Nach dem Whats App/Facebook-Deal

Datenschützer empfehlen: Wechseln!

Gestern Nacht wurde die Öffentlichkeit von der Nachricht überrascht, dass das global größte soziale Netzwerk Facebook mit ca. 1,2 Mrd. Nutzenden für einen Kaufpreis von 19 Mrd. US-Dollar den global wohl am verbreitetsten Instant-Messenger-Dienst Whats App mit etwa 450 Mio. Nutzenden erworben hat.

Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD): „Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen!“.

Für IT-Leiter scheint dieser Deal nur auf den zweiten Blick relevant, sind doch weder Facebook und noch weniger Whats App „unternehmenskritische“ Applikationen. Doch man darf sich nichts vormachen: Viele Mitarbeiter werden Facebook und Whats App nutzen – und damit halten beide automatisch Einzug in die Unternehmen. Das gilt vor allem für die Chat-App als schlankes Werkzeug, das auch die Team- und Projektarbeit vereinfachen kann, wie unsere Kollegen von Mobile Business in ihrer Bewertung dieses Schachzugs klarstellten.

Schon vor dem Deal empfahlen wir für den Unternehmenseinsatz aber dringend verlässlichere Alternativen zu Whats App. Diese Empfehlung ist nach der Fusion nur um so dicker zu unterstreichen, werden doch nicht nur die US-Firmen verschmolzen, sondern potenziell die dort vorhandenen personenbezogenen Datenbestände. Dies ist insofern von höchster Datenschutzrelevanz, weil viele Menschen bei der Individualkommunikation von Facebook, um diesem Datenmoloch zu entgehen, zu Whats App gewechselt sind.

Höchste Datenschutzrelevanz

Die Kommunikationsmetadaten wie auch die -inhalte beider Dienste stehen dem Betreiber lesbar zur Verfügung, warnt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Sie können nun zusammengeführt, zur Profilbildung ausgewertet und für Werbezwecke kommerziell ausgebeutet werden.

Dem stehen in den USA - anders als in Europa - weder ein valides Telekommunikationsgeheimnis noch Datenschutzgesetze entgegen. Beide Dienste wollen sich auch nicht an europäische bzw. deutsche Datenschutzvorgaben halten. Selbst der Zugriff der NSA auf die Kommunikationsdaten wird durch den Kauf erleichtert. „Dabei war Whats App schon in der Vergangenheit durch massive Sicherheitsprobleme aufgefallen, deren Behebung nur sehr zögerlich und intransparent erfolgte“, kritisiert Weichert in einer Presseinformation.

„Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen“, empfiehlt Weichert den Abschied von Whats App. Denn solche vertrauenswürdigen Dienste können nur Unternehmen bieten, „die einem wirksamen Datenschutzregime unterliegen und die transparente technische Sicherungen vorsehen, etwa eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“. Er hat als Beispiele die Schweizer Anbieter Threema und My Enigma parat; unsere Kollegen von Mobile Business führen auch noch die verschlüsselte Skype-Alternative Brosix an.

www.datenschutzzentrum.de

http://newsroom.fb.com

http://www.whatsapp.com/?l=de

Bildquelle: ULD

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