24.11.2017 Kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen

Mobile Payment braucht mehr Anreize

Von: Kathrin Zieblo

Nutzerfreundlichkeit, Verbreitung und Akzeptanz sind drei wichtige Faktoren um das mobile Bezahlen in Deutschland voranzutreiben. Wie sich diese verwirklichen lassen, erläutert Frank Keller, Geschäftsführer bei Paypal DACH, im Interview.

Frank Keller, Geschäftsführer bei Paypal DACH

„Veränderungen brauchen Zeit – gerade beim Thema Bezahlen in einem stark bargeldgeprägten Land wie Deutschland. Der Umstieg auf mobiles Bezahlen ist nichts, was über Nacht passieren wird", erklärt Frank Keller von Paypal.

Herr Keller, die Nutzung von Mobile Payment, also das Bezahlen mit dem Mobiltelefon im stationären Handel, kommt in Deutschland nicht so richtig aus den Startlöchern und dass, obwohl es zahlreiche Anbieter und Lösungen auf dem Markt gibt. Auf welche Kriterien kommt es an, um eine kritische Masse von der eigenen Anwendung zu überzeugen?
Frank Keller:
Ganz wichtig sind Mehrwert und Relevanz. Der Verbraucher ist grundsätzlich offen für Neues – auch beim Bezahlen. Aber es braucht Angebote, aus deren Nutzung sich ein Vorteil für den Kunden ergibt. Und Angebote, die ich als Verbraucher so häufig nutze, dass ich aufgrund der mir entstehenden Vorteile bereit bin, dauerhaft meine Gewohnheiten zu ändern. Das kann zum Beispiel der mobile Kauf einer Busfahrkarte sein, sodass ich mich weder am Automaten noch beim Busfahrer anstellen muss. Oder die Pizza-Bestellung bei einem Lieferdienst, die ich bequem vom Sofa aus per Smartphone und App abschicke und somit unabhängig von Münzen und Scheinen in meinem Portemonnaie bin.

Eine bevorstehende Veränderung im Zahlungsverhalten der deutschen Konsumenten wird schon seit ein paar Jahren angekündigt. Woran scheiterte es bislang?
Keller:
Veränderungen brauchen Zeit – gerade beim Thema Bezahlen in einem stark bargeldgeprägten Land wie Deutschland. Der Umstieg auf mobiles Bezahlen ist nichts, was über Nacht passieren wird. Wichtig ist, die Angebotsseite weiter zu treiben, um so dem Verbraucher die Möglichkeit zu geben, sich Stück für Stück von seinen vorhandenen Bezahlgewohnheiten zu verabschieden. Mehr Angebote bedeuten mehr Möglichkeiten, mobil zu bezahlen und so eine echte Verhaltensänderung zu erzielen.

Um die Rechnung im Supermarkt kontaktlos mit dem Smartphone begleichen zu können, sind entsprechend ausgestattete Terminals notwendig. Wie weit verbreitet ist die notwendige Hardware?
Keller:
Die Zahl der NFC-Terminals in Deutschland steigt stetig, bis 2020 sollen sie zum Standard im Handel werden. Dann wird es nicht nur möglich sein, Bank- oder Kreditkarten mit NFC-Chip zum kontaktlosen Bezahlen zu nutzen. Auch NFC-fähige Smartphones oder NFC-Bezahlsticker zum Aufkleben für das Handy sind weitere Optionen, die an diesen Terminals funktionieren. Bereits heute ist es möglich, mit Vodafone Wallet mobil zu zahlen und hierbei Paypal als Bezahlmethode zu hinterlegen.

Handelt es sich bei dem geschilderten Szenario nicht streng genommen nur um einen anderen Formfaktor – Smartphone statt EC-Karte?
Keller:
Zwischen dem Antippen eines Terminals per Karte oder Smartphone besteht tatsächlich kein großer Unterschied. Spannend wird es dann, wenn ein Händler dem Kunden einen über das Bezahlen hinausgehenden Mehrwert bietet. Das können beispielsweise Bonusprogramme, der Zugang zu besonderen Angeboten oder zusätzliche Services sein. Wichtig ist, dass dem Kunden aus der Nutzung neuer Technologien ein konkreter Mehrwert entsteht.

