08.01.2018 Den Kunden auf den Fersen

Was bringen Beacons im stationären Handel?

Von: Ina Schlücker

Noch vor wenigen Jahren wurden Location-based Services, die Beacon-Technologien nutzen, ein Siegeszug prophezeit. Insbesondere im stationären Handel sah man prädestinierte Einsatzfelder. Doch zücken die Kunden beim Betreten der Geschäfte tatsächlich sofort ihre Smartphones, um per Beacons in den Genuss exklusiver Rabattaktionen zu kommen?

Indoor-Navigation: Beacons im lokalen Handel

Indoor-Navigation: Eine flächendeckende Verbreitung von Beacons sucht man in deutschen Supermärkten (noch) vergebens.

Glaubt man Experten und Markforschern, bleibt die Beacon-Technologie aktuell noch weit hinter den Erwartungen zurück. So sucht man etwa mit Blick auf den Handel eine flächendeckende Verbreitung von Beacons heutzutage vergebens. Vielmehr stößt man in den Fußgängerzonen und Einkaufs-Centern deutscher Städte nur vereinzelt auf erfolgreiche Projekte.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig. Zwar eignen sich Beacons derzeit besser als viele andere Technologien für die Indoor-Navigation, allerdings sind sie bestimmt nicht „perfekt“. „Denn sie funktionieren weder mit allen Smartphones noch in allen Nutzungssituationen“, skizziert Harald Winkelhofer, Geschäftsführer der IQ Mobile GmbH in Wien, ein Manko der Technologie. Zudem müssen die Kunden für den erfolgreichen Beacon-Einsatz beim Betreten der Filiale aktiv Bluetooth und sonstige Voraussetzungen am Smartphone eingeschaltet haben.

„Es braucht zum einen technisch viele Facetten, dass alles funkt. Zum anderen werden eine sehr gute und durchdachte Kommunikation und Aktivierung benötigt, damit die Nutzer in der Filiale auch Bluetooth einschalten.“

Haben die stationären Händler diese Einstiegshürde überwunden, können sie und nicht zuletzt auch die Kunden von verschiedenen Vorzügen profitieren. „Informationen in Echtzeit, aufbereitet für eine relevante Zielgruppe, basierend auf deren Standort: Diese Details prädestinieren Beacons eigentlich geradezu für den Einsatz in Innenräumen“, betont Stefan Brehm, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei der Gastrofix GmbH in Berlin.

Unter solchen positiven Vorzeichen könnten sich Beacon-Projekte durchaus lohnen. Dabei sollte laut Harald Winkelhofer jeder, der sich an ein solches Vorhaben heranwagt, einige Dinge beherzigen: „Es braucht zum einen technisch viele Facetten, dass alles funkt. Zum anderen werden eine sehr gute und durchdachte Kommunikation und Aktivierung benötigt, damit die Nutzer in der Filiale auch Bluetooth einschalten.“

Die Anonymität wahren

Ebenfalls wichtig ist die Sicherheit der Installationen. Hinsichtlich des Datenschutzes müssen Beacon-Technologien der ab Mai 2018 verbindlich geltenden EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entsprechen. In diesem Zusammenhang betont Harald Winkelhofer, dass es Beacon-Services gibt, die komplett anonym arbeiten und ohne die Erhebung personenbezogener Daten auskommen. „Solche Services werden somit auch mit Vorgaben wie der DSGVO keine Probleme bekommen“, ergänzt Winkelhofer.

Nicht nur im Handel, sondern auch in anderen Branchen lassen sich weitere Anwendungsfelder für den Einsatz von Beacons im Rahmen der Indoor-Navigation finden. So betont etwa Stefan Brehm, dass die Gastronomie in Deutschland die Bluetooth-Technologie zwar noch in sehr geringem Umfang einsetze, man in der Schweiz hingegen schon etwas weiter sei. „Hier ist der Anbieter Menu zum Beispiel ein vielversprechender Kandidat, um Beacons bei den Eidgenossen endgültig zu etablieren“, so Brehm.

Ultraschall im Einzelhandel

Über den Einsatz von Beacons hinaus gibt es alternative Technologien für die Indoor-Navigation. So erklärt Stefan Brehm, dass insbesondere der Einstieg von Google mit „Indoor Maps“ das Thema neu befeuert hätte. „Hierbei positioniert das System den Nutzer via WLAN-Trilateration im Gebäude“, berichtet Brehm. Eine weitere Möglichkeit sei überdies die Navigation über Ultraschall. „Neben der reinen Positionierung von Personen im Gebäude kommt es aber auch darauf an, welche Inhalte sie gezeigt bekommen. Hier entstehen mit Virtual und Augmented Reality gerade ganz neue Möglichkeiten“, so Brehm abschließend.

Apropos Ultraschall. Welche Wege Kunden durch einen Shop wählen, wo sie innehalten oder welche Angebote sie gar nicht wahrnehmen, sind im E-Commerce keine Geheimnisse. Im stationären Handel hingegen konnten solche Infos bisher nur durch Beobachtungen oder Befragungen gesammelt werden. Eine neue Methode soll dem stationären Handel nun helfen, das Kundenverhalten besser nachverfolgen zu können: Das Rostocker Start-up DEJ Technology GmbH will mit der Ul-traschalltechnik Koopango auch stationären Geschäften die Analysemöglichkeiten des E-Commerce an die Hand geben – und dies mit geringem logistischen Installationsaufwand. Die Lösung gestalte sich für Händler einfach, denn: In jedem Geschäft sind bereits mehrere Lautsprecher vorhanden. Anstatt auf kostenintensive, ungenaue Kamera- oder Beacon-Technik zu setzen, macht sich das Start-up Ultraschall zunutze, um eine neue Indoor-Positionierungstechnologie zu bieten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dabei wird nach der Installation der schuhkartongroßen Koopango-Box über die vorhandenen Lautsprecher ein nicht-hörbares Ultraschallsignal gesendet. Das Smartphone-Mikrofon des Kunden kann dies, z.B. über die geöffnete App des Händlers, empfangen, wodurch eine Positionsbestimmung auf 50 Zentimeter genau möglich werden soll. Händler wissen damit nicht nur, wo sich Kunden aufhalten, sondern auch, wie lange sie sich beispielsweise bestimmte Regale anschauen, ob Sonderaktionen ihre Aufmerksamkeit gewinnen und welche Wege im Geschäft die beliebtesten sind. Diese Informationen sind laut dem Start-up bei der Store-Planung und -Gestaltung sowie auch für gezielte Marketingaktionen wertvoll.

Besondere Anliegen sind den Gründern dabei Datenschutz und Transparenz für Einkäufer. So sollen alle Partnerhändler ihre Kunden offen und direkt über die Nutzung von Ultraschall informieren und die Vorzüge erläutern. Über die eigens entwickelte App „Ultrasound Detector“ können Endkunden zudem überprüfen, ob ihr Smartphone gerade Ultraschall empfängt und welche Apps auf das Mikrofon zugreifen. Auf diese Weise sollen die Einkäufer bei Interesse selbst entscheiden, ob sie die Möglichkeiten der Indoor-Positionsbestimmung nutzen möchten oder nicht.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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