Optimistische Prognosen trotz enttäuschender Gewinne

Cloud verhagelt IBM- und SAP-Bilanz

Nach enttäuschenden Zahlen von IBM gestern abend legte auch SAP heute morgen eine Bilanz für das erste Quartal vor, bei der Umsatz und Gewinn unter den Erwartungen der Analysten blieben. Beiden Herstellern macht die Cloud zu schaffen, die Umsatz kostet und gleichzeitig kräftige Investitionen erfordert. Die Geschäftsmodelle beider Hersteller sind für die neue Ära des Cloud Computing noch längst nicht perfekt ausgelegt. Beide bekräftigten allerdings unisono ihre optimistischen Prognosen für das Gesamtjahr.

Bei SAP wuchs der Umsatz im 1. Quartal immerhin, um 2,7 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro. Damit bleib er allerdings ebenso unter der Analystenerwartung wie der Gewinn. Das bereinigte operative Ergebnis wuchs um zwei Prozent auf 919 Mio. Euro und verfehlte damit die Konsensschätzung von 975 Mio. Euro deutlich. Die wichtige Region EMEA entwickelte sich dabei für SAP trotz Krim-Krise solide.

Traditionelles SAP-Kerngeschäft solide

Ein Grund für die enttäuschende Umsatz- und Gewinnentwicklung: SAP stellt das Geschäft auf die Cloud um. „Das schnell wachsende Cloud-Geschäft und die solide Entwicklung im traditionellen Kerngeschäft, waren entscheidend für das Umsatzwachstum im ersten Quartal 2014“, heißt es aus Walldorf. Die auf das Jahr hochgerechneten Erlöse im Cloud-Bereich erreichen nun 1,1 Mrd. Euro; die Zahl der Abonnenten für das Cloud-Anwendungs-Portfolio liege nun bei über 36 Millionen. Das sei heute die höchste Zahl unter allen Anbietern in der Branche.

Dazu zählt SAP die E-Commerce-Plattform Hybris, „E-Procurement“ mit Ariba und natürlich die Zukunftshoffnung Hana. Für Hana seien seit der Markteinführung im Juni 2011 mehr als 3.200 Kunden gewonnen worden, davon bereits annähernd 1.000 für die Business Suite powered by Hana, die erst vor einem Jahr eingeführt wurde. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2015 soll das Cloud-Geschäft der SAP auf zwei Milliarden Euro ansteigen, 2017 sollen es dann schon drei bis dreieinhalb Milliarden Euro sein. Bislang macht aber das alte Geschäft mit fest installierter Software noch den größten Umsatzanteil aus.

IBM: Kummer mit der Hardware-Sparte

Anders als bei SAP entwickelt sich bei IBM das traditionelle Kerngeschäft alles andere als solide. Für das 1. Quartal meldete IBM einen Umsatz von 22,48 Mrd. Dollar (-4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum); der Gewinn brach um 21 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar ein. Das ist damit das achte Quartal in Folge mit schrumpfenden IBM-Umsätzen.

Kummer bereitete nicht nur wie schon gewohnt die Hardwaresparte, sondern auch das als Zukunft gehandelte Dienstleistungsgeschäft, mittlerweile der größte IBM-Bereich. Hier macht der IBM der Rückgang bei großen Outsourcing- und Projektgeschäften zu schaffen.

IBM Deutschland wächst wieder

Deutschland wurde erstmals seit langer Zeit in einer IBM-Bilanz wieder lobend erwähnt, erwies es sich doch dank der Rückkehr auf den Wachstumspfad (neben Italien) als Motor für die IBM-Geschäfte in der Region EMEA (Europa, dem Mittleren Osten und Afrika), die sogar insgesamt um vier Prozent auf 7,6 Mrd. Dollar zulegten. Das ist damit weltweit eine rühmliche Ausnahme, schrumpften doch die IBM-Umsätze sowohl in Amerika (um vier Prozent auf 9,6 Mrd. Dollar) als auch in der Region Asien-Pazifik (sogar um 12 Prozent auf 5,0 Mrd. Dollar).

