13.11.2017 Disaster-Recovery-Strategie

Kein Black Out am Black Friday

Von: Matthias Frühauf*

Gerade in E-Commerce-Hochzeiten wie dem Black-Friday-Wochenende sind die IT-Infrastrukturen im Online-Handel besonderen Belastungen ausgesetzt. Dann zählt unbedingte und permanente Verfügbarkeit, sonst leidet die vielbeschworene „Consumer Experience“.

Schnell etwas online bestellen, ist heute Alltag. Wenn dann der Login nicht klappt, Produkte wieder aus dem Warenkorb verschwinden oder die Verbindung zum Bezahldienst nicht zustande kommt, werden Käufe schnell abgebrochen.

Schnell etwas online bestellen, ist heute Alltag. Wenn dann der Login nicht klappt, Produkte wieder aus dem Warenkorb verschwinden oder die Verbindung zum Bezahldienst nicht zustande kommt, werden Käufe schnell abgebrochen.

Auch in Deutschland gehört das sogenannte „Black-Friday“-Aktionswochenende – nach dem US-Thanksgiving Ende November – neben der Vorweihnachtszeit inzwischen zu den umsatzstärksten Terminen im E-Commerce-Jahr. 2017 fällt der Black Friday auf den 24. November.

2016 erreichte der Umsatz am Black-Friday-Aktionswochenende über 1,25 Milliarden Euro, rund 11 Prozent mehr als im Jahr davor. Doch es könnte locker mehr sein: Laut Crisp Research gehen deutschen Online-Shops in jedem Jahr Umsätze in fast identischer Höhe durch IT-Ausfälle verloren.

Dabei könnte Unternehmen viel mehr tun, um sich besser und zugleich effizient gegen Ausfälle zu schützen: Es krankt vor allem bei den Maßnahmen und damit den Zeiten für die Wiederherstellung der entsprechenden Daten und Anwendungen. 

Verfügbarkeit steht an erster Stelle

IT-Infrastrukturen sind im E-Commerce-Sektor überaus komplex: Hinter dem Shop-Frontend muss eine Vielzahl von Prozessen und Parteien reibungslos ineinandergreifen und zuverlässig Daten und Anwendungen zur Verfügung stellen – von Zahlungsdiensten über Mobilfunkanbieter bis hin zu Hosting-Unternehmen und Logistikern. Nur so ist das Shopping-Erlebnis erfolgreich.  

Doch je mehr Beteiligte innerhalb eines E-Commerce-Ökosystems im Spiel sind, desto größer ist auch das Risiko eines Fehlers. Das muss kein Hackerangriff sein, auch ein Mitarbeiter kann versehentlich den falschen Knopf drücken oder im Rechenzentrum fällt kurz der Strom aus: 100-prozentige IT-Sicherheit gibt es nicht. Umfassende Planung, Vorbereitung und Absicherung können allerdings sicherstellen, dass Ausfälle für Online-Shopper gar nicht oder kaum spürbar werden.  

Disaster-Recovery-Strategie

Eine adäquate Verfügbarkeitsstrategie, einschließlich Disaster Recovery (DR), steht dabei im Kern der Überlegungen. Wichtig ist, dass E-Commerce-Unternehmen ein Konzept für ungeplante IT-Ausfälle haben und somit den Teil der Infrastruktur absichern, den sie kontrollieren können.

Eine ausgereifte Verfügbarkeitsstrategie kann ein komplettes zweites Rechenzentrum bedeuten oder eine kontinuierliche Datensicherung über die Cloud. Die optimale Lösung orientiert sich an der bestehenden IT-Umgebung, den eigenen Anforderungen und den entsprechenden Service-Level-Vorgaben (SLAs) sowie an der Menge und Struktur der zu sichernden Daten.

Wie auch immer die Datensicherungsstrategie konkret aufgestellt ist, die Ausfallzeiten sollten sich maximal im Minutenbereich bewegen. So altmodisch es klingt, aber oft ist ein Backup die letzte Rettung – wenn es aktuell und intakt ist. 

