05.12.2017 Regularien oft falsch interpretiert

Viel Aufklärungsbedarf bei der Datenarchivierung

Von: Lea Sommerhäuser

Im Interview berichtet Markus Grau, Principal Systems Engineer bei der Pure Storage Germany GmbH, ob Mittelständler ihre Daten grundsätzlich richtig archivieren und wie sie bei der Datenspeicherung Kosten sparen können.

Markus Grau, Pure Storage

„Viele Regularien, wie z.B. die EU-DSGVO, sind von Juristen für Juristen geschrieben und werden oftmals falsch interpretiert“, meint Markus Grau von Pure Storage.

ITM: Herr Grau, wie viel Aufmerksamkeit schenken Mittelständler anno 2017 dem Thema „Effizientes Datenmanagement“?
Markus Grau:
Da beispielsweise Hierarchical Storage Management (HSM) und Information Lifecycle Management (ILM) gut im Ansatz waren, jedoch nur mit enormen Aufwand und damit verbundenen Kosten realisiert werden können, kommen diese beim Mittelstand weniger zum Einsatz. Hier sind andere Lösungen angesagt.

Für den Bereich der primären Datenspeicherung sind daher Reduktionsverfahren wie z.B. Inline-Deduplizierung und Kompression von Daten unerlässlich, um das Datenvolumen zu reduzieren und Kosten zu sparen. Gleichzeitig findet die Nutzung der Cloud zu Backup- und Archivzwecken immer stärkeren Anklang, da hier Speicherplatz relativ günstig und flexibel buchbar ist. Zeitgemäße Speichersysteme müssen daher den Ansatz verfolgen, Datenreduktionsmechanismen anzubieten, und eine Möglichkeit bieten, Daten für Backup und Archiv in die Cloud auslagern zu können.

Da auch Mittelständler sich der Bedeutung ihrer Datenbestände durchaus bewusst sind, steigt auch die Aufmerksamkeit für das Datenmanagement. In der Praxis ist dies aber eine sehr komplexe Aufgabe, da es hierbei ja genau genommen um den kompletten Lifecycle von Daten geht – von der Erzeugung bis zur Löschung bzw. Archivierung. Die jüngsten Schlagzeilen rund um Ransomware und die EU-DSGVO machen das Thema zusätzlich akut und relevant.

ITM: Viele Daten benötigen viel Speicherplatz, doch der darf gerade im Mittelstand natürlich nicht zu teuer sein. Wie können Mittelständler ihr Datenvolumen grundsätzlich so gering wie möglich halten, um Kosten zu sparen?
Grau:
Deduplizierung und Kompression sind wichtige Maßnahmen, um dem ungezügelten Datenwachstum Herr zu werden. Weiterhin sollte der Mittelständler beim Kauf von Speicher darauf achten, was er aktuell und in den nächsten Monaten an Speicherplatz benötigt. Es ist zu aufwändig und zu teuer, alle drei Jahre ein neues System anzuschaffen, das hoffentlich das kurzfristige Wachstum abdeckt. Besser ist es hier in ein flexibles Modell zu investieren, welches sowohl technisch mitwachsen kann als auch kommerzielle Modelle zur Konsolidierung vorsieht. Wenn man dies geschickt anstellt, dann kann man böse Überraschungen durch „überfüllte“ Speicher und nicht mehr angemessene Systeme ausschließen.

ITM: Archivieren Mittelständler ihre Daten grundsätzlich richtig oder herrscht noch viel Aufklärungsbedarf?
Grau:
Grundsätzlich herrscht hier sehr viel Aufklärungsbedarf. Viele Regularien, wie z.B. die EU-DSGVO, sind von Juristen für Juristen geschrieben und werden oftmals falsch interpretiert, wenn es darum geht, ob und wie man gewisse Dinge im Unternehmen umsetzen kann bzw. sogar muss. Auch in Sachen Technologie gibt es noch große Wissenslücken: Band, Festplatte oder Flash, On Premise, Private Cloud und Public Cloud – die Optionen sind vielseitig und können miteinander kombiniert werden.

In einer aktuellen Umfrage zur Datenschutz-Grundverordnung von IDC gaben 44 Prozent der Befragten an, noch keine konkreten Maßnahmen zur Vorbereitung auf die DSGVO getroffen zu haben – weder technologisch noch organisatorisch. Außerdem ist der ganzheitliche Blick auf den Umgang mit allen personenbezogenen Daten noch Mangelware: 83 Prozent beschäftigen aktuell keinen Datenschutzbeauftragten, um die Einhaltung der DSGVO zu überwachen.

ITM: Wie sollten Unternehmen demnach bei der Auswahl ihres Storage-Anbieters zukünftig vorgehen? Welche Kriterien sind neben der EU-DSGVO besonders wichtig?
Grau:
Wichtig ist sicherlich, dass zukünftige Storage-Lösungen beispielsweise Hybrid-Cloud-Konzepte unterstützen. Außerdem rate ich zu einer einfachen Verwaltung mit modernen Schnittstellen, wie man sie auch von der Cloud kennt. Automatisierung der Speicherumgebung bzw. der Speicherverwaltung ist auch ein Punkt. Je nach Anwendung können auch spezialisierte Lösungen gefragt sein. Dies reicht von konvergierten Systemen (CI) über Angebote für die Erfassung unstrukturierter Daten (wie beispielsweise bei Big Data Analytics und Sensordatenerfassung) und geht bis hin zu Highspeed-Lösungen, bei denen NVMe gefragt ist. Beim Bezug der Technologie rate ich zu einem Subscription-Modell, welches kontinuierliche Innovation auf der Software- und Hardware-Seite erlaubt, ohne dass es dabei zu Unterbrechungen im Betrieb kommt.

Bildquelle: Pure Storage

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