26.10.2017 Drei Fragen an Sycor und QSC

Modernisierung der IT-Infrastruktur

Von: Berthold Wesseler

Viele IT-Systeme im Mittelstand sind zwar durchaus bewährt, aber mittlerweile in die Jahre gekommen. Manche Anwendungen bilden regelrechte „Inseln“, die für Themen wie E-Commerce oder Social Networking denkbar schlecht geeignet sind. Worauf es bei der Modernisierung der IT-Infrastruktur zu achten gilt, erläutern zwei Experten von Sycor und QSC im Interview.

  • Cloud Computing eröffnet die Chance, IT-Kosten transparenter zu gestalten.

    Cloud Computing eröffnet die Chance, IT-Kosten transparenter zu gestalten. (Bildquelle: Thinkstock/iStock)

  • Andreas Knols ist Leiter Product Management Cloud bei der QSC AG.

    Andreas Knols ist Leiter Product Management Cloud bei der QSC AG. (Bildquelle: QSC)

  • Ralf Mackowiak, Geschäftsleitung Technologie Services bei der Sycor GmbH

    Ralf Mackowiak, Geschäftsleitung Technologie Services bei der Sycor GmbH (Bildquelle: Sycor)

Auch die Hardware-Landschaft und die ganze RZ-Infrastruktur leistet zwar meistens noch gute Dienste, muss aber für eine Zukunft gerüstet werden, die durch Virtualisierung und Cloud Computing geprägt ist. So sagte etwa IDC in seinen „Worldwide Cloud 2017 Predictions“ voraus, dass bis 2020 mindestens 50 Prozent der Ausgaben für neue IT cloud-basiert sein werden, während die Ausgaben für nicht cloud-basierte Unternehmensanwendungen um 20 Prozent sinken.

Für den IT-Chef gilt es, die für sein Unternehmen passenden Cloud-Services einzukaufen bzw. zu entwickeln, diese dann zu integrieren und mit möglichst einheitlicher User-Experience sicher und performant bereitzustellen – und all das gemäß aller gesetzlichen Vorgaben und der Policy des Unternehmens. IT-MITTELSTAND hat angesichts dieser komplexen Aufgabenstellung bei zwei Experten nachgefragt, worauf es dabei ankommt.

ITM: Welche Kostenvorteile kann ein Mittelständler erzielen, wenn er im Zuge der Modernisierung seiner IT-Infrastruktur die Vorteile von Virtualisierung und Cloud Computing ausschöpft?
Andreas Knols:
Wer den IT-Betrieb einem externen Service-Provider überlässt, reduziert seine Investitionsausgaben auf ein Minimum, während die Betriebsausgaben steigen. Das gilt sowohl für Public-Cloud-Services auf Basis einer Shared-Infrastructure als auch für Private-Cloud-Hosting-Szenarien, bei denen der Dienstleister seinem Kunden eine dedizierte Infrastruktur bereitstellt.

Echte Kostenvorteile ergeben sich erst bei der Gesamtbetrachtung der Personal- und Innovationskosten sowie der bedarfsgerechten Kostenentwicklung: Durch die Auslagerung des IT-Betriebs sinkt der Bedarf an qualifiziertem IT-Personal, das schwer zu finden ist und darüber hinaus ständig weitergebildet werden muss, um mit den kurzen Innovationszyklen im Zeitalter der Digitalisierung mithalten zu können.

Zudem entfallen die Kosten für die kontinuierliche Weiterentwicklung der technischen Plattform und des Service-Portfolios. Innovationen und Erweiterungen führt der Service-Provider ohne Zutun und ohne zusätzliche finanzielle Belastung des mittelständischen Kunden ein.

Der wichtigste Kostenvorteil liegt aber im bedarfsgerechten Bezug von Leistung: Erfordert ein zeitlich begrenzter Auftrag etwa eine größere Zahl von Mitarbeitern, die nach Projektabschluss nicht mehr benötigt werden, senkt ein Unternehmen seine IT-Betriebskosten in der Cloud mit nur kurzem zeitlichen Abstand entsprechend. Beim Eigenbetrieb bleiben die Kosten für angeschaffte Hardware, Software-Lizenzen und IT-Fachpersonal konstant hoch.

Ralf Mackowiak: Der Vorteil liegt hier ganz klar in der Flexibilität. Cloud Computing eröffnet die Chance, IT-Kosten transparenter zu gestalten. Cloud-Ressourcen können organisch wachsen und passen sich den individuellen Unternehmensbedürfnissen an. Steigen oder sinken Anforderungen, so steigen oder sinken auch die IT-Kosten. Lange Vertragslaufzeiten und statische IT-Kosten werden vermieden. Stattdessen entwickeln sich die Kosten analog zum Nutzerverhalten. Konsumorientierte IT-Services bieten heute besonders im Mittelstand die Chance, flexibel auf Marktveränderungen oder kurzfristige Bedarfe zu reagieren. Teilweise minutengenaue Abrechnungsmodelle lassen IT-Budgets wieder „aufatmen“. Trotz Komplexität in der Technik ergibt sich so ein kostenoptimiertes Modell, das die Ressourcen der IT-Abteilungen schont.

