27.11.2017 Vertrauen bei Nutzer aufbauen

Mobile Payment: Komfort vs. Sicherheit?

Von: Kathrin Zieblo

Warum deutsche Nutzer dem Mobile-Payment-Angeboten bislang nur wenig vertrauen und wie sich dies ändern lässt, schildert Henning Brandt, Head of PR and Communication bei Computop, im Interview.

Henning Brandt, Head of PR and Communication bei Computop

„Die hohen Erwartungen an die Sicherheit motivieren die Verbraucher nicht gerade dazu, dem Smartphone ihre sensiblen Zahlungsdaten anzuvertrauen", glaubt Henning Brandt, Head of PR and Communication bei Computop.

Herr Brandt, welche Hindernisse stehen Ihrer Meinung nach dem Mobile Payment hierzulande im Weg? Sind es Sicherheitsbedenken?
Henning Brandt:
Das Wichtigste ist das Verbrauchervertrauen. Sobald die Kunden genug Zutrauen zu den Zahlungsverfahren haben, um ihren Smartphones die Kontodaten anzuvertrauen, werden sie den Komfort, der mit mobiler Zahlung verbunden ist, auch wertschätzen können. Dazu trägt wesentlich auch die Reputation der dahinter stehenden Zahlartenanbieter bei.

Eine bevorstehende Veränderung im Zahlungsverhalten der deutschen Konsumenten wird schon seit ein paar Jahren angekündigt. Woran scheiterte es bislang?
Brandt:
Im Wesentlichen sehen wir die Ursache für die zögerliche Akzeptanz mobilen Bezahlens darin, dass das Verbrauchervertrauen in Deutschland noch nicht ausreichend vorhanden ist. Die hohen Erwartungen an die Sicherheit motivieren die Verbraucher nicht gerade dazu, dem Smartphone ihre sensiblen Zahlungsdaten anzuvertrauen. Dazu kommt, dass ein prominenter Anbieter mobiler Zahlungslösungen, nämlich Apple mit seinem Apple Pay bisher einen Bogen um Deutschland macht. Die Banken wiederum könnten eine kritische Masse leicht ansprechen, haben aber keine gemeinsame Lösung zustande gebracht. In Ländern wie Schweden oder Dänemark, in denen Banken bei technischen Standards kooperieren, ist die Aufgeschlossenheit für mobiles Bezahlen viel größer.

Um die Rechnung im Supermarkt kontaktlos mit dem Smartphone begleichen zu können, sind entsprechend ausgestattete Terminals notwendig. Wie weit verbreitet ist die notwendige Hardware?
Brandt:
NFC-fähige Terminals sind schon sehr gut im Handel vertreten, laut einer Studie des EHI wollten 2016 bereits 60 Prozent der Händler bis Jahresende kontaktlos lesende Terminals im Einsatz haben. Wichtig wäre aber, und das ist auch ein zusätzliches Argument für das Verbrauchervertrauen, dass sich die Händler bei Umrüstung ihrer Terminals auch für die hochsichere PCI P2PE-Verschlüsselung entscheiden.

Handelt es sich bei dem geschilderten Szenario nicht streng genommen nur um einen anderen Formfaktor – Smartphone statt EC-Karte?
Brandt:
Solange die Girocard nicht in die präferierten Wallets integriert werden kann, ist es eher ein Ersatz der Kreditkarte durch das Smartphone. Den meisten aktuellen eWallets liegen Kreditkarten zugrunde. Das ließe sich durch eine direkte Einbindung des Bankkontos in das Wallet ändern, wie es z.B. in Dänemark bei „Mobile Pay by Danske Bank“ der Fall ist. Eine Aufgabe, der sich die deutschen Banken vielleicht im Zuge der kommenden Einführung von Instant Payments auf europäischer Ebene widmen.

Worin liegt der konkrete Mehrwert für Nutzer und Händler?
Brandt:
Nutzer haben einen Mehrwert durch den Komfort: sie brauchen keine Karten mehr mitzunehmen, wenn sie das Mobiltelefon ohnehin dabei haben. Das Smartphone bietet außerdem die einfache Integration biometrische Authentifizierungsmerkmale, weil es die dazu notwendigen Lesegeräte wie Fingerprint-Scanner, Face Recognition wie beim iPhone X oder Iriserkennung wie beim Samsung S8 schon mitbringt. Dies ist zugleich ein Vorteil für Händler, die mehr Sicherheit erwarten können. Dies gilt für stationäre Geschäfte übrigens genauso wie für die Validierung bei Card-Not-Present-Käufen im Online-Shop des Händlers. Je nach Ausstattung des eWallets haben Konsumenten nicht nur die Zahlfunktion, sondern auch eine Kontrollfunktion über die getätigten Ausgaben zur Hand. Händler hingegen können z.B. in einer eigenen App die Bezahlfunktion mit Services für den Ladenbesuch verknüpfen. Sonderangebote per Beacon-Übermittlung oder Loyalty-Programme in der Händler-App sind eine Möglichkeit – oder einfach die Chance, Warteschlangen an der Kasse durch das mobile Bezahlen des Einkaufs zu umgehen.

