14.11.2017 Instant Messenger: Schutz der Endnutzer

Sichere Chats für das Business

Von: Ina Schlücker

Beim Instant Messaging kommt es auf den Schutz der Endnutzer an, fordert Matthias Mehner von der Whatsbroadcast GmbH.

Matthias Mehner, Whatsbroadcast GmbH

Matthias Mehner ist Vice President Strategy & Innovation bei der Whatsbroadcast GmbH in München.

Herr Mehner, welche Messenger-Dienste werden von deutschen Unternehmen derzeit bevorzugt benutzt?
Matthias Mehner:
Whatsapp ist ganz klar die Nummer eins. Rund 70 Prozent der deutschen Onliner nutzen Whatsapp und das in jeder Altersgruppe. Das ist natürlich auch für viele Unternehmen reizvoll. Der Facebook Messenger wird immer spannender, da er besonders für Unternehmen viele Möglichkeiten bietet. Allerdings ist seine Zielgruppe derzeit noch begrenzt, da er in Deutschland momentan nur von ca. 15 Prozent der Internet-Nutzer eingesetzt wird.

Welche Risiken gehen mit der Verwendung von Diensten wie Whatsapp, Snapchat oder Facebook Messenger einher?
Mehner:
Wie bei jeder kostenfreien Public-Cloud-Plattform muss man Änderungen in Leistung, Funktion und Business-Modellen der Plattform akzeptieren und hat darauf praktisch keinen Einfluss. Da die Plattformen aber global ausgerichtet sind und die Bedürfnisse vieler Unternehmen unterstützen müssen, kann man auch mit vernünftigen Angeboten rechnen.

In welchen Branchen oder für welche Einsatzzwecke kann die Nutzung solcher Messenger besonders heikel sein?
Mehner:
Messenger bieten heute noch keine Service Level Agreements. Wenn die Anforderungen von Unternehmen keine Leistungsschwankungen erlauben, ist die Nutzung zumindest heute noch zu früh.

Worauf sollten die Unternehmensverantwortlichen beim Einsatz von Messaging-Diensten besonders achten? Welche Sicherheits-Features sind zwingend notwendig?
Mehner:
Wesentlich ist ein sauberer Double-Opt-In, der sicherstellt, dass keine Endnutzer über den Kanal gespamt werden. Für die Verwendung dieses Kommunikationswegs muss auch ganz klar die Erlaubnis der Endnutzers eingeholt werden.

Welche Anforderungen stellen das IT-Sicherheitsgesetz oder die ab Mai 2018 gültige EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) an den Unternehmenseinsatz von Instant-Messaging-Diensten?
Mehner:
Instant Messaging muss den Richtlinien von Direkt Marketing folgen, nämlich dem Schutz der Endnutzer durch klare Opt-In-Regeln sowie dem Schutz der persönlichen Daten. Mit dem neuen Gesetz wird eine Auftragsdatenvereinbarung (ADV) zwischen Unternehmer und Dienstleister Pflicht. Letztlich wird der Instant Messenger ein ganz normaler Kanal, der wie Telefon, E-Mail oder Post seriös abgesichert sein muss.

Wie funktioniert die Einbindung sicherer, verschlüsselter Messenger-Dienste in die vorhandene Kommunikationslandschaft von Unternehmen bzw. insbesondere in vorhandene Unified-Communications-Lösungen?
Mehner:
Wie schon bei früheren Technologiewellen mit neuen Kommunikationskanälen gibt es auch im Messenger-Bereich spezialisierte Dienstleister, die sich täglich mit den Messenger-Plattformen beschäftigen, diese in einer logischen Schicht integrieren und entweder direkt Unternehmen anbieten oder über API nutzbar machen für vorhandene Lösungen. Im ersten Schritt werden Messenger-Dienste oft als neuer Kanal gesehen, den man analog zu bestehenden Kanälen wie Chat, E-Mail oder Social Media einbindet. Messenger haben aber ihr ganz spezifisches Potential, wie die Kombination aus Push-Diensten („Broadcasting“) wie bei E-Mails aber auch den Pull-Kanälen („1:1 Chat“) wie beim Live-Chat. Dazu kommen ganz neue Konzepte wie die Automatisierung durch Chatbots.

Welche Datenschutz-, Privatsphäre- und Sicherheitsfunktionen bieten Sie im Rahmen Ihrer eigenen Messenger-Lösungen an?
Mehner:
Wir befolgen alle relevanten Datenschutzgesetze, bieten kundenspezifische Anmelde-Widgets für einen sauberen Double Opt-In und speichern alle Daten ausschließlich in Deutschland mit End-to-End-Auftragsdatenverarbeitung vom Kunden bis zu nachgelagerten Dienstleistern.

Stichwort Collaboration: Welche Möglichkeiten bieten Ihre Messenger-Lösungen, um in Unternehmen die Teamarbeit bzw. generell die Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu verbessern?
Mehner:
Zunächst sind Messenger wirksame Kanäle, um als Unternehmen Information an Mitarbeiter zu verteilen und Feedback zurück zu bekommen. Über Chatbots lassen sich Informationsservices umsetzen, aber zunehmend auch Collaboration-Szenarien, in denen ein Chatbot z.B. der Moderator, Themenexperte, Protokollschreiber oder sonstiger Unterstützer in einem Teamumfeld sein kann.

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