ITM: Worauf ist bei dieser Modernisierung besonders zu achten, damit nicht Nachteile in puncto Sicherheit, Zuverlässigkeit oder Abhängigkeit vom Service-Provider diese Kostenvorteile zunichtemachen?
Knols:
Technischer Sachverstand und ein Partner auf Augenhöhe sind die wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltige Kostenvorteile. Ein Mitarbeiter mit technischem Sachverstand sollte die Cloud-Service-Angebote verschiedener Dienstleister bewerten. Häufig werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Ist ein Wettbewerber deutlich günstiger als sein Konkurrent, liegt das oftmals schlicht daran, dass dessen Leistungen einen geringeren Umfang haben.

Diese Bewertungskompetenz kann der IT-Chef auch über einen externen Berater beziehen. Bei dessen Wahl sollte er unbedingt auf technische Expertise achten, denn viele Ausschreibungsberater sind auf Prozess- und Vertragsebene äußerst kompetent, können aber überhaupt nicht bewerten, ob eine angebotene technische Lösung zum Anforderungsprofil des Kunden passt. Fällt das erst im Nachhinein auf, wird es teuer.

Im Übrigen sollten Mittelständler bei der Wahl ihres Service-Providers auf einen ebenfalls mittelständischen Partner auf Augenhöhe setzen. Mit diesem vereinbaren sie verbindliche Service-Level-Agreements und erhalten wertschätzenden Support. Gleiches gelingt häufig nicht, wenn sie sich an einen schwergewichtigen internationalen Service-Provider wenden, der ihnen nur sehr geringen Verhandlungsspielraum gewährt.

Mackowiak: Der Trend geht dahin, dass Service-Provider das IT-Management übernehmen. Single-Sourcing-Strategien bieten sich besonders an, da der Dienstleister die Komplexität der Service-Orchestrierung managt. Die Auswahl des Service-Providers ist daher von zentraler Bedeutung. Unternehmen sollten dafür ausreichend Zeit einplanen und alle kritischen Punkte genau hinterfragen: Wie sieht das Konzept der Integration in die Unternehmenslandschaft im Detail aus? Wie will der Provider sicherstellen, dass die Compliance- und Security-Vorgaben eingehalten werden? Und passen die genannten Methoden überhaupt zum eigenen Geschäftsmodell?

Auch Referenzen und Zertifizierungen sind zu prüfen. Steht der Service-Provider fest, gilt es, gemeinsame Lösungen und Anforderungskonzepte zu entwickeln. Mein Tipp: Besser mit kurz- bis mittelfristigen Verträgen arbeiten. Das bietet Flexibilität – gerade im Falle eines ganzheitlichen Dienstleisterwechsels. Auch die Anwender müssen abgeholt werden. Hier ist aktives Change Management gefragt, um User für veränderte Arbeitsweisen zu sensibilisieren. Werden die genannten Kriterien vernachlässigt, so muss oft mehr Geld investiert werden als geplant.

ITM: Wie lassen sich die laufenden IT-Systeme so mit der Cloud integrieren, dass eine performante Kommunikation zwischen den vorhandenen Anwendungen und den neuen Cloud-Services möglich wird?
Mackowiak:
Die heutigen Technologien erlauben eine transparente Integration von Cloud-Services in bestehende IT-Infrastrukturen. Gerade hybride Szenarien sorgen für eine optimale Unterstützung der Kerngeschäftsprozesse. Zugegebenermaßen müssen mitunter bestehende Teillösungen im Bereich Connectivity oder klassische Netzwerkkonzepte angepasst werden – dies stellt allerdings keine unlösbare Hürde dar.

Für den zielgerichteten Einsatz der Cloud-Services ist eine Strategie zwingend erforderlich. Ohne formulierte Ziele und schrittweise Transformation der IT in Richtung Cloud wird der Weg dahin mühsam. Die Wahl des „richtigen“ Dienstleisters ist hier ebenfalls essentiell. Er sollte sowohl die Cloud- als auch die On-Premise-Welt der IT gut verstehen. Dasselbe gilt ebenso für die Performance. Es ist ratsam mit einem IT-Dienstleister zu arbeiten, der Know-how im Design von Netzwerkinfrastrukturen, ein gesichertes Partnernetzwerk und vertrauenswürdige Cloud-Hersteller-Partnerschaften mitbringt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Knols: Wie performant Cloud-Applikationen und lokale Anwendungen miteinander kommunizieren, hängt maßgeblich von Netzanbindung und räumlicher Entfernung ab. Je weiter entfernt das Cloud-RZ von der Unternehmenszentrale liegt, desto größer sind die Latenzzeiten. Für die meisten Webservices spielt es keine Rolle, ob die Latenzzeit zwei oder 15 Millisekunden beträgt. Im Einzelfall ist das jedoch zu überprüfen. Hochperformante Applikationslandschaften müssen nahe beieinander stehen. Entweder verlagern Unternehmen diese komplett mit allen Abhängigkeiten in die Cloud – oder gar nicht.

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