21.11.2017 Phonak Audéo B-Direct

Bluetooth-fähiges Hörgerät als Headset nutzen

Ein Hörgerät, das sich per Bluetooth mit dem Smartphone verbinden lässt und damit zum Wireless-Headset wird. Was es mit dieser Entwicklung auf sich hat, berichtet Marco Faltus, Leiter Audiologie bei Phonak Deutschland, im Interview.

  • Marco Faltus, Phonak

    „Phonak Audéo B-Direct funktioniert mit seinen integrierten Mikrofonen wie ein Wireless-Headset zum freihändigen Telefonieren", erläutert Marco Faltus von Phonak.

  • Phonak Audéo B-Direct

Herr Faltus, seit kurzem ist das Hörgerät Phonak Audéo B-Direct im Handel erhältlich. Worin unterscheidet sich dieses von den Vorgängermodellen?
Marco Faltus:
Der große Unterschied zeigt sich an der Komptabilität zu allen Betriebssystemen eines Telefons. Unsere neuen Hörgeräte lassen sich dank ihrer Technologie direkt mit jedem Bluetooth-Telefon verbinden – egal ob ein Mobiltelefon mit Android, iOS oder einem anderen Betriebssystem nutzt wird. Phonak Audéo B-Direct funktioniert mit seinen integrierten Mikrofonen wie ein Wireless-Headset zum freihändigen Telefonieren. Der Träger hört den Klingelton und das Gespräch direkt in den Hörgeräten. Auch direktes annehmen oder ablehnen über die Hörgeräte ist möglich – indem einfach der Taster gedrückt wird. So lässt sich ein Anruf annehmen, ohne das Telefon in die Hand nehmen zu müssen – das ist freihändiges Telefonieren und bislang einmalig in der Branche.

Welche spezielle Funktion übernimmt der sogenannte SWORD-Chip (Sonova Wireless One Radio Digital)?
Faltus:
Dieser «Made For All» 2,4-GHz-Wireless-Chip ermöglicht die direkte Konnektivität zu jedem Mobiltelefon mit Bluetooth 4.2 und den meisten älteren Bluetooth-Telefonen sowie die Verbindung zwischen zwei Hörgeräten unter Verwendung einer einzigen Funktechnologie. Ohne, dass ein zusätzliches Streaming-Gerät getragen werden muss. Wir haben den „SWORD“-Chip in einer Größe von 40 Nanometern entwickelt. Je kleiner die Strukturen auf dem Chip sind, desto mehr Informationen kann man darauf packen – und desto geringer ist der Stromverbrauch. Von dieser Chip-Technologie werden auch künftige Generationen von Hörgeräten mit noch komplexeren Wireless-Funktionen profitieren.

Das Hörgerät lässt sich nicht nur zum freihändigen telefonieren nutzen, sondern auch mit dem Fernseher verbinden. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?
Faltus:
Es ist uns ein großes Anliegen, Lösungen zu entwickeln, die den Alltag von Hörgeräteträgern erleichtern und ihre Lebensqualität verbessern. Also haben wir auch hier nach einer perfekten Lösung gesucht. Verbindungen vom Fernseher zu den Hörgeräten gab es auf dem Markt schon einige Zeit. Wir haben aber nach einer Lösung gesucht, die tatsächlich Plug&Play ist und dazu noch Klangqualität in Stereo, ohne wahrnehmbare Übertragungsverzögerung für den Träger, bietet.

Welche technische Lösung steckt dahinter und wie gelingt die Einrichtung?
Faltus:
Der TV-Connector steckt dahinter. Sobald dieser mit dem Fernseher und der Stromquelle verbunden ist, erkennt er automatisch alle kompatiblen Hörgeräte innerhalb eines Radius von einem Meter. Ohne komplizierte Ankopplung. Der TV-Connector ermöglicht Streaming von einem Gerät an eine unbegrenzte Anzahl von Hörgeräten. Der Fernsehton wird zeitgleich an alle verbundenen Hörgeräte übertragen – und das mit einer Reichweite von 15 Metern

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit dieser Lösung an?
Faltus:
Mit diesen Hörgeräten sprechen wir klar die Zielgruppe der hörgeminderten Vieltelefonierer an. Aber natürlich kreuzen wird auch die Wege der Consumer Electronics. Nicht nur wegen der einfachen Handhabe sondern auch mit der Art und Weise, wie die Nutzer über die Hörgeräte kommunizieren können. Über eine Konsumentenfreundliche Art und Weise.

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