DSAG-Kritik an der SAP-Wartungspolitik

„Customer First!“

Mitte Februar hat die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) ihre alljährlichen Technologietage abgehalten. Diesmal in Stuttgart – und wie schon im Vorjahr wieder ausverkauft (mit 1.950 Besuchern). Viel drehte sich um neue SAP-Technologien wie etwa In-Memory-, Cloud- oder Mobile-Lösungen. Das Thema SAP on IBM i stand ebenfalls auf der Agenda.

  • Andreas Giraud, Vorstand Technologie bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG)

  • Bernd Leukert, Member of the Global Managing Board of SAP AG, Head of Application Innovation

„SAP muss Unternehmen dabei helfen, Innovationen hinsichtlich ihrer Relevanz und der möglichen Implikationen einzuordnen und nicht die Innovation um der Innovation willen pushen“, mahnte DSAG-Technologievorstand Andreas Giraud an. Und: Unternehmen müssten in der Lage sein, diese Innovationen dann in dem sie geeigneten Tempo zu realisieren. Erst wenn die Rahmenbedingungen in den Unternehmen geschaffen seien und ein entsprechender „Business Case“ vorliege, könnten SAP-Innovationen auch in der Praxis eingesetzt (und bezahlt) werden.

Wohl auch deshalb wählte die Anwendervereinigung auch Veranstaltungsmotto „Level Completed: Aufbruch zu neuen Technologiewelten“. Bekanntlich gibt die SAP ja seit geraumer Zeit einen hohen Takt bei Innovationen vor. Laut DSAG „können Kunden mit dieser Geschwindigkeit nicht uneingeschränkt mithalten“, bestehe doch aktuell „eine Unschärfe zwischen dem Innovations-Level und dem Reifegrad in den Unternehmen“. Die Bedeutung der Innovationen werde von SAP jedoch anders eingeschätzt als von den SAP-Kunden, wird herausgestrichen. Daher auch Girauds Aufruf.

Informationszentrierte Architekturen

Neben den Innovationsthemen gewinnen altbekannte Themen wie Verlässlichkeit und Qualität der Daten wieder an Bedeutung. „Wenn Endanwender und Kunden mit ihren mobilen Geräten schnell und fehlerfrei bedient werden wollen, müssen Daten hochwertiger und zentraler verfügbar gemacht werden“, legte Andreas Giraud den Finger in eine Wunde bei vielen Mitgliedsunternehmen. „Daher raten wir zu informations-zentrierten IT-Architekturen.“

Die DSAG will ihre Mitglieder gemeinsam mit SAP bei diesem Umgestaltungsprozess begleiten und bietet hierzu diverse Arbeitsgremien (u. a. den neu gegründeten Arbeitskreis „Enterprise Architecture“) an, um Fragen rund um den Übergang in die neue Architektur-Welt zu beantworten. „Wir rufen SAP dazu auf, ihre Produkte konsequent auf die Bedürfnisse der Kunden auszurichten und konkrete, greifbare Anwendungsszenarien aufzuzeigen“, forderte Giraud aber auch. „Das Motto lautet auch im Technologieumfeld: Customer first!“ SAP müsse begreifen, was ihre Innovationen für die Kunden bedeuten, beispielsweise mit Blick auf das wachsende Datenvolumen.

Budgets steigen weniger stark

Bereits im Vorfeld der Technologietage hatte die DSAG die Ergebnisse ihrer alljährlichen Investitionsumfrage veröffentlicht. Demnach steigen sowohl die SAP-Budgets als auch die Gesamt-IT-Budgets weniger stark als noch 2013. Das Wachstum bei den SAP-Budgets habe sich im Vergleich zu 2013 fast halbiert (6 Prozent statt 11,2 Prozent). Bei den Gesamt-IT-Budgets ist das Bild ähnlich: Hier stehen 2,1 Prozent gegenüber den 5,9 Prozent Wachstum des Vorjahres. Immerhin werden die Budgets zur Zeit nicht gekürzt.

