie autarke Kompaktrechenzentren oder hochsichere Raum-in-Raum-Systeme werden zunehmen. Sie können unkompliziert in die bestehende städtische Infrastruktur integriert werden.

Welche Auswirkungen und Veränderungen haben IoT und Industrie 4.0 auf die IT-Infrastruktur? Das ist kein Blick in die Glaskugel, sondern zentrales Thema der Industrie. Bereits in den kommenden Jahren werden sich IT-Landschaften und Infrastrukturen deutlich verändern. Hintergrund sind neue Anwendungen und Applikationen über alle Branchen hinweg – zur Minimierung der Datenübertragungszeiten. Kosten werden dezentral, man ist möglichst nahe beim Nutzer und kleinere Hochleistungsrechenzentren entstehen: die Edge-Rechenzentren.

In Bezug auf Rechenzentren werden die Abhängigkeiten zunehmen. Damit einhergehend entstehen mehr Sicherheitsanforderungen, um beispielsweise Daten verfügbar zu halten oder Missbrauch zu vermeiden. Je stärker moderne und kommende Technologien eingesetzt werden, desto größer wird der Aufwand, diese zu managen. Das Datenvolumen muss durch schnellere und bessere Rechner gesteuert werden und erhöht gleichzeitig die Notwendigkeit nach mehr Rechenleistung. Dieser Prozess wiederum muss hochverfügbar sein und entsprechend geschützt werden. Die technische Umsetzung erfordert zudem eine ausfallsichere Energieversorgung und Klimatisierung.

Die Automobilindustrie wird infolge des bedienerlosen Fahrens, aber auch der angestrebten Car-to-Car-Kommunikation sicherlich eine der treibenden Kräfte dieser Entwicklung sein. Durch sie entstehen immense Datenmengen mit der Anforderung sehr kurzer Latenzzeiten bei der Datennutzung und -übertragung. Die heutigen global angesiedelten großen Cloud-Rechenzentren können diese Anforderungen nicht erfüllen, ebenso wenig zentrale Großrechenzentren in deutschen Ballungsgebieten und Metropolen wie Frankfurt, München oder Berlin. Vielmehr werden zukünftig entlang der Straßen zahlreiche Datensammler entstehen respektive IT-Equipments aufgebaut. Diese „Datensammler“ können kleinere Kompaktrechenzentren, Container- oder bestehende, benachbarte Datacenter sein: Zusammengefasst werden sie aktuell unter dem Begriff Edge-Rechenzentren.

Physische Anforderungen


Der Aufbau geeigneter, dezentraler Hochverfügbarkeitsrechenzentren ist eine elementare Voraussetzung: Das Datenvolumen muss nicht nur sicher und verfügbar sein, sondern vor allem schnell verwaltet werden. Die Performance der Edge-Rechenzentren muss dann trotz ihrer Größe die steigenden Abhängigkeiten in allen Geschäftsprozessen gewährleisten ebenso die entsprechenden Anforderungen an derartig professionelle IT-Infrastrukturen hinsichtlich Verfügbarkeit und Sicherheit. Erforderlich ist aber auch eine deutliche Optimierung der heutigen Datenübertragungs- und Verkabelungstechnik, um Verzögerungen in der Datenübermittlung zu minimieren. Diese sind für Anwendungen wie das autonome Fahren kritisch bis lebensgefährlich.

Edge-Datacenter müssen flexibel sein. Die „Datensammler“ sollten als kaskadierfähige Lösung designt werden, die wachsende IT-Infrastrukturen von vornherein berücksichtigen. Ziel ist bei allen Wachstumsoptionen, d.h. mehr sowie weniger IT-Infrastruktur, den laufenden Betrieb zu sichern. Hilfreich ist hier eine modulare Bauweise. Es wird jedoch kaum möglich sein, die heutigen Strukturen von globalen Cloud-Rechenzentren zu nutzen. Ihre Leistungen können zwar relativ unkompliziert an den Bedarf angepasst werden, allerdings sind sie irgendwo in riesigen Server-Farmen angesiedelt. Das Edge-Computing-Modell entstand ja gerade als Antwort auf Probleme wie kurze Latenzzeiten und Hochverfügbarkeit. Von den länderspezifischen Datenschutzrechten und staatlichen Kontrollen ganz zu schweigen.

Lösungen wie autarke Kompaktrechenzentren oder hochsichere Raum-in-Raum-Systeme werden zunehmen. Sie sind nicht nur in Größe und Leistung skalierbar. Sie können zudem effizient und vergleichsweise unkompliziert in die bestehende städtische Infrastruktur integriert werden. Dabei werden vermehrt wichtige physikalische Eigenschaften in den Fokus rücken. So sollten sie Bedrohungen wie Wasser, Feuer, Explosion, Gas, Staub und Vandalismus standhalten. Vor dem Hintergrund von Datendiebstahl oder -manipulation sollten sie ebenfalls über einen besonderen Schutz vor unbefugten Zugriffen, Lauschangriffen oder EMP verfügen.

Anforderungen an den Betrieb


Die Planung und der Bau solcher Datacenter sind allerdings nur die eine Seite der Medaille. Ein Grundproblem ist der effiziente Betrieb. Schließlich werden diese Hochleistungs-RZ in den Bereichen Energieversorgung, Klima- und Sicherheitstechnik mit ganz anderen Dimensionen arbeiten. Moderne Technik muss an die IT-Anforderungen angepasst sein, damit das RZ effi­zient ist. Ferner verursachen neue Edge-Standorte je nach Größe als Folge des höheren Energieverbrauchs ganz andere Betriebskosten. Das wiederum erzeugt einen hohen Druck auf die Effizienz der Energieversorgung. Am Ende werden Spezialisten erforderlich sein, die Unternehmen bei diesen Edge-Herausforderungen unterstützen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

So kommen am Ende auf Unternehmen zwei große Aufgaben zu: Zum einen müssen die Chancen auf Produktivitätssteigerungen hinsichtlich deren Auswirkungen auf die IT-Infrastruktur erkannt werden. Was ist heute noch geeignet und was muss in Zukunft anders gemacht werden? Zum anderen müssen Berater in Bezug auf die Adaption oder Änderung dieser Infrastruktur gefunden werden. Denn: Analysen und Erklärungen der Vor- und Nachteile, Notwendigkeiten, Probleme und Risiken werden für die meisten unabdingbar werden. Mit Blick auf diese Erkenntnisse müssen dann moderne und anpassbare IT-Infrastrukturen am Standort oder in unmittelbarer Umgebung geplant, gebaut und betrieben werden – ob von Dienstleistern wie der Data Center Group oder vom eigenen Personal. In jedem Fall aber wird ein umfassendes Leistungsspektrum benötigt, um die Anforderungen an Edge-Computing und IoT- bzw. Big-Data-Anwendungen erfüllen zu können.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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