08.11.2017 Wie Cloud Computing die IT verändert

Was bringt die Multi-Cloud?

Die Cloud verändert die Bereitstellung und Verwaltung von Anwendungen in Unternehmen. Warum das so ist, erläutert Ralf Sydekum, Technischer Manager bei F5 Networks, im Interview.

  • Was bringt die Multi-Cloud?

    Die Multi-Cloud verändert die Bereitstellung und Verwaltung von Anwendungen in Unternehmen.

  • Ralf Sydekum, F5 Networks

    Ralf Sydekum, Technischer Manager bei F5 Networks

IT-DIRECTOR: Herr Sydekum, warum migrieren Unternehmen ihre Apps in die Cloud?
R. Sydekum:
IT-Entscheidungsträger suchen ständig nach Lösungen, die für höhere betriebliche Effizienz sorgen und Geschäftsanforderungen erfüllen. Die Möglichkeit, Cloud-Services unterschiedlicher Anbieter bedarfsgerecht zu nutzen, eröffnet ihnen enorme Flexibilität. Damit können sie Anwendungen schneller und intelligenter bereitstellen, Risiken reduzieren und Vorschriften einhalten.

IT-DIRECTOR: Was sind dabei die wichtigsten Trends?
R. Sydekum:
Der State of Application Delivery Report 2017 von F5 zeigt, dass Unternehmen zunehmend in mehrere Cloud-Technologien investieren. 86 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich für Multi-Cloud-Architekturen interessieren, und 20 Prozent werden in diesem Jahr mehr als die Hälfte ihrer Anwendungen in Public und/oder Private Clouds betreiben. So wird der weltweite Umsatz des Cloud-Marktes bis zum Jahr 2020 voraussichtlich auf 390 Mrd. US-Dollar steigen.

IT-DIRECTOR: Wie lauten die wichtigsten Ziele?
R. Sydekum:
Führungskräfte und IT-Verantwortliche setzen auf die Cloud, um vor allem Geschäftsprobleme schneller, einfacher und kostengünstiger zu lösen sowie Innovationen und Nutzen für ihre Kunden voranzutreiben. Das Erreichen eines Wettbewerbsvorteils sowie mehr Vertrauen bei Aktionären und Kunden sind weitere Ziele. Gleichzeitig wollen die Entscheidungsträger das Risiko bei der Einführung neuer Plattformen reduzieren sowie die Einhaltung von Vorschriften und Compliance sicherstellen.

Für viele Unternehmen ist die Multi-Cloud bereits eine gängige Option, um Geschäfte zu tätigen. Im Wesentlichen bietet dieses Modell eine flexible Umgebung für die Automatisierung von Prozessen und die schnellere Markteinführung von Produkten. Mit den richtigen Sicherheits-Tools und Cloud-Architekturen können die Verantwortlichen die Performance von Anwendungen verbessern sowie deren Verfügbarkeit im Rechenzentrum und in der Cloud sicherstellen.

IT-DIRECTOR: Welche Hindernisse gibt es?
R. Sydekum:
Es gilt, die unkontrollierte Ausbreitung von Multi-Cloud-Anwendungen zu vermeiden. Ansonsten geht die Kontrolle über die Apps verloren und es besteht die Gefahr von Lock-In-Verträgen, die das Unternehmen langfristig an bestimmte Service-Provider binden. Eine effektive Multi-Cloud-Bereitstellung erfordert daher eine umfassende Lösung, die agileren Betrieb und flexiblere Skalierung entsprechend den Kundenanforderungen ermöglicht. Die Steuerung der Multi-Cloud ist also heute unverzichtbar.

IT-DIRECTOR: Auf welche weiteren Punkte ist zu achten?
R. Sydekum:
Naheliegend sind Kosteneffizienz und einfache App-Implementierungen. Doch wichtig ist auch eine umfassende Transparenz der Daten, die von diesen Anwendungen erzeugt werden. Insbesondere Public-Cloud-Anwendungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn Unternehmen darauf vertrauen können, dass sie Sicherheitsrichtlinien und Identitätsmanagement auf höchstem Niveau erhalten.

Flexibilität und Agilität gelten ohnehin meist als wichtige Ziele bei der Einführung von Cloud-Angeboten. Entsprechend ist die Fähigkeit, Anwendungen schnell und einfach an mehrere Anbieter auszulagern, eine erfolgskritische Voraussetzung für eine optimale Cloud-Architektur. Die Verteilung des Risikos auf verschiedene Provider reduziert dabei Ausfallzeiten. Dies wird durch einen garantierten Support rund um die Uhr unterstützt. Bei einer optimalen Multi-Cloud-Strategie profitiert das Unternehmen auch von einer Auslagerung des Managements und der Wartung an die Provider.

Eine hohe Komplexität des Betriebs über verschiedene Cloud-Plattformen hinweg lässt sich durch den Einsatz von Containern vermeiden. Im Gegensatz zu virtuellen Maschinen verwenden diese gemeinsam genutzte Betriebssysteme und sind als autarkes und portables System konzipiert. Zudem können Unternehmen je nach Bedarf weltweit verteilte oder lokale Cloud-Rechenzentren nutzen.

IT-DIRECTOR: Welche Stärken hat dabei die Public Cloud?
R. Sydekum:
Für die Public Cloud spricht, dass der Provider sämtlichen Investitions- und Wartungsaufwand übernimmt. Dies spart Kosten und reduziert das unternehmerische Risiko für den Kunden. Zudem bietet eine Public-Cloud-Infrastruktur meist höhere Flexibilität und Skalierbarkeit. Entscheidend ist jedoch, dass sich die richtigen Tools und Lösungen zur Verwaltung der Anwendungen in der Cloud ohne Abstriche bei Sicherheit, Leistung oder Verfügbarkeit einsetzen lassen.

IT-DIRECTOR: Und welche Vorteile bietet die Private Cloud?
R. Sydekum:
Werden Anwendungen in der Private Cloud bereitgestellt, können Unternehmen ebenfalls die Agilität steigern, Prozesse automatisieren und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzen. Doch hier stehen Self-Service-Provisioning, erweiterte Skalierbarkeit und Mandantenfähigkeit zur Verfügung. Mit Hilfe von Self-Service-Provisioning implementieren Unternehmen Anwendungen, ohne dass sie zusätzliche physische Hardware installieren müssen. Stattdessen kann das IT-Team einfach Ressourcen anfordern und sofort ohne manuelles Eingreifen zur Verfügung stellen.

Eine weitere wichtige Eigenschaft von Private Clouds ist die höhere Skalierbarkeit. Damit lassen sich Anwendungen so konzipieren, dass Ressourcen wie zusätzliche Rechenleistung oder Speicherplatz sofort und meist automatisch zur Verfügung stehen, sobald sie benötigt werden. Zudem lassen sich aufgrund der Mandantenfähigkeit Änderungen schnell und unabhängig von anderen Teams vornehmen.

Häufig unterschätzt wird ein weiterer Vorteil der Private Cloud: In herkömmlichen Rechenzentrumsumgebungen gibt es in der Regel viele Abhängigkeiten zwischen Komponenten und Ressourcen. In einer Private Cloud lassen sich jedoch alle Ressourcen einer Anwendung zuordnen. Das bedeutet, ein Applikationsteam erhält die vollständige Kontrolle über eine bestimmte Anwendung und kann diese verändern, ohne Angst vor Auswirkungen auf andere Anwendungen zu haben. Damit kann das Team so schnell reagieren, wie es für die heutigen Anforderungen des Business nötig ist.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, F5 Networks

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