13.11.2017 E-Commerce: Datenbasierte Personalisierung

Künstliche Intelligenz im Fashion-Handel

Von: Kathrin Zieblo

Welche neuen Möglichkeiten sich für Fashion-Händler durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ergeben, berichtet Florian Lüft, zuständig für das Business Development des schwedischen Software-Anbieters Apptus Technologies, im Interview.

Florian Lüft, Apptus

„Ich bin der festen Überzeugung, dass kein zukunftsorientierter Händler an KI vorbeikommt", so Florian Lüft von Apptus.

Herr Lüft, in welchen Bereichen der Wertschöpfungskette des Handels werden KI-Anwendungen derzeit konkret eingesetzt?
Florian Lüft:
Derzeit stehen wir noch am Anfang. Denn viele Unternehmen haben sich in den Bereichen Big Data und Data Driven Commerce immer noch nicht weiterentwickelt. Künstliche Intelligenz (KI) ist der nächste Schritt, aus Big Data mittels Machine Learning und Predictive Analytics einen Data Driven Commerce zu entwickeln. Die Verbindung der verschiedenen Features in einer Lösung mit einer übergreifenden Meta-Intelligenz, die aus allen Datenpunkten lernt und diese optimiert, ist unsere Vision bei Apptus.

An welcher Stelle lässt sich am meisten von der Technologie profitieren?
Lüft:
Überall, wo viele Produkt- und viele Kundendaten verarbeitet werden. Denn nur wenn wir hier auf KI zurückgreifen, können wir die enormen Volumina in Echtzeit analysieren und deren Potential nutzen. Stellen Sie sich einen Online-Shop mit nur vier Artikeln vor. Bereits hier gibt es 24 Möglichkeiten, die Artikel anzuordnen. Wie wollen Sie das manuell in Echtzeit und individuell für jeden einzelnen User machen? Es ist schlicht nicht machbar, denn bei zehn Artikeln sind es schon 3.628.800 Möglichkeiten.

Sind Sie der Meinung, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Fashion-Händlern künftig durch KI-Technologie bestimmt sein wird?
Lüft:
Ich bin der festen Überzeugung, dass kein zukunftsorientierter Händler an KI vorbeikommt. Nur wer seinen Kunden gemäß seiner individuellen Präferenzen anspricht, wird Erfolg haben. Und das geht nicht ohne KI.

Inwiefern hat KI auch Einfluss auf den stationären (sprich Offline) Handel?
Lüft:
KI kann einen großen Einfluss auf den Offline-Handel haben. Zum Beispiel können Händler ihren Verkäufern auf der Fläche ein digitales Gadget für die Beratung an die Hand geben. Der Kunde fragt nach einem Artikel und der Verkäufer gibt die Daten des Kunden in sein digitales Device ein. Er agiert quasi als verlängertes Klickverhalten des Kunden. Die KI zeigt dem Verkäufer automatisch die Artikel an, die Kunden mit ähnlichem Verhalten gekauft haben. Damit kann der Verkäufer seine Beratungskompetenz optimieren und noch besser Cross-Selling und Up-Selling betreiben. Auch das Marketing auf der Fläche kann durch digitale Panels und eine entsprechende Dynamisierung der Inhalte optimiert werden.

Welche Überlegungen müssen Unternehmen anstreben, bevor sie sich für den Einsatz von künstlicher Intelligenz entscheiden?
Lüft:
Zunächst müssen sie offen für Innovationen sein und alle Kanäle vernetzen. Dann müssen sie festlegen, was sie mit einem KI-Projekt erreichen wollen und welche Ressourcen vorhanden sind. Nehmen wir das Thema Produktdaten – je detaillierter diese sind und je granularer ihre Attribute definiert werden, desto besser können sie ausgespielt werden. Fatal ist es für KI-Projekte, wenn Unternehmen sich Lösungen anschaffen und denken, die Sache sei damit erledigt. Diese Projekte werden immer scheitern. Daher sind eine gute Planung – auch mit Experten – eine strukturierte Evaluierung einer passenden Lösung für die eigenen Ziele und dann eine sukzessive Umsetzung unter Einbeziehung aller relevanten Abteilungen essentiell.

An welcher Stelle kommt nun Apptus ins Spiel?
Lüft:
Apptus kommt ins Spiel, wenn mit dem Fokus auf E-Commerce mithilfe von KI eine datenbasierte Personalisierung entwickelt werden soll. Die Lösung wird wie eine Meta-Intelligenz in die Plattformen eingebaut und erlernt aus allen Datenpunkten das Kundenverhalten. Es geht darum, aus dem aktuellen Userverhalten und verschiedenen Kriterien bereits vorhandener Daten eine Ableitung zu treffen. So wird dann automatisch für jeden User ein dynamisches Sortiment zusammengestellt und die Artikel mit der höchsten Kaufwahrscheinlichkeit in Echtzeit ausgespielt. Die Händler realisieren so eine personalisierte Customer Experience, was ohne KI nicht möglich wäre. Die Anzeige der eigenen Präferenzen erhöht die Kaufwahrscheinlichkeit signifikant. Um das zu erreichen, wird die Software-Suite mit einer Onsite-Search, dynamischer Navigation, verschiedensten Empfehlungen, dynamischen Produktlisten und Content-Personalisierung implementiert. All diese Features lernen nach der initialen Konfiguration selbst und können sich automatisiert verbessern.

Welche Vorteile ergeben sich für Fashion-Händler durch den Einsatz von Apptus eSales?
Lüft:
Hier gibt es eine ganze Reihe von Vorteilen. Durch den Einsatz von Apptus eSales werden die Erkenntnisse aus Daten in automatisierte konkrete Handlungen umgesetzt. So können wir eine personalisierte Customer Experience und den 1:1 Commerce realisieren. Die durch die Software integrierte selbstlernende Suche wird durch jede Search-Query besser. Der Trend-Sensor erkennt ungewöhnliches Verhalten sofort und kann ein entsprechendes Produkt umgehend höher priorisieren, um den damit verbundenen Mehrwert zu nutzen. Eine einfache, datengetriebene Steuerung von Onsite-Kampagnen mittels Echtzeit A-/B-Tests spielt den Usern automatisch passende Visual aus. Fashion-Händler haben darüber hinaus die Möglichkeit zu berechnen, ob eine Optimierung auf Umsatz, Deckungsbeitrag oder Conversion-Rate aktuell am sinnvollsten ist. So können sie alle relevanten KPIs positiv beeinflussen – die Conversion Rate, den durchschnittlichen Bestellwert, den Umsatz, die Kundenzufriedenheit, die Bounce-Rate und damit den Unternehmenserfolg.

Wie lange wird es dauern, bis KI-Anwendungen den Handel vollständig durchdrungen haben?
Lüft:
Ich gehe derzeit davon aus, dass wir in den nächsten fünf Jahren einen massiven Sprung in diese Richtung machen werden. Wer jetzt die Weichen stellt, ist morgen seiner Konkurrenz vielleicht schon den entscheidenden Schritt voraus.

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