29.12.2017 Bester Startpunkt für die Industrie 4.0?

Was digitale Sprachkurse im Mittelstand bewirken

Von: Sabine Schnorr

Die Digitalisierung wird alle Geschäftsprozesse entscheidend verändern. Für Unternehmen, die erste Prozesse digitalisieren wollen, kann die Weiterbildung der Mitarbeiter ein guter Startpunkt sein.

Digitale Sprachkurse können der erste Schritt zur Digitalisierung sein.

Digitale Sprachkurse können der erste Schritt zur Digitalisierung sein.

Eines ist sicher: Die Digitalisierung ist unausweichlich. Was für viele Unternehmer hingegen nicht sicher ist, ist die Frage: Wo soll die Digitalisierung anfangen? Vernetzte Maschinen in der Fertigung? Digitale Lösungen im Lager und Logistik? Für viele Geschäftsführer stellen so tiefgreifende Änderungen eine große Herausforderung dar, der sie mit Respekt begegnen. Die Umsetzung ist langwierig, kostenintensiv und erfordert einen großen Organisationsaufwand. Nicht verwunderlich also, dass viele das Thema „Digitalisierung“ lange gescheut haben. Ein Ansatz kann daher sein, mit kleineren Projekten anzufangen und sich langsam vorzuarbeiten.

Startschuss: berufliche Weiterbildung


Ein Prozess, der sich mithilfe von digitalen Werkzeugen deutlich flexibler und für den Mitarbeiter praktischer aufstellen lässt: die berufliche Weiterbildung – beispielsweise in der Form von Sprachkursen. Bisher liefen Sprachkurse nach bekanntem Prinzip ab: Zu festgelegten Zeiten besuchen die Mitarbeiter einen Kurs, pauken Vokabeln und schreiben Tests. Unter bestimmten Voraussetzungen hat die Präsenzpflicht dabei durchaus Vorteile. Etwa wenn die Gruppe der Lerner auf dem gleichen Kenntnisstand, am gleichen Ort und eher klein ist – dann kann ein Unternehmen einen festen Lehrer zu festen Zeiten buchen. Aber dafür müssen eben genau diese Bedingungen erfüllt sein. Deswegen kann es lohnend sein, genau hier den ersten Schritt in Richtung digitale Prozesse in das Unternehmen einzuführen.

Der digitalisierte Sprachkurs


Digitale Sprachkurse weisen einige Vorteile und Merkmale der Digitalisierung auf.

Flexibilität: Der Mitarbeiter kann die Unterrichtszeit bestimmen. Er muss keine dringenden Tätigkeiten aufschieben oder in eine Sprachschule fahren. Alles, was er braucht, sind ein Internetzugang und ein Computer. So kann er sich genau dann Zeit nehmen, wann es ihm am besten passt. Sind die Erfahrungen mit dem Sprachkurs zufriedenstellend, können auch beispielsweise wertvolle Erkenntnisse für „New Work”-Projekte gewonnen werden.

Effizienz: Immer wenn die Rede von Heimarbeit und Selbstmotivation ist, sehen viele Unternehmer dies in einem Punkt kritisch: Lernen die Lerner ohne Aufsicht wirklich produktiv? Der Gedanke, dass sich der Angestellte, außerhalb seines Arbeitsumfelds lieber mit anderen Dingen beschäftigt, bleibt im Hinterkopf. Die Methoden der Digitalisierung können auch hier Abhilfe schaffen. Fortschritt und Lernerfolge werden festgehalten und messbar gemacht.

Personalisierung: Dank der neuen technischen Möglichkeiten gibt es Lösungen, die eine standardisierte, persönliche Lernerfahrung ermöglichen. Egal, wo der Lerner wohnt oder in welcher Zeitzone er sich befindet. In solchen Lösungen wie Catalyst von Rosetta Stone lernt jeder Lerner auf seinem Niveau. So müssen Unternehmen keine Sprachkurse mit Lernern mit unterschiedlichen Wissensständen bilden und hoffen, dass sich das Niveau angleicht. Jeder Teilnehmer absolviert einen Einstufungstest und bekommt dann exakt das Training, das er braucht. Zudem werden persönliche Gespräche mit Tutoren per Videotelefonie eingesetzt. In diesen können die Lerner selbst Unterrichtsthemen bestimmen, etwa wie sie eine Präsentation in der Zielsprache halten oder eine Verhandlung führen. Genau solche Personalisierung wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer. Sie wollen nicht nur Arbeitszeit und -ort bestimmen, sondern auch die Art und Weise.

Jedes Unternehmen agiert international


Digitale Sprachkurse können also der erste Schritt zur Digitalisierung sein. Aber sind sie auch wirklich die beste Tür für den Mittelstand in die Industrie 4.0? Sprachenlernen ist zwar ein wunderbarer Weg, den persönlichen Horizont zu erweitern, aber sind sie auch notwendig, wenn man nur national operiert? Es gibt zwei Gründe, die eindeutig dafür sprechen. Erst einmal bringt die Digitalisierung Unmengen an internationalen Potentialen mit sich. Denn mit neuen Methoden, etwa in der Kommunikation oder der Logistik, bietet sich für viele Mittelständler die Möglichkeit, zum „Hidden Champion“ aufzusteigen: also zum international schlagkräftigen Zulieferer mit lokaler Verwurzelung. Ist ein Unternehmen noch nicht auf dem internationalen Markt vertreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es ein nationaler Konkurrent bereits ist. In Zeiten des Internets agiert jedes Unternehmen international, ob es dies aktiv verfolgt oder nicht.

Ein weiteres wichtiges Argument: die Mitarbeitersuche. Mit einem ausgereiften Weiterbildungsprogramm, etwa in Form von Sprachkursen, zeigen Unternehmen Bewerbern, dass sie Interesse an der persönlichen Entwicklung ihrer Angestellten haben. Zudem sind sie ein Indikator für zukunftsgerichtetes Denken. Sie zeigen, dass ein Unternehmen ein Umfeld schafft, das die Flexibilität der Digitalisierung ermöglicht.

Digitale Lernmittel bieten den Mitarbeitern Flexibilität beim Lernen und dem Unternehmen ganz neue Möglichkeiten, Lernerfolge zu verfolgen und zu messen. Man holt sich quasi die „Digitalisierung Light” ins Haus – ein Appetizer, wie es in anderen Abteilungen laufen kann.

Bildquelle: Rosetta Stone

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