23.11.2017 Cloudcomputer

Virtuelle Workstations aus der Wolke

Von: Ingo Steinhaus

Die Cloud hat viele Möglichkeiten: Inzwischen ist es sogar möglich, Grafik-Workstations aus der Wolke zu beziehen.

Computer aus der Cloud

Statt einzelner Services lassen sich auch ganze Computer aus der Cloud beziehen

Die Cloud hat viele Möglichkeiten gebracht, unter anderem auch die, vollständig auf einen leistungsfähigen Rechner zu verzichten. Wer mag, kann einen leichtgewichtigen All-in-one-Rechner oder sogar nur ein Tablet mit Tastatur einsetzen und auf damit lokale Rechenkraft verzichten. Der eigentliche Computer oder zumindest der Desktop mit den genutzten Anwendungen wird dann aus der Cloud bezogen.

Diese Möglichkeiten stehen schon seit einiger Zeit auch Privatleuten zur Verfügung und nicht nur Unternehmen, die ein eigenes Rechenzentrum mit Desktopvirtualisierung betreiben. Interessant ist das zum Beispiel für alle Leute, die gerne einen kostengünstigen Zugriff auf einen normalerweise unbezahlbaren Hochleistungsworkstations haben möchten. Auf der einen Seite sind das Entwickler und Mediengestalter, die mit 3D-Rendering experimentieren wollen oder müssen. Auf der anderen Seite sind das Gamer, die sich den Kauf eines teuren Gaming-PCs sparen können. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Angeboten für unterschiedliche Nutzergruppen, auch für mittelständische Unternehmen.

Cloudcomputer für Gaming und 3D-Rendering

Die Angebote von Parsec und LiquidSky richten sich an Gamer, die Spiele auf beliebigen, auch mobilen Geräten nutzen wollen. Moderne Computergames erfordern für die Nutzung der maximalen Auflösung und sämtlicher Möglichkeiten eine hochwertige Grafikkarte sowie ordentlich Rechenkraft, die nicht jeder hat oder sich nicht jeder leisten kann. Für die Nutzung der Gaming-PC in der Cloud ist allerdings immer eine spezielle App notwendig, die eine Verbindung zur Cloud aufbaut. Die Abrechnung geschieht bei LiquidSky normalerweise nach der genutzten Zeit. Parsec ist zurzeit noch kostenlos, will aber später Premium-Dienste vermarkten, um Umsatz zu machen. Die Rechenzentren, in denen die virtuellen Maschinen betrieben werden, sind allerdings in beiden Fällen nicht in Europa, sodass die recht hohe Latenz bei Interkontinentalverbindungen möglicherweise den Spielspaß verdirbt.

Die Cloud-Computer von Sixa und GDaaS helfen in erster Linie Entwicklern, die Software für CAD/PLM, 3D-Modeling und -Rendering sowie Videoeditoren nutzen wollen, ohne an die Grenzen ihrer lokal vorhandenen Computer zu stoßen. Doch auch Anwendungsentwickler werden Freude an den angebotenen Cloudrechnern haben, die für einen überschaubaren Betrag den Zugriff auf Workstations mit Intel Xeon und NVIDIA-GPS bekommen. Die Lösung von GDaaS ist darüber hinaus in eine vorhandene IT-Infrastruktur zu integrieren. Auch hier ist wieder die Frage, wie sich die Latenz auch die virtuellen Maschinen auswirkt. Immerhin gibt es eine Möglichkeit, das Angebot für eine kurze Zeit kostenlos zu testen, um sich einen Eindruck von den Möglichkeiten zu schaffen.

Virtuelle Desktops und Computer für Unternehmen

Der Mikogo Cloud Desktop (aus Mannheim) und die Frame Cloud Platform (USA) bieten virtuelle Cloud-Desktops, die sich relativ problemlos in eine vorhandene Rechenzentrumsinfrastruktur integrieren lassen. So ist es möglich, ein eigenes Identity-/Access-Management zu nutzen sowie mit einem VPN Übergänge in die vorhandene IT zu schaffen. Die Angebote richten sich in erster Linie an Unternehmen. Sie entsprechen vom Leistungsumfang der herkömmlichen Desktopvirtualisierung und können auch von Mittelständlern ohne Zugriff auf ein Rechenzentrum genutzt werden. In Sachen Verbindungsqualität hat möglicherweise der deutsche Anbieter die Nase vorn.

Paperspace ist der Anbieter mit dem breitesten Spektrum an Möglichkeiten und den leistungsfähigsten virtuellen Maschinen. Um auch Kunden aus Gewerbe und Industrie in Europa anzuziehen, hat das Unternehmen vor kurzem ein Rechenzentrum in Amsterdam eröffnet. Zum Angebot gehören virtuelle Desktops mit allen Möglichkeiten sowie virtuelle Maschinen für Machine Learning, 3D/Video-Rendering und natürlich Gaming. Ausgefeilt sind auch die Preispläne: Neben leichtgewichtigen Lösungen für Standardanwendungen gibt es eine Vielzahl an Cloudworkstations. Für 3D-Anwendungen und KI gibt es zudem dedizierte GPU-Maschinen, mit einem Leistungsmaximum bei 112-Teraflops-GPUs. Das Preisgefüge beginnt bei weniger als einem halben US-Cent pro Stunde für eine einfache Lösung ohne GPU und endet bei 2,30 US-Dollar pro Stunde für die Teraflop-GPU.

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