Die Bereitschaft, beim Online-Shoppen mobil über das Endgerät zu bezahlen, scheint wesentlich höher als im Ladengeschäft zu sein. Differenzieren die Kunden hier zwischen zwei Arten des Mobile Payments?
Brandt:
Beim Online-Shopping auf mobilen Geräten ist der Weg vom Kauf zur Zahlung naturgemäß näher, es scheint logisch, auch auf dem Gerät zu bezahlen, mit dem man seinen Warenkorb füllt. Beim stationären Kauf spielt das Smartphone eine geringere Rolle, eventuell noch für den Preisvergleich oder den Abruf von Tests, nicht jedoch für den Kauf selbst. Das könnte sich ändern, wenn Händler stärker auf Omnichannel-Angebote setzen, was unter anderem einen leistungsfähigen Payment Service Provider voraussetzt. An der Kasse des Ladengeschäfts stehen dann Zahloptionen zur Verfügung, die beim Online-Shop kaum möglich sind, nämlich die Barzahlung oder die immer noch beliebte Zahlung per Girocard. Dazu kommt die Unsicherheit über die Akzeptanz von NFC-Zahlungen im jeweiligen Geschäft. Zahlungsoptionen per QR-Code schließlich, die z.B. in China am POS völlig akzeptiert sind, gibt es in Deutschland im breiten Markt schlichtweg nicht.

Welchen Einfluss werden Instant-Payment- oder P2P-Payment-Anwendungen künftig auf die Branche haben?
Brandt:
Beide haben die Chance, die Aufgeschlossenheit für mobile Zahlungen deutlich zu verbessern. Instant Payments haben großes Potential, wenn die Vorgaben Schnittstellen erzwingen, die für Drittanbieter Leistungen gleich den Services der Banken ermöglichen. So könnten Fintechs wie auch Banken komfortable Zahlungsoptionen per Mobiltelefon anbieten, die sogar das Potential haben, den Marktanteil von Kreditkarten zu verringern. Händler würden davon profitieren, dass sie in beinahe Echtzeit den nicht rückbuchbaren Geldeingang auf ihrem Konto sehen.

P2P-Payments spielen eher eine Rolle bei der Gewöhnung an das mobile Bezahlen. In der Reinform sind es Geldübertragungen zwischen Privatpersonen; wenn auch das Bezahlen bei gewerblichen Akteuren möglich ist, werden mobile Payments den Markt noch schneller erobern. Der Geldaustausch via Smartphone hat sowohl in Kenia (M-Pesa) als auch in Schweden (Swish) in relativ kurzer Zeit die Zahlungsgewohnheiten drastisch verändert. In Schweden ist Bargeld mittlerweile beinahe verpönt, selbst für kleine Summen.

Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Brandt:
Neben der spannenden Frage, wie die Ausgestaltung von Instant Payments in Europa letztlich aussehen wird, blicken wir, angestoßen durch die Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2, insbesondere auch auf die Authentisierung von Zahlungen. Hier sehen wir ein stärkeres Aufkommen biometrischer Verfahren, da die Devices die notwendige Hardware bereits mitbringen. Es werden unserer Einschätzung nach generell eher die bestehenden Zahlungsangebote sein, die stärkere Akzeptanz durch Integration besserer Services gewinnen, weil das Vertrauen bei Finanztransaktionen eher in gefestigte Marken als in technologische Newcomer gesetzt werden wird. Der Ausbau von Apple Pay durch die Integration von P2P-Zahlungen oder Paypals Vorstöße in das mobile Bezahlen im Handel künden davon. Die deutschen Banken sind mit Paydirekt spät in den Markt eingetreten, aber wenn es ihnen gelingt, diesen Service zügig durch weitere Funktionen wie die Integration verschiedener Konten/Karten oder mobiles Bezahlen per NFC aufzuladen, könnten sie mit dem nötigen Durchhaltevermögen noch Punkte beim sicherheitsbewussten deutschen Verbraucher machen.

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