27.10.2017 Geodaten, Statistiken, Fahrpläne

Was steckt hinter Open Data?

Von: Otto Neuer*

Open Data sind frei zugängliche Daten, die ohne Einschränkungen genutzt und weiterverbreitet werden dürfen. Doch welche Vorteile haben Unternehmen davon? Und gibt es nicht doch heikle Sonderfälle?

Was steckt hinter Opent Data?

Lehrmaterial, Geodaten, Statistiken, Verkehrsdaten oder wissenschaftliche Publikationen – Open Data basieren auf den vielfältigsten Quellen.

Offene Daten sind Informationen, die ohne Einschränkungen für eigene Zwecke verwendet werden können. Dazu zählen u.a. Unterlagen wie Lehrmaterial, Geodaten und Statistiken, aber auch aktuelle Verkehrsinformationen, wissenschaftliche Publikationen, medizinische Forschungsergebnisse oder Hörfunk- und Fernsehsendungen. Solche Daten stammen von staatlichen Stellen, privatwirtschaftlichen Unternehmen, Hochschulen oder sonstigen Non-Profit-Organisationen. Ein wirtschaftlicher Nutzen entsteht auf unterschiedlichen Ebenen: Beispielsweise können Start-ups mit frei verfügbaren Daten neue Geschäftsideen entwickeln und Unternehmen wie Versicherungen oder Airlines verwenden aktuelle Wetterdaten für eine rasche Risikoanalyse.

Beispiele für Open Data

Das Potential für Open Data ist jedenfalls enorm. Ein Vergleich mit Open-Source- bzw. Open-Data-Projekten lässt erahnen, welche Veränderungen sich durch offene Daten für die Wirtschaft und Gesellschaft ergeben. So hat beispielsweise das quelloffene Betriebssystem Linux zu einem komplett eigenständigen kommerziellen Marktsektor rund um die Beratung und Implementierung dieser kostenfreien IT-Systemplattform geführt. Wikipedia etablierte sich als universelle und weltweit genutzte Enzyklopädie und mit OpenStreetMap wurden frei nutzbare Geodaten zu digitalen Landkarten verarbeitet. Weitere prominente Beispiele sind die Weltbank, die globale Entwicklungsdaten anbietet, oder das Statistische Bundesamt, über das Bürger und Unternehmen stets aktuelle Informationen zur Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft abrufen können.

Dauerbrenner Verwaltungsdaten

Angetrieben wird die Open-Data-Bewegung insbesondere durch die öffentliche Verwaltung. So haben sich im Jahr 2013 erstmals führende Industrienationen zu der Umsetzung einer G8-Open-Data-Charta verpflichtet. Die Charta enthält als Absichtserklärung fünf Prinzipien für den Umgang mit Open Government Data sowie Richtlinien für die Umsetzung von Open-Data-Vorhaben. Das Prinzip „Open Data by Default“ soll die Verbreitung von Daten beschleunigen und die Verwaltung ermutigen, geeignete Daten grundsätzlich öffentlich zu stellen. Im Jahr 2016 wurde ein internationales Konzept für die Verwendung von öffentlichen Verwaltungsdaten durch die International Open Data Community (IODC) definiert.

Zentrale Anlaufstelle für Open Government in Deutschland ist das GovData-Portal: Hier bieten öffentliche Stellen aus Bund, Ländern und Kommunen vielfältige Daten der Verwaltung an. Ziel ist es, bestehende Verwaltungsdaten besser zu nutzen und weiterzuverwenden. GovData ist eine Anwendung des IT-Planungsrates und wird von der Geschäfts- und Koordinierungsstelle mit Sitz in Hamburg betrieben.

Allerdings gibt es auch kontroverse Diskussionen rund um Open Data. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass durch Steuergelder geförderte Informationssammlungen in Konkurrenz zu kommerziellen Angeboten stehen. Vermeintlich benachteiligte Unternehmen berufen sich dann auf das Wettbewerbsrecht. Ein Beispiel ist die Tagesschau-App, die GEZ-finanzierte Nachrichten auf mobile Geräte bringt und so im Wettbewerb mit werbefinanzierten Medien steht.

Brisante Insider-Informationen

Eine ganz andere Art von Open Data sind vertrauliche Informationen, die über Indiskretionen oder Hackerangriffe veröffentlicht wurden, wie beispielsweise die auf der Wikileaks-Plattform verfügbaren Unterlagen. Ein weiteres Beispiel sind die „Panama Papers“, vertrauliche Dokumente des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca. Diese wurden von dem „Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten“ (ICIJ) veröffentlicht. Rund 2,6 Terabyte an Daten zu Briefkastenfirmen, Steueroasen und Steuerschlupflöchern gelangten an die Öffentlichkeit. Die aus den Panama-Papieren gewonnenen Informationen wurden von dem ICIJ aufbereitet und in einer Datenbank bereitgestellt. Hierzu wurden auch wieder Open-Source-Technologien verwendet: Beispielsweise unterstützte Talend, Spezialist für Datenintegration, mit seiner Technologie dabei, die Rohdaten in eine spezielle Open-Source-Graphdatenbank zu überführen, sodass die Unterlagen sehr einfach von der Öffentlichkeit einsehbar sind.

Eine interessante Open-Data-Erfolgsgeschichte liefert die Verkehrsbehörde Massachusetts Bay Transit Authority (MBTA) aus Boston, USA. Nachdem das Unternehmen seine Statusdaten zu Zügen und Bussen als Open Data bereitstellte, ist ein ganzes Ökosystem an neuen mobilen Anwendungen durch Drittanbieter entstanden. Auch die Deutsche Bahn bietet erste Open-Data-Datensätze und Entwickler haben bereits Apps rund um die Reiseplanung veröffentlicht.

* Der Autor Otto Neuer ist Vice President Sales EMEA Central bei Talend.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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