30.11.2017 IoT im Mittelstand

Wie das Internet of Things die Produktion vernetzt

Von: Stefan Killer

Erste Praxisfälle zeigen, wie schnell das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) Einzug in Industrie und Mittelstand halten kann.

Internet der Dinge  in der Produktion

Insbesondere in der Fertigung und Produktion bietet das Internet der Dinge mittelständischen Unternehmen verschiedene Chancen.

Schnelle Netze können den Alltag revolutionieren. Gleichzeitig eröffnet der nahezu verzögerungsfreie Datenaustausch auch für Industrie und Mittelstand neue Anwendungsfelder. Er ist die Basis für das Internet der Dinge und ebnet mittelständischen Unternehmen den Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Laut Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt diese „eine fortgeschrittene Informationsgesellschaft dar, die vollständig von Informations- und Kommunikationstechnik durchdrungen ist.“ Um auch in Zukunft einen Spitzenplatz in der Weltwirtschaft zu belegen, setzen schon heute immer mehr Unternehmen auf das Internet der Dinge – egal, ob Großkonzern oder Kleinbetrieb. Denn die Vernetzung von Maschinen und Gegenständen gestaltet Prozesse effizienter und spart Zeit und Kosten.

Während digitale Lösungen und datengestützte Services, beispielsweise in den eigenen vier Wänden, das Geschäft mit den Endkunden verändern, bietet das Internet der Dinge (IoT, kurz für Internet of Things) auch kleinen und mittelständischen Unternehmen verschiedene Chancen. Sie können mit ihm nicht nur neue Produkte und Services, sondern komplett neue Betriebsmodelle umsetzen. Gleichzeitig werden sie zu einem integralen Teil der Gigabit-Gesellschaft.

 „Das Internet der Dinge vernetzt alles – von riesigen Industriehallen bis zur Werkstatt im Kleinbetrieb. Wer früh auf vernetzte Technologien setzt, wird schnell erfolgreich sein“, erklärt Jochen Busch, Head of IoT Central Europe bei Vodafone. Schon heute zeigen Anwendungen, wie das Internet der Dinge die Effizienz und den unternehmerischen Erfolg steigern kann: Remote Monitoring und Maintenance sind hier zu nennen, also die Überwachung und Wartung aus der Ferne. Ein Beispiel ist der Roboterarm in der Fertigungshalle, der über eine IoT-SIM-Karte mit der Unternehmenszentrale vernetzt ist und ständig Zustandsdaten übermittelt. Die Wartung kann so aus der Ferne durchgeführt werden. Bei Fehlern oder Defekten wird eine Benachrichtigung an die Zentrale ausgesendet. Von hier aus setzen Experten zielgerichtete Maßnahmen um, weite Anreisen für eine Reparatur werden überflüssig.

Millionen Maschinen per Mobilfunk vernetzt

Gemeinsam ermöglichen Vodafone und Teamviewer eine solche Fernwartung und Steuerung von Maschinen über die IoT-Plattform von Vodafone, mehr als 60 Millionen Maschinen werden damit bereits per Mobilfunk vernetzt. Darüber hinaus lassen sich durch die frühzeitige Analyse Probleme beheben, noch bevor sie großen Schaden verursachen. Der Techniker weiß sofort, welche Komponente defekt ist oder welches Ersatzteil benötigt wird. Wartungsintervalle werden so vergrößert, Servicekosten verringert. „Wenn Maschinen miteinander sprechen und potentielle Störungen schon mitteilen, bevor sie entstehen, verschafft das der deutschen Industrie einen enormen Wettbewerbsvorteil“, folgert Jochen Busch.

Ebenso können Logistikprozesse optimiert werden, wenn Fahrzeugflotten im Internet der Dinge vernetzt sind. Auf diese Weise behalten Unternehmenszentralen die Live-Standorte aller Fahrzeuge immer im Blick, können Lieferrouten an aktuelle Verkehrsbedingungen anpassen und Kunden minutengenaue Auslieferungszeitpunkte mitteilen.

Markt und IoT-Experten als Treiber

Durch die vielfältigen Möglichkeiten lässt sich auch eine optimierte Nutzung und Auslastung von Maschinen erzielen. Nutzerfreundliche „Pay per Use“-Modelle entstehen, die nach Stunden- oder Tagessätzen abgerechnet werden. Dabei kennt der Anbieter zu jeder Zeit Standort, Betriebsdaten und Auslastung seiner Maschinen. So verringert er sowohl Lager- als auch Stillstandzeiten. In Hinblick auf die Sicherheit der Maschinen ist ein solches Monitoring von großem Wert. Dabei gilt es, dem Thema IT-Sicherheit hohe Priorität einzuräumen. Die IoT-Plattform von Vodafone ist eigenen Angaben zufolge speziell für die Vernetzung von Maschinen optimiert. Dabei erfolgt die Datenübertragung ohne Umweg über das Smartphone. Sie ist zudem gesichert vor dem externen Zugriff durch Unbefugte und erlaubt im Notfall auch Roaming innerhalb Deutschlands. Sollte einmal kein Vodafone-Netz verfügbar sein, wird die Datenverbindung automatisch über andere verfügbare Netze weitergeführt.

Ein Trend der dem Internet der Dinge einen weiteren Schub verleihen wird, heißt Narrowband-IoT. Telekommunikationsanbieter wie Vodafone arbeiten gerade an diesem Netz speziell für Maschinen. „Narrowband-IoT ist optimiert für die regelmäßige Übertragung kleiner Datensätze und kann so Millionen Maschinen gleichzeitig vernetzen“, erklärt Jochen Busch. Weil Narrowband-IoT auf besonders tiefen Frequenzen funkt, vernetzt es Gegenstände und Maschinen sogar an Orten, die der Mobilfunk sonst nur selten erreicht – etwa hinter dicken Betonmauern oder tief unter der Erde. Ein populäres Einsatzgebiet sei deshalb Smart Metering. Das digitale Auslesen von Strom- und Wasserzählern in den Kellern von Häusern oder Industriehallen werde damit einfach möglich.

Künftig werden die Anwendungsfälle noch viel weiter gehen. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft erprobt Vodafone im eigenen IoT Future Lab schon heute zahlreiche Anwendungsfälle für Narrowband-IoT. Dazu zählen sowohl intelligente Mülleimer, die automatisch melden, wenn sie geleert werden müssen, als auch Detektoren, die Graffiti-Farbe aufgrund von Farbpartikeln und Treibgasen erkennen, noch bevor ungewollte Malereien entstehen und so einen Alarm auslösen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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