Worin liegt der konkrete Mehrwert für Nutzer und Händler?
Keller:
Für Verbraucher ergibt sich aus neuen Angeboten und Bezahlformen mehr Auswahl und Flexibilität. Deutschland ist nach wie vor ein sehr stark bargeldgeprägtes Land, in dem es häufig gar keine andere Möglichkeit als das Bezahlen mit Münzen und Scheinen gibt.

Werden zusätzlich zur Option „Bargeld“ weitere Möglichkeiten angeboten, so macht dies den Verbraucher unabhängig von seinem Portemonnaie. Für die Händlerseite wiederum ergibt sich die Möglichkeit auf Umsätze von Kunden, die heute nicht kaufen, weil sie gerade kein Bargeld dabeihaben. Beispiel Automaten: Ein Kauf an einem Snack- und Getränkeautomaten scheitert häufig daran, dass man nicht die passenden Bargeldbeträge bei sich hat. Das Hinzufügen bargeldloser Methoden kann dazu beitragen, dass mehr Verkäufe realisiert werden.

Welche Hindernisse stehen Ihrer Meinung nach dem Mobile Payment hierzulande im Weg? Sind es Sicherheitsbedenken?
Keller:
Eine von PwC im Mai 2017 veröffentlichte Studie nennt „Sicherheit und Datenschutz“ als den wichtigsten Faktor, um Mobile Payment für Verbraucher attraktiv zu machen. Das Sicherheitsbewusstsein der Deutschen spielt sicherlich eine wichtige Rolle. Nutzerfreundlichkeit, Verbreitung und Akzeptanz sind aber sicherlich ebenso wichtig. Es gilt deshalb, Angebote auf den Markt zu bringen, die dem Verbraucher einen konkreten Mehrwert bieten und die aus Bereichen des alltäglichen Lebens stammen, zum Beispiel Busfahrkarten oder Parkgebühren.

Die Bereitschaft, beim Online-Shoppen mobil über das Endgerät zu bezahlen, scheint wesentlich höher als im Ladengeschäft zu sein.
Differenzieren die Kunden hier zwischen zwei Arten des Mobile Payments?
Keller:
Online-Shopping über mobile Geräte wie Smartphones und Tablets wird in der Tat deutlich besser angenommen als das mobile Bezahlen im stationären Handel. Ein Grund ist sicherlich, dass sich Online-Shopping über mobile Geräte für den Verbraucher quasi „genauso“ anfühlt wie der Online-Kauf vom Desktop-Rechner aus. Das mobile Gerät bietet dabei den gleichen Zugang zum Internet, lediglich mit einer anderen Bedienung und anderen Bildschirmgrößen. Darüber hinaus greift der Online-Shopper auch beim Kauf über ein mobiles Gerät auf die gleichen Bezahlmethoden zurück wie er dies auch sonst tut. Die damit verbundene Verhaltensänderung ist somit eine andere als im Ladengeschäft, wo ein Sprung von etablierten Bezahlformen wie Bargeld und EC-Karte auf komplett neue Formfaktoren gefragt ist.

Welchen Einfluss werden Instant-Payment- oder P2P-Payment-Anwendungen künftig auf die Branche haben?
Keller:
Wir erwarten, dass P2P-Dienste, also Angebote rund um das Senden von Geld zwischen Privatpersonen, weiter zunehmen werden. Im privaten Bereich gibt es nach wie vor sehr viele bargeldgeprägte Situationen – sei es das Teilen der Restaurantrechnung, das Sammeln von Geld für ein gemeinsames Geschenk oder der für die Kinotickets vorgelegte Betrag. Das elektronische Senden solcher Beträge kann dazu beitragen, viele der heute noch vorhandenen Ineffizienzen zu beseitigen.

Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Keller:
Eine der zentralen Herausforderungen für Deutschland ist und bleibt das Thema Bargeld. Kaum eine andere Nation hängt so sehr an Scheinen und Münzen wie die Deutschen. Jeder zweite Einkauf in Deutschland wird immer noch mit Bargeld getätigt. Neue Technologien wie NFC, aber auch Innovationen wie Selbstbedienungskassen oder Click & Collect-Modelle werden dazu beitragen, dass der Verbraucher mehr Auswahl und Flexibilität erhält. Auch die noch stärkere Verzahnung zwischen Online- und Offline-Welt wird hierbei eine Rolle spielen. Rund um das mobile Bezahlen ist damit zu rechnen, dass weitere Player in den Markt dringen, neue Technologien und Modelle ausprobiert werden und für den Verbraucher hieraus eine Vielzahl an neuen Angeboten entstehen.

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