27.11.2017 Deutschland im Industrial-IoT führend

So steil geht das Internet der Dinge

Von: Ina Schlücker

Der deutsche Markt für das Industrial Internet of Things, kurz Industrial-IoT, soll sich in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln und auf ca. 16,8 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2022 anwachsen. Damit tummelt sich Deutschland in der Weltspitze.

Wachstum im hiesigen Industrie-IoT-Markt

Der deutsche Markt für das Industrial Internet of Things soll in den nächsten Jahren deutlich anwachsen.

Glaubt man der jüngst gemeinsam vom Internet-Verband Eco und dem Beratungshaus Arthur D. Little vorgestellten Studie „Der deutsche Industrial-IoT-Markt 2017-2022“, zeichnet sich dieser durch enorme Wachstumsraten aus. Demnach wird sich der deutsche Industrial-IoT-Markt in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln und von heute 7,2 Mrd. Euro auf rund 16,8 Mrd. Euro Umsatz im Jahr 2022 anwachsen. Dies entspricht einem zukünftigen Wachstum von rund 19 Prozent pro Jahr.

Laut Studie wächst das heute bereits größte Marktsegment, die Automobilwirtschaft, dabei mit 20,2 Prozent am schnellsten. Ein starkes Wachstum mit 18,9 Prozent pro Jahr gibt es auch im Maschinen- und Anlagenbau. Beide Segmente machen gemeinsam über 50 Prozent des gesamten Industrial-IoT-Marktes in Deutschland aus, heißt es.

Insgesamt wurden im Rahmen der Erhebung sieben Marktsegmente untersucht, darunter Energie, Landwirtschaft, Logistik sowie die Chemie- und Nahrungsmittelindustrie. „Industrial-IoT ist wesentlich für den Erhalt und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auf den Weltmärkten“, betont Eco-Geschäftsführer Harald A. Summa.

300 Industrieroboter je 10.000 Beschäftigte

Im internationalen Vergleich ist der deutsche Markt für Industrial-IoT laut der Studie hoch entwickelt. Dabei soll Deutschland mit seiner breiten Industriestruktur und der hohen Roboterdichte zu den größten Industrie-4.0-Märkten der Welt zählen. Zum Vergleich: Während weltweit durchschnittlich 70 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte kommen, sind es in Deutschland 300 Industrieroboter auf dieselbe Mitarbeiterzahl. Tendenz steigend. Denn gemäß der Erhebung gelten vor allem die voranschreitende Digitalisierung von derzeit analogen Produktions- und Lieferprozessen als Wachstumstreiber für die nächsten Jahre. „Die Digitalisierung der Industrie und des Mittelstands ist in der Umbruchphase unbequem und in vielen Bereichen schmerzhaft. Industrial-IoT erfordert ein Neudenken der zentralen Wertschöpfungsprozesse oder gar des gesamten Geschäftsmodells. Langfristig sichern diese Maßnahmen aber die Position der deutschen Industrie im globalen Wettbewerb“, sagt Lars Riegel, Principal Arthur D. Little GmbH.

Künftig sollen Unternehmen mit Industrial-IoT-Lösungen beispielsweise ihre Flexibilität bis zur Auslieferung erhöhen und sich mit „as a Service“-Geschäftsmodellen fit für die Zukunft machen. Als Beispiele wurden im Rahmen der Vorstellung der Studie u.a. die „Speed Factory“ von Adidas im bayerischen Ansbach genannt, wo bereits 3D-Drucker für passgenaue Schuhmodelle sorgen. Als weiterer Vorreiter gilt Bosch Rexroth. Hier konnte die analoge Fertigung in den letzten Jahren mittels RFID-Chips digitalisiert werden. Dies wiederum ging mit verschiedenen Vorteilen – darunter die Reduktion der laufenden Kosten und des Lagerbestands – einher.

Neue IoT-Ökosysteme entstehen

Entscheidend für den Erfolg im Industrial-IoT ist die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, so lautet ein weiteres Resultat der Umfrage: Industrial-IoT-Lösungen setzen sich aus rund 30 Kompetenzen zusammen. „Kein Unternehmen ist in der Lage, die gesamte Wertschöpfungskette alleine abzudecken. Vielmehr handelt es sich bei Industrial-IoT um ein Ökosystem-Geschäftsmodell“, betont Harald Summa: „Industrieübergreifende Kooperationen sind daher eine Grundvoraussetzung, um für Kunden relevante Services anbieten zu können. Es bedarf einer neuen Orientierung der Unternehmen, die vor allem für Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette offen sein müssen.“ Grundvoraussetzung für diese Entwicklung sei der sichere Austausch der von den Teilnehmern der Ökosysteme geteilten Datenmengen. Daher bedarf es laut Summa umfänglicher Security-Konzepte, um auftretende Sicherheitslücken im Kommunikationssystem zu vermeiden sowie Fernzugriffe auf das Produktionssystem zu kontrollieren.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH