Freier Handel mit ausgelagerten Speicher- und Rechenkapazitäten

Deutsche Börse Cloud Exchange AG

Auch wenn die Umsetzung schwierig sein dürfte - die Idee ist so bestechend wie einfach und soll den Einsatz von Cloud Computing in Unternehmen fördern: Die Deutsche Börse AG kündigte gestern die weltweit erste unabhängige Handels-plattform für sogenannte IaaS-Ressourcen (Infrastructure-as-a-Service) an. Schon im 1. Quartal 2014 sollen im ersten Schritt Speicherkapazität und Rechenleistung gehandelt werden; ein „Derivatehandel“, bei dem zwischen Vertragsabschluss und Nutzungsbeginn ein definierter Zeitraum liegt, ist für 2015 angedacht.

Ob man mit Cloud-Ressourcen heute schon so einfach handeln kann wie mit Aktien, Energie oder Rohstoffen? Die Deutsche Börse glaubt das und will künftig für die vielzitierte IT aus der Steckdose sorgen – durch den Handel mit ausgelagerten Speicher- und Rechenkapazitäten, sogenannten „Cloud Computing“-Ressourcen. Die Deutsche Börse will künftig den Handel mit ausgelagerten Speicