10.01.2018 Die „lebendige Straße“ zurückbringen

Ford will übergreifende Plattform für Mobilität etablieren

Ford will seine Zukunft durch eine Schlüsselrolle bei der Neugestaltung der Mobilität sichern. Der US-Autokonzern richtet eine Plattform ein, die verschiedene Robotertaxis, Fahrdienste sowie öffentlichen Nahverkehr und die Infrastruktur der Städte verknüpfen soll.

Ford-Chef Jim Hackett will den technologischen Wandel nutzen, um eine „lebendige Straße“ zurückzubringen. ((Foto: Andrej Sokolow))

Ford-Chef Jim Hackett will den technologischen Wandel nutzen, um eine „lebendige Straße“ zurückzubringen. ((Foto: Andrej Sokolow))

Die Plattform binde auch Navigations- und Bezahldienste ein und stehe anderen Herstellern offen, betonte Fords Mobilität-Chefin Marcy Klevorn auf der Technikmesse CES in Las Vegas.

Die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi will in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Dollar in Start-ups investieren. Der erste Partner ist Ionic Materials, eine US-Firma, die Materialien für Feststoffbatterien ohne Kobalt entwickelt. Für das erste Jahr seien 200 Millionen Dollar veranschlagt, sagte in Las Vegas Renault-Chef Carlos Ghosn, der auch die Allianz anführt. Die Idee sei, eine Plattform zu schaffen, über die Start-ups mit allen drei Unternehmen der Allianz gleichzeitig ins Geschäft kommen können. Der jährliche Investitionsrahmen sei nicht in Stein gemeißelt: Vielleicht werde man ihn im ersten Jahr auch gar nicht ausschöpfen, möglicherweise aber auch für das zweite Jahr erhöhen müssen.

Ghosn rechnet damit, dass zum Jahr 2024 Robotertaxis im Alltag unterwegs sein werden. Es gebe verschiedene Level der Autonomie von intelligenten Assistenzsystemen bis hin zu komplett fahrerlosen Autos. „Und in den nächsten Jahren werden wir alles davon erleben“, sagte Ghosn am Dienstag (Ortszeit) auf der Technikmesse CES in Las Vegas. Es müsse allerdings zunächst rechtliche Voraussetzungen dafür geben. „Und es ist unklar, wie bereit die Menschen dafür sind, in selbstfahrenden Wagen unterwegs zu sein.“

Zugleich zeigte sich Ghosn überzeugt, dass die Autokonzerne noch viele Jahre auch herkömmliche Fahrzeuge verkaufen werden, die von Menschen gesteuert werden müssen. „Ich glaube nicht, dass es heute um ein Entweder-Oder geht. Ich bin ein wenig überrascht, wenn Firmen sagen, sie werden komplett zum Mobilitätsanbieter. Das kann man heute so nicht sagen.“ Der Großteil des künftigen Wachstums werde aus Schwellenmärkten wie etwa Indien kommen – wo noch klassische Autos verkauft werden.

Zusammen mit der Einführung selbstfahrender Autos müssten auch die Städte bewusst umgestaltet werden, sagte Ford-Chef Jim Hackett auf der CES. Das Auto habe zwar die Gesellschaft verändert, aber das habe seinen Preis gehabt. „Autostraßen haben die Straßen zum Leben verdrängt.“ Ford wolle den technologischen Wandel nutzen, um wieder eine „lebendige Straße“ zurückzubringen. „Das ist kein Traum.“

Erstmals seit einem Jahrhundert gebe es in dem Geschäft eine Technologie, die das Bestehende nicht nur verbessern, sondern komplett umkrempeln könne. Und die Branche könne sich nicht mehr wie bisher nur auf das Auto selbst beschränken. „Wir fangen erst an, zu begreifen, was die Technologie alles ermöglichen wird.“ Ford wolle diesen Wandel mit anführen.

dpa/SI

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