Große Probleme gibt es weiterhin im Hardware-Geschäft der Systems & Technologie Group (STG), deren Erlöse erneut einbrachen – um 23 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar. Das Servergeschäft schrumpfte sogar um 24 Prozent, insbesondere bei Mainframes (um 40 Prozent). Das Power-Geschäft schrumpfte um 22 Prozent, während die Speichererlöse um 23 Prozent zurückgingen.

Bei der Hardware hatte IBM mit vielen Problemen gleichzeitig zu kämpfen: Mit den Produktzyklen bei Power-Systemen und Mainframes, wo jeweils ein „Refresh“ – in diesem Frühjahr (mit Power8) bzw. 2015 – die Kunden derzeit abwarten lässt, mit der generellen Verunsicherung nach der Bekanntgabe des Verkaufs der Intelserver-Sparte an Lenovo sowie mit der typischen Nachfrageschwäche im 1. Quartal.

Probleme bei der Hardware-Marge

Die STG-Marge schmolz um weitere 5,3 Prozentpunkte auf 27 Prozent, auch weil die Marge im Power- und Speichergeschäft stark unter Druck ist. Allerdings sind in den 300 Mio. Dollar Verlust der STG bereits die Kosten für weitere Entlassungen eingerechnet, die mit 200 Mio. Dollar zu Buche schlugen. Insgesamt hat IBM für das „Workforce Rebalancing“ etwa 870 Mio. Dollar geltend gemacht, das ziemlich gleichmäßig alle Unternehmensbereiche betrifft; diese Aufwendungen sollen sich schon in diesem Jahr bezahlt machen.

IBM hat neben den Entlassungen auch andere Maßnahmen ergriffen, um die Profitabilität des Hardware-Geschäftes noch in diesem Jahr zu stabilisieren; das ist der Fokus 2014. Der Geschäftsbereich mit den margenschwachen x86-Servern wird für 2,3 Mrd. Dollar an den chinesischen Computerhersteller Lenovo verkauft – und auch über die Chipfabriken wird offenbar mit Firmen wie Globalfoundries ernsthaft verhandelt. Die Power-Plattform soll repositioniert werden, wobei die für Ende April erwartete Ankündigung der neuen Power8-Generation ebenso helfen soll wie das Ökosystem rund um die im vergangenen August lancierte Open-Power-Initiative. „This, together with the divestiture of System x, will result in a smaller and more profitable hardware business going forward”, sagte Finanzchef Martin Schroeter vor Analysten.

Rightsizing des Business

Schroeter sprach von „signifikanten Aktionen“ beim Übergang zu hochwertigeren Angeboten und beim „Rightsizing des Business“. Dazu zählte er die Veräußerung von Geschäftsfeldern, die nicht länger in das „strategische Profil“ passen, genauso wie Investitionen in „strategische Verschiebungen“ wie Big Data, Analytics oder Cloud Computing. Namentlich nannte er die Akquisitionen Aspera, Cloudant und Softlayer sowie die IBM-Initiativen Blue Mix und Watson.

„In the first quarter, we continued to reposition offerings in other parts of our hardware business to make them more relevant, and we took actions to align our structure to the demand profile we see“, erklärte Schroeter. Ob zu den Maßnahmen auch die Vermietung von IBM-Immobilien gehört, wurde nicht gesagt; beispielsweise hat der Service-Provider Charter Communications mit 140 Mitarbeitern drei IBM-Immobilien auf dem Rochester-Campus bezogen, die nach den jüngsten Entlassungswellen frei geworden sind. Ob diese Einnahmen allerdings der STG zugerechnet werden, darf bezweifelt werden.

Für das Gesamtjahr 2014 bekräftigte IBM nochmals das Ziel, am Jahresende mindestens einen bereinigter Nettogewinn (Non-GAAP) von 18,0 Dollar je Aktie ausweisen zu können. Nächstes Jahr sollen es dann sogar die ominösen 20 Dollar je Aktie werden. „In fact, over the last few years, including the recently announced sale of our industry standard server business, we’ve divested over $6 billion of revenue“, zog Schroeter eine Zwischenbilanz. „The result is a stronger, more relevant business.“ Ob das auch langfristig – „secular“ – richtig ist, wird die Zukunft weisen.

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Bildquelle: IBM / Andreas Hermsdorf / Pixelio.de

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