  • Ein immens wichtiger Wert für die Wahl der richtigen Lösung ist das Recovery Time Objective (RTO). Dieser Wert steht für die Wiederherstellungszeit und gibt an, wie viel Zeit vergeht, bis der Betrieb wieder läuft.
  • Ebenso wichtig ist das Recovery Point Objective (RPO). Dieser Wiederherstellungspunkt gibt an, wie viele Daten verloren gehen, bis das Unternehmen weiterarbeiten kann.

Je kleiner RTO und RPO sind, desto höher sind in der Regel die Kosten für die Wiederherstellungslösung. Gerade im Onlinehandel lohnt sich aber die Investition: Je nach Umfang des Shops würden die Unternehmen schon bei einem Ausfall von wenigen Sekunden enorme Summen verlieren. 

Auch die Cloud muss abgesichert werden

Gerade im Online-Handel sind Cloud-Anwendungen populär, nicht zuletzt weil sie die Zusammenarbeit entlang der Lieferkette beschleunigen. Mit einem umfangreichen Cloud-Ökosystem steigt jedoch die Komplexität der IT-Umgebung und nicht jede Datensicherungslösung kann dies umfassend unterstützen. Gleichzeitig können und dürfen sich Unternehmen nicht darauf verlassen, dass die Cloud-Anbieter ihre Datensicherung übernehmen. Auch wenn sie produktive Workloads über gehostete Services ausführen, müssen sie ihre Datensicherungs- und Wiederherstellungsszenarien eigenständig planen. Sofort einsatzbereite Failover-Mechanismen aus der Cloud (Disaster Recovery as a Service = DRaaS-Lösungen) sind dabei eine ideale Ergänzung für Cloud-basierte Speicher.

Drei Tipps für die Wiederherstellung aus der Cloud 

1.    Eine belastbare Netzwerkstruktur schaffen 

Eine umfassende DRaaS-Lösung sollte auch die Netzwerkverbindungen zwischen den Standorten berücksichtigen. Erweitern Sie das Netzwerk mit Hilfe von Appliances, um die Kommunikation mit und zwischen laufenden Replika-VMs während eines Failovers unabhängig vom Standort aufrechtzuerhalten. Mit modernen DRaaS-Lösungen beispielsweise vermeiden Sie, dass vor, während oder nach dem Failover Änderungen an der Netzwerkinfrastruktur vorgenommen werden müssen. Die Komplexität im Netzwerkmanagement, die Kosten und der Aufwand für die Re-Konfiguration von Netzwerken für Wiederherstellungstests reduzieren sich somit erheblich. 

2.    Regelmäßige DR-Tests in der “Sandbox” 

Genau wie Backups ohne verifizierte Wiederherstellung wertlos sind, muss auch ein DR-Prozess durch regelmäßige Tests gesichert sein. Deshalb sollte die einfache Handhabung von DR-Tests auch ein wichtiges Kriterium für die Planung, Evaluierung und Lösungsauswahl sein. Mittlerweile bieten viele Sicherungslösungen automatisierte Testläufe, bei denen der IT-Administrator keine langwierigen Konfigurationen durchlaufen muss. Stattdessen werden die Tests einmal aufgesetzt, laufen dann regelmäßig und automatisch und liefern zuverlässige Berichte.  

3.    Auf Benutzerfreundlichkeit achten 

Implementierung und das spätere Testen sind mit einer benutzerfreundlichen Sicherungslösung deutlich schneller und Sie profitieren von einer Technologie, die nicht immer wieder nachjustiert werden muss. Hinzu kommt, dass IT-Mitarbeiter im Disaster-Fall natürlich unter besonderem Stress stehen, um den Betrieb schnell wiederherzustellen. Eine benutzerfreundliche Lösung hilft ihnen gezielt die richtigen Schritte einzuleiten – etwa, um die Anwendungen am Sekundärstandort zu starten.   

 

Bildquelle: Thinkstock / iStock

*Autor Matthias Frühauf ist Regional Presales Manager, CEMEA bei Veeam Software

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