30.10.2017 Global Interconnection Index

Rasantes Wachstum im globalen Datenverkehr

Von: Ina Schlücker

Interview mit Donald Badoux, Geschäftsführer von Equinix Deutschland, über schnell wachsenden weltweiten Datenaustausch und die dafür erforderlichen Bandbreiten

Donald Badoux, Equinix

Donald Badoux, Equinix: „Die Interconnection-Bandbreite wird bis zum Jahr 2020 den globalen IP-Traffic des öffentlichen Internets überholen.“

IT-DIRECTOR: Herr Badoux, Mitte August 2017 veröffentlichten Sie Ihren „Global Interconnection Index“. Was genau steckt dahinter?
D. Badoux:
Der Index ist das Ergebnis einer Studie, die den Einsatz von Interconnection-Services, also dem Austausch von Daten über direkte und private, physische Verbindungen zwischen Unternehmen, Geschäftspartnern, Kunden und Service-Anbietern in carrier-neutralen Rechenzentren untersucht. Genauer gesagt: der Index befasst sich mit der Kapazität für die Nutzung solcher Services, der sogenannten Interconnection-Bandbreite.

Dafür haben wir weltweit das Wachstum der Interconnection-Bandbreite verfolgt, gemessen und analysiert. Das Ergebnis zeigt, wie die globale Wirtschaft mittels dieser Bandbreite geformt und skaliert wird. Diese Erkenntnisse schlüsselt die Studie nach Regionen, Branchen und Anwendungsbereichen auf.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen aktuelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge (IoT) und Digitalisierung derzeit für die globale Interconnection?
D. Badoux:
Aktuelle Entwicklungen spielen naturgemäß eine große Rolle, nicht nur in Bezug auf Themen wie Künstliche Intelligenz (KI), IoT oder Connected Cars. Letztlich ist es darauf zurückzuführen, dass jeder unserer Lebens- und Arbeitsbereiche zunehmend digitaler wird. Wir beobachten die Digitalisierung ganzer Industrien: digitale Mobilitätsmodelle im Transportwesen, Industrie 4.0 im Herstellungssektor, kanalübergreifende Geschäftsmodelle im Einzelhandel oder digitale Bezahlsysteme.

Je weiter die digitale Transformation voranschreitet, umso größer wird die Bedeutung von Interconnection. Denn mit voranschreitender Digitalisierung wachsen auch die Datenmengen, die übertragen und verarbeitet werden müssen – und zwar immer und überall. Interconnection macht diese Art des Datenaustausches überhaupt erst möglich. Man könnte also sagen, dass sie einer der Schlüssel der größten digitalen Trends unserer Wirtschaft ist.

IT-DIRECTOR: Welche Trends lassen sich dabei für die Zukunft des Datenverkehrs ableiten?
D. Badoux:
Die Studie sagt voraus, dass die Interconnection-Bandbreite bis zum Jahr 2020 mit doppeltem Wachstum und sechsfachem Volumen den globalen IP-Traffic des öffentlichen Internets überholen wird. Dies entspricht einer Bandbreite von 5.000 Terabit pro Sekunde (Tbit/s) und bedeutet ein Wachstum von 45 Prozent. Dabei wird jede Region durch großes Wachstum gekennzeichnet sein. Für Europa sagt der Index ein jährliches Wachstum von 44 Prozent bis 1.450+ Tbit/s im Jahr 2020 voraus. Besonders erfreulich ist die Prognose für Frankfurt und die Rhein-Main-Region: Bis 2020 soll die Metropolregion Europas zweitgrößter Markt für Interconnection-Services sein.

Schaut man genauer auf die Unterschiede zwischen einzelnen Industriezweigen, so zeigt sich, dass vor allem der Banken- und Versicherungssektor, aber auch die Telekommunikationsbranche sowie Cloud- und IT-Provider durch großes Wachstum gekennzeichnet sind. Die Untersuchung trifft jedoch nicht nur Aussagen über die Entwicklung der Interconnection-Bandbreite bis 2020, sondern gibt auch Auskunft darüber, welche Faktoren dieses Wachstum begünstigen: So wirken sich Unternehmensgröße, geografische Präsenz genauso wie die Nutzung dezentraler IT-Services auf den Einsatz aus.

IT-DIRECTOR: Die Studie prognostiziert ein enormes Wachstum der Interconnection-Bandbreite. Welche technischen Herausforderungen sind damit verbunden?
D. Badoux:
Mehrere Aspekte sind für Rechenzentren wichtig, damit sie für Unternehmen gute Interconnection-Partner darstellen. Im Vordergrund steht einerseits die globale Präsenz: Durch sie sind Firmen in der Lage, schnell und einfach einen Standort in unmittelbarer Nähe ihrer regionalen Kunden, Mitarbeiter, Cloud-Services und Partner zu etablieren. Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine große Carrier-Auswahl. So können sich Unternehmen mit so vielen großen Netzwerkanbietern wie möglich verbinden und die Verbindungslösungen exakt an ihre Anforderungen anpassen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Zudem ist eine direkte Verbindung zu Cloud-Providern und anderen Partnern wichtig. Durch umfangreiche Business-Ecosysteme, können relevante Unternehmen und Services aus der jeweiligen Branche direkt erreicht werden. Höchstgeschwindigkeitsverbindungen vor Ort sind ebenfalls unverzichtbar, um die Qualität und maximale Leistung für Interconnection zu gewährleisten. Zu guter Letzt sind Zuverlässigkeit und Sicherheit entscheidend, um Business Continuity und Compliance zu garantieren.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Maßnahmen schaffen es Anwenderunternehmen, Netzbetreiber und Service-Provider, den gestiegenen Anforderungen an den Datenaustausch gerecht werden?
D. Badoux:
Unternehmen jeder Größe und Branche haben individuelle Bedürfnisse in Bezug auf den Datenaustausch. Daher sollten sie damit beginnen, den eigenen Bedarf an Interconnection-Bandbreite festzulegen. Bei diesem Prozess muss zuerst die Anzahl der Kommunikationspartner an zentralen Standorten und an jedem Standort der Geschäftspräsenz identifiziert werden. Im nächsten Schritt müssen die Notwendigkeit des Einsatzes von Interconnection, ihr Zweck und ihr Wert für das jeweilige Unternehmen individuell definiert werden. Zusätzlich ist es wichtig zu eruieren, welche IT-Einsatzstrukturen an jedem Standort neben den Interconnection-Services notwendig sind.

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