26.10.2017 Paketlieferung

Der Amazon-Türöffner und andere Zustellhilfen

Von: Ingo Steinhaus

Amazon will Pakete auch bei Abwesenheit in die Wohnung legen. Zeit, sich mal ein paar Alternativen anzuschauen.

  • DHL-Lieferdrohne

    DHL-Lieferdrohne

  • UPS-Lieferdrohne

    UPS-Lieferdrohne

  • Der Paketbutler

    Der Paketbutler

  • Der Lieferroboter von Starship Technologies

    Der Lieferroboter von Starship Technologies

  • Kofferraumzustellung

    Kofferraumzustellung

Der Online-Handel boomt und in der Folge die Paketdienste. Die Anzahl der versendeten Pakete ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen und bisher bremst nichts das Wachstum. Die Experten der Unternehmensberatung McKinsey erwarten bis 2025 ein durchschnittliches Jahreswachstum von etwa 40 Prozent. Inzwischen geht mehr als die Hälfte aller Pakete an Privathaushalte. Ihr Anteil wird in den nächsten Jahren erheblich steigen, was aber nicht nur in der aktuellen Weihnachtszeit die Zustelldienste vor typische Probleme stellt: Privatleute sind nicht immer zu Hause, wenn der Paketbote einmal klingelt.

Alternativen zur Paketzustellung

Es ist für die Paketdienstleister also sinnvoll, nach Alternativen zur persönlichen Zustellung zu suchen. Einen der ersten Ansätze hat DHL kurz nach der Jahrtausendwende aufgebaut: Die inzwischen mehr als 2.700 Packstationen, die von etwa fünf Millionen registrierten DHL-Kunden genutzt werden. Sie lassen sich ihre Pakete direkt an die Packstation schicken und holen sie dann zu einer beliebigen Zeit mithilfe einer Codekarte ab. Darüber hinaus wird das System auch für die anonyme Abholung von nicht zugestellten Paketen genutzt.

Doch das Netz der Packstationen kann aus Platzgründen nicht beliebig ausgebaut werden. Alternativen sind also gefragt. So kommt es, dass DHL seit 2016 verschiedene Forschungsprojekte gestartet hat, die einen kleinen Einblick in die Zukunft der Paketzustellung geben. Das sicher spektakulärste Projekt ist der DHL-Paketkopter. Das ist eine autonom fliegende Transportdrohne, die Pakete bringt und holt. Sie ist allerdings zunächst nur für den Transport von dringend benötigten Waren wie beispielsweiße Medikamenten in geographisch schwer zugängliche Gebiete gedacht. So ist sie in den letzten Jahren im Gebirge und auf Nordseeinseln geprüft worden.

Einen anderen Ansatz für die tägliche Zustellung von Waren verfolgt Konkurrent UPS. Dort übernimmt eine autonome Drohne die Zustellung vom Dach eines UPS-Trucks aus. Sie fliegt nach dem Aufklappen des Daches zu einer vorher eingestellten Adresse und kann im Moment maximal 4,5 kg über eine kurze Distanz transportieren. Nach Ablage des Paketes im Garten des Empfängers landet die Drohne dann automatisch wieder auf dem Zustellfahrzeug.

Eine weitere Variante der Auslieferung mit autonomen Fahrzeugen testet Hermes im Moment in Hamburg: Den Lieferroboter von Starship Technologies. Das ist ein kleines Transportgefäß auf Rollen, das mit Schrittgeschwindigkeit über Fußwege fährt. Es soll in Städten eingesetzt werden und wird die in einem Hermes-Paketshop hinterlegten Pakete in der näheren Umgebung ausliefern. Dadurch hofft der Paketdienstleister, den auch für die Fahrer ziemlich stressigen Lieferverkehr in engen Großstadtstraßen zu reduzieren.

Smarte Butler und Türschlösser

Als Ergänzung für die herkömmliche Zustellung dient der Paketbutler, den Telekom DHL und ein Hamburger Start-up auf den Markt gebracht haben. Das ist eine faltbare Box für die Abgabe von Paketen. Sie wird an der Haustür befestigt und kann vom Paketboten mit einer PIN geöffnet werden. Das nicht brennbare und einbruchsichere Material schützt das eingelegte Paket.

Wer vor seiner Wohnungs- oder Haustür nicht den Platz für eine solche Box hat, kann in Berlin, Bonn, Köln und Stuttgart die Kofferraumzustellung nutzen - aber nur, wenn er einen Smart bestimmte VW-Modelle fährt. Der Autohersteller rüstet über sein Fachhandelsnetz die Fahrzeuge mit GPS und einem Funkschloss nach, sodass Paketboten den Kofferraum öffnen und das Paket dort ablegen können. Der Wagen muss lediglich in der Nähe der Heimatadresse geparkt sein, der Bote findet das Auto mit einer App. Wenn sich das System bewährt, will DHL die Zusammenarbeit auf weitere Autohersteller und Modelle erweitern

Ganz neu auf dem Markt in den USA ist ein smartes Türschloss, das vom Amazon-Lieferdienst geöffnet werden kann. Die Pakete landen also auch in Abwesenheit direkt in der Wohnung. Das Amazon Key genannte Schloss wird in eine normale Tür eingebaut. Dazu gehört auch eine Überwachungskamera von Amazon, die Missbrauch verhindern soll.

Bis auf den Paketbutler sind die Projekte noch in der Erprobungsphase. Welches davon sich durchsetzen wird, ist noch vollkommen offen. Bisher ist zum Beispiel unklar, ob rollende oder fliegende Lieferroboter überhaupt zuverlässig arbeiten und zudem noch im Großeinsatz praktikabel sind. Auch die intelligenten Schließsysteme im Auto oder der Haustür haben sich noch lange nicht durchgesetzt. Zwar besitzt Amazon einiges an Marktmacht und kann viele Dinge durch seine schiere Größe durchsetzen. Doch wer seine Haustür umbaut, muss schon wirklich großes Vertrauen zu dem Unternehmen haben.

Bildquelle: DHL, UPS, Paketbutler, Starship

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