24.11.2017 Sicherheitsbedenken beseitigen

Bezahlen mit dem Smartphone: Wie Kunden profitieren

Von: Kathrin Zieblo

Welche Vorteile bietet Mobile Payment Nutzern und Händlern? Diese und weitere Fragen beantwortet Christoph Schachner, Marketing & SEO Manager bei ready2order GmbH, im Interview.

Christoph Schachner, Marketing & SEO Manager bei ready2order GmbH

„Der Mehrwert für Nutzer liegt in der Einfachheit: Immer dabei, schnell, einfach zu verwenden und flexibel an jede Situation angepasst, erleichtern mobile Zahlungen den Alltag und ermöglichen Konsumenten ihre Finanzen immer und überall im Blick zu behalten", schildert Christoph Schachner, Marketing & SEO Manager bei der ready2order GmbH.

Herr Schachner, die Nutzung von Mobile Payment, also das Bezahlen mit dem Mobiltelefon im stationären Handel, kommt in Deutschland nicht so richtig aus den Startlöchern und dass, obwohl es zahlreiche Anbieter und Lösungen auf dem Markt gibt. Auf welche Kriterien kommt es an, um eine kritische Masse von der eigenen Anwendung zu überzeugen?
Christoph Schachner:
Um die kritische Masse von der Anwendung zu überzeugen, müssen Sicherheitsbedenken, ein fehlender Mehrwert und eine hinterherhinken Infrastruktur entkräftet werden. Denn eines darf dabei nicht vergessen werden: Konsumenten ändern ihre Bedürfnisse nicht nur, weil es eine neue Technologie gibt. 

Eine bevorstehende Veränderung im Zahlungsverhalten der deutschen Konsumenten wird schon seit ein paar Jahren angekündigt. Woran scheiterte es bislang?
Schachner:
Unser Gehirn behält schlechte Nachrichten und Erinnerungen länger im Gedächtnis. Datenlecks, Serverausfälle und andere Negativnachrichten übertönen deswegen die vielen Vorteile, die mobile Bezahlsysteme mit sich bringen. Unternehmen scheitern daran, dieses Bedenken auszumerzen. Die Berichterstattung der Medien arbeitet zudem in eine entgegenwirkende Richtung mit mehr Einwänden als Erfolgsgeschichten.

Um die Rechnung im Supermarkt kontaktlos mit dem Smartphone begleichen zu können, sind entsprechend ausgestattete Terminals notwendig. Wie weit verbreitet ist die notwendige Hardware?
Schachner:
Großen Supermarktketten steht die Technologie für diesen Service bereits seit einigen Jahren zu Verfügung und wurde auch erfolgreich implementiert (z.B. Self-checkout). Mit der Digitalisierung wurden diese Terminals unter anderem durch Card Complete oder Sumup, auch für kleine Händler erschwinglich. Auch wenn die Infrastruktur bereits gegeben ist, scheitert es häufig in der strategischen Planung der Unternehmen: Wie unterstützt mich Mobile Payment in der Erreichung meiner Ziele und welchen konkreten Mehrwert haben meine Kunden?

Handelt es sich bei dem geschilderten Szenario nicht streng genommen nur um einen anderen Formfaktor – Smartphone statt EC-Karte?
Schachner:
Das Smartphone ist schon lange weit mehr als ein Telefon mit Internetzugang. Es ist zu einem ständigen Begleiter geworden, das durch seine extrem intuitive Bedienung unterschiedliche Applikationen in sich vereint. Genau diese Bündelung unterschiedlicher Funktionen macht den Unterschied aus: Alle Bankomat- und Kreditkarten auf einem Device, direkter Zugang zum Bankkonto und schnellere Bezahlvorgänge durch kontaktloses oder NFC-behaftete mobile Bezahlungen.

Worin liegt der konkrete Mehrwert für Nutzer und Händler?
Schachner:
Der Mehrwert für Nutzer liegt in der Einfachheit: Immer dabei, schnell, einfach zu verwenden und flexibel an jede Situation angepasst, erleichtern mobile Zahlungen den Alltag und ermöglichen Konsumenten ihre Finanzen immer und überall im Blick zu behalten. Händler profitieren von schnelleren Checkout-Prozessen, „Spontan Einkäufen“ durch geringere Kaufbarrieren, garantierten Zahlungseingängen und einem Zugang zu Kundendaten.

Welche Hindernisse stehen Ihrer Meinung nach dem Mobile Payment hierzulande im Weg? Sind es Sicherheitsbedenken?
Schachner:
Das größte Hindernis sehe ich in der Darstellung des direkten Kunden-Benefits und dem Umgang damit. Wenn dieser für Konsumenten klar spürbar ist, sind Sicherheitsbedenken, eine unterschiedliche Akzeptanz von mobilen Bezahltechnologien bei Händlern und eine fehlende Funktionalität bei manchen Smartphones leichter zu entkräften.

Neue Technologien entstehen heute viel schneller als noch vor zehn Jahren. Konsumenten ändern ihr Verhalten nicht in einem solchen Tempo und auch nur, wenn ein klar wahrnehmbarer Vorteil besteht.

Die Bereitschaft, beim Online-Shoppen mobil über das Endgerät zu bezahlen, scheint wesentlich höher als im Ladengeschäft zu sein. Differenzieren die Kunden hier zwischen zwei Arten des Mobile Payments?
Schachner:
Im Online-Shopping wurden Zahlungen bereits von Anfang an mobil abgewickelt und scheinen natürlicher, da beides in der „digitalen Welt“ stattfindet. Mobile Zahlungen in der „offline Welt“ wirken jedoch wie eine Grenzüberschreitung von off- und online, die vielen Nutzern nicht geheuer ist. Ich glaube, dass Kunden keine Unterscheidung zwischen zwei unterschiedliche Arten des Mobile Payments machen, sondern vielmehr der Mehrwert hier deutlicher zu erkennen ist.

Welchen Einfluss werden Instant-Payment- oder P2P-Payment-Anwendungen künftig auf die Branche haben?
Schachner:
Instant Payment bedeuten für Händler eine bessere Liquidität und eine einfachere Verwaltung des Cashflows. Das bedeutet wiederum, dass die Strategie auch den Erfordernissen von Instant Payment nachkommen muss. Eine einheitliche Omni-Channel-Erfahrung für Kunden, egal wo und wie sie bezahlen, ist dazu nötig, was vor allem für kleinere Unternehmen eine Herausforderung ist.

Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Schachner:
In den nächsten drei bis fünf Jahren erwarte ich mir, dass sich Anbieter von mobilen Zahlungsmethoden und Händler mehr auf die Bedürfnisse der Konsumenten konzentrieren und die Unternehmensstrategie mit den Möglichkeiten von Mobile Payment abzustimmen. Es heißt immerhin „Structure follows strategy“ und nicht umgekehrt.

Beim Online-Bezahlprozess sind alle Kundendaten bereits vorhanden. Dem Kunden werden aufgrund seines Kaufverhaltens ähnliche Produkte angeboten. Auch stationäre Einzelhändler werden in Zukunft immer mehr auf eigene Online-Shops zurückgreifen, die mit ihrem digitalen Kassensystem mit Warenwirtschaft und mobilen Kartenzahlterminals verbunden sind. Händler können dadurch viel besser auf das Kaufverhalten des Kunden reagieren. Für Kunden äußert sich das in personalisierten Angeboten.  Online-Shops stellen somit zum stationären Handel keinen Widerspruch mehr dar und mobile Zahlungen werden besser akzeptiert.

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