14.11.2017 Robots Go East

Bald hat Asien die Hälfte aller Industrieroboter

Von: Ingo Steinhaus

2020 werden in Asien vermutlich bis zu 1,9 Millionen Industrieroboter aufgebaut sein, etwas mehr als die Hälfte der weltweit genutzten Einheiten.

  • Industrieroboter von KUKA

    Industrieroboter von KUKA

  • Jährliche Auslieferungszahlen für Industrieroboter

    So viele Industrieroboter werden pro Jahr neu eingesetzt

Asien stürmt vor: In diesem Jahr wird die Anzahl der Industrieroboter in dieser Region um 21 Prozent ansteigen. Diese Zahl haben die Marktforscher der International Federation of Robotics (IFR) ermittelt. Der internationale Verband der Robotik-Industrie und -Forscher hat vor kurzem seine alljährlichen Zahlen zur Verbreitung von Industrierobotern veröffentlicht. Demnach gibt es jetzt rund 295.000 neue Industrieroboter mehr als 2015. China ist mit großem Abstand der Vorreiter, dort wurden etwa 87.000 Roboter neu aufgebaut. Auf Platz zwei ist Korea (plus 41.400), dann folgen Japan (38.600), die USA (31.400) und Deutschland (20.000).

Im letzten Jahr waren weltweit etwa 1,83 Millionen Roboter im der Industrieproduktion im Einsatz. Zwar wächst der Robotermarkt in China am stärksten, doch trotzdem ist Deutschland die Nummer 2 bei der Roboterdichte. Hinter diesem Wert verbirgt sich die Anzahl der Industrieroboter pro 10.000 Mitarbeiter in Fertigungsbetrieben. Sie lag in der Bundesrepublik 2016 bei etwa 309 Robotern. Nur in Südkorea werden mehr Roboter eingesetzt, dort sind es 631 auf 10.000 Beschäftigte. Das große Wachstum von China dagegen ist eine Aufholjagd, dort gibt es bisher lediglich 68 Roboter pro 10.000 Industriearbeiter. Insgesamt vermutet die IFR, dass bis 2020 mehr als 1,7 Millionen neue Industrieroboter in den Fabriken der Welt aufgebaut werden.

Deutscher Robotikmarkt: Viele Hidden Champions

Obwohl Hersteller wie Mitsubishi Electric (Japan) oder ABB Robotics (Schweiz) nach Umsatz größer sind als die deutschen Hersteller, so gibt es hier doch einen sehr aktiven Robotikmarkt. Deutsche Unternehmen haben sich auch­ als­ Roboterentwickler und -hersteller weltweit einen hervorragenden­ Ruf ­erarbeitet. Dies hat einen Grund: Die Branche ist überwiegend mittelständisch strukturiert. Durch Konkurrenz einerseits und Nischenangebote andererseits konnte eine innovationsfördernde Struktur entstehen, konstatiert eine Studie von PwC.

Erfolgsfaktoren waren in der Vergangenheit in erster Linie die enge Bindung an die Autoindustrie, die als eine der ersten Branchen sehr stark auf Roboter gesetzt hat und zum anderen die regionale Nähe zu den Hauptabsatzmärkten. Doch die Branche ruht sich nicht auf ihren bisherigen Ergebnissen aus, sie ist hoch innovativ und setzt vermehrt auf kollaborative, leichtgewichtige Roboter, die in dynamischen Situationen mit Menschen zusammenarbeiten können und somit die Einsatzbereiche von Industrierobotern deutlich erweitern.

Vorteilhafte Ausgangslage für den Roboterbau

Bereits vor einigen Jahren hatte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) im Rahmen einer Gesamtstudie zu seinen Mitgliedsunternehmen auch den Teilmarkt der Robotik-und Automationsbranche in den Blick genommen - 21 wichtige Unternehmen zählen dazu. Die Robotik war und ist insgesamt extrem erfolgreich und Schnitt in der Vergangenheit tatsächlich noch besser ab als der Maschinen- und Anlagenbau insgesamt. Das ist durchaus erstaunlich, denn auch die VDMA-Studie konstatiert, dass die Unternehmen kleiner sind als die durchschnittliche Maschinenbaufirma.

Der VDMA stellt eine besonders vorteilhafte Ausgangslage für die Robotikhersteller fest. Die Nachfrage boomt bereits seit längerem. Bisher trieben Deutschland und Europa den Boom und waren für etwa zwei Drittel des Absatzes der deutschen Robotikhersteller verantwortlich. Doch die Nachfrage verlagert sich Zug um Zug vor allem in den asiatischen Raum, wie die Zahlen des IFR ergeben. Doch allein in Japan gibt es vier große Hersteller, deren Umsätze weit über dem des Branchen-Primus KUKA liegen. Der große Vorteil der deutschen Robotikhersteller liegt in der Qualität, auch wenn sie dringend stärker auf Skalierungseffekte setzen sollten, wie die VDMA-Studie nahelegt. Auch bei Robotern liegen die Zukunftsmärkte in China und seinen Nachbarn.


Bildquelle: KUKA, IFR

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