18.04.2017 Lean 4.0 – Schlank durch Digitalisierung

Diese vier Bereich stehen bei Lean Management 4.0 im Fokus

Eine aktuelle Studie untersucht die Nutzung von „Lean Management 4.0“. Im Fokus stehen für die Verantwortlichen diese vier Funktionsbereiche >>>

Innovative Technologien fördern im Rahmen von Industrie 4.0 die Transparenz, Vernetzung und Automatisierung von Geschäftsprozessen und bieten für Unternehmen aus der produzierenden Industrie viel Potential. Dabei stellt sich die Frage, wie diese neuen Technologien mit den oftmals bereits etablierten Lean-Management-Prinzipien zur Prozessoptimierung und Komplexitätsreduzierung zusammengeführt werden können.

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Bearingpoint zeigt, dass die erfolgreiche Nutzung von „Lean Management 4.0“ je nach Branche sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Befragt wurden Entscheidungsträger aus 50 Unternehmen der produzierenden Industrie zum Fortschritt innerhalb ihres Umfelds. Im Fokus standen hierbei vor allem die vier Funktionsbereiche Produktion, Logistik, Einkauf und Vertrieb.

 

Diese vier Bereich stehen bei Lean Management 4.0 im Fokus:

1. Einkauf: Größtes Potential, hoher Nachholbedarf

Das größte Potential zur weiteren Verschlankung der Prozesse durch Digitalisierung wird im Einkaufsbereich gesehen. Dies bestätigten acht von zehn Unternehmen (83 Prozent). Das Potential von Risikowarnungen, digitalen Plattformen und elektronischen Lieferantenanalysen wird mit über 97 Prozent als hoch bis sehr hoch bewertet. Diese Technologien sind jedoch bisher kaum im Einsatz. Operative Prozesse sind heute erst bedingt verschlankt.

2. Produktion: Hohe Relevanz von Echtzeit- und Big-Data-Technologien

Zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sehen Potential, die Produktionsprozesse durch digitale Innovationen weiter zu verschlanken. Dabei spielen Sensorentechnologien und Echtzeitproduktionsüberwachung eine bedeutende Rolle. Allerdings sind Sensorentechnologien nur bei 56 Prozent und Echtzeitlösungen nur bei knapp der Hälfte im Einsatz.

3. Logistik: Intralogistik als Vorreiter für schlanke Prozesse

Die Produktionslogistik ist schon bei drei Viertel der Unternehmen (77 Prozent) und die interne Werkslogistik bei mehr als der Hälfte (57 Prozent) im größten Teil „lean“ organisiert. Nachholbedarf besteht vor allem in der Retourenlogistik, deren Prozesse bei 75 Prozent nur teilweise oder gar nicht verschlankt sind.

4. Vertrieb: Big-Data-Analysen und digitale Kundenkommunikation dominieren den Vertrieb

Wie in Logistik und Produktion wird auch hier das Potential von Big-Data-Analysen als hoch eingeschätzt. In Bezug auf die Implementierung zeigt sich aber ein ähnliches Bild wie in den anderen Bereichen: Nur 29 Prozent verwenden aktuell Systeme zur Verarbeitung von großen Datenmengen. Digitale Berührungspunkte mit den Kunden werden immerhin bereits von mehr als der Hälfte der Unternehmen (58 Prozent) verwendet.

Der digitale Fortschritt leistet einen zentralen Beitrag zur nachhaltigen Umsetzung von Lean Management, was wiederum einen Erfolgsfaktor für die Implementierung der Industrie 4.0 darstellt:

  • Laut Studie bestätigen mehr als zwei Drittel der Befragten (72 Prozent) das Potential der Digitalisierung, Geschäftsprozesse weiter und nachhaltig zu verschlanken.
  • Dennoch befinden sich viele Unternehmen noch in der Anfangs- und Lernphase der Umsetzung von digitalen Technologien und Lean-Management-Methoden. Als größte Hindernisse gelten unflexible Prozesse (26 Prozent) und hierarchische Strukturen (21 Prozent).
  • Weitere Herausforderungen stellen konservative Unternehmensstrategien und limitierte finanzielle Ressourcen (jeweils 12 Prozent) dar.

„Um die Vorteile der digitalen Transformation in vollem Umfang zu nutzen und den Anschluss daran nicht zu verpassen, reicht es nicht aus, nur die Potentiale zu erkennen. Unternehmen müssen bereit sein, sich strukturell den neuen Gegebenheiten anzupassen. Ein Schritt zum Erfolg sind ein ausgereiftes Lean Management und schlanke Prozesse in allen Funktionsbereichen. Für letztere müssen darüber hinaus die richtigen digitalen Technologien identifiziert und implementiert werden“, so Dr. Stefan Penthin, Partner bei Bearingpoint.

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