66 Prozent der SAP-Kunden investieren demnach im ERP-Umfeld, 41 Prozent in die Analytics-Lösungen der SAP. Auf diese beiden Großbaustellen folgen mit 34 Prozent auf Platz drei die Investitionen in mobile Anwendungen. Mitgemacht haben laut DSAG insgesamt 413 CIOs oder Leiter des SAP Customer Competence Centers ( CCC) aus dem deutschsprachigen Raum, die meisten aus Unternehmen zwischen 1.000 und 4.999 Mitarbeitern.

Konfliktpotential bei der Modernisierung der SAP-Software

Bei den Top-Themen für die herstellerunabhängigen IT-Planungen stehen gemäß der Erhebung „Harmonisierung und Konsolidierung von IT-Landschaften“ und „Mobilisierung von Geschäftsprozessen“ ganz oben auf der Agenda, beide mit 75 Prozent. Hier kommt dann auch die Plattform IBM i ins Spiel, die bei der Konsolidierung ihre Stärken ausspielen kann.

Die Modernisierung der User-Interfaces hält Giraud mit Blick auf mobile SAP-User für „dringend nötig“; sie müssten „touch-fähig“ und „responsive“ werden, sich also automatisch an Bildschirmgrößen und Geräte anpassen. Allerdings dürfe die technische Modernisierung der SAP-User-Interfaces nichts kosten, sondern sollte im Rahmen des Wartungsvertrages erfolgen. Das Thema Wartung ist ein Klassiker auf der DSAG-Agenda und hat immer wieder zu - teilweise offenen - Konflikten mit dem Hersteller geführt, wie seinerzeit beim "Enterprise Support" unter dem legendären SAP-CEO Leo Apotheker.

Die SAP dagegen macht ihre neuen Fiori-Apps aber lizenzpflichtig und verlangt Geld dafür, was für Giraud nicht akzeptabel ist. Laut Wartungsvertrag sei die Anpassung an aktuelle Technologien im Preis enthalten – und nichts anderes sei Fiori. Immerhin geben die Kunden der SAP ja auch kostenlos Feedback zu ihren Entwicklungen. Im SAP-Store wird die App derzeit mit 150 Dollar pro User angeboten.

„Power8 als Motor für SAP auf IBM i“

Mit über 2.800 Mitgliedsunternehmen und fast 49.000 Mitgliedspersonen hat sich die DSAG nach eigenen Angaben zu einer der größten SAP-Anwendergruppen weltweit entwickelt. Mit den fast 2.000 Teilnehmern konnten die jetzt abgehaltenen Technologietage in Stuttgart eine neue Rekordmarke verbuchen. Diese Technologietage sind so konzipiert, dass der erste Tag von Keynotes und allgemeinen Themen geprägt ist und am zweiten Tag dann spezifische Sessions der Arbeitskreise/Gruppen bzw. Präsentationen ins technische Detail gehen.

DSAG-Vorstand Giraud adressierte in seiner Keynote das Tagungsmotto „Level completed: Aufbruch zu neuen  Technologiewelten“. SAP-seitig ging Bernd Leukert, Member of the Global Managing Board of SAP AG und Head of Application Innovation, auf das Thema „Mehr Daten, mehr Geräte – mehr Chancen“ ein. Übrigens tritt der gebürtige Oberschwabe Leukert auffälliger- und interessanter Weise immer öfter als Vertreter der obersten SAP-Unternehmensführungsetage bei wichtigen Events in Erscheinung.

Am zweiten Tag als etablierter Arbeitskreis (von insgesamt 22) auf der Agenda dabei: SAP on IBM i. In dieser Session ging es thematisch unter anderem um diese Themen: Neuerung DBA Cockpit für IBM i, Power8 als Motor für SAP auf IBM i, IBM i on Pure Systems mit Informationen aus dem Praxisalltag des Anwenders Multivac (einem Kunden des SAP-Partners All for One Steeb) oder „Live Partition Mobility auf IBM I“, präsentiert von einem Vertreter des SAP-Anwenders Ebm-Papst.

www.dsag.de

www.sap.de

Bildquelle: DSAG / DV-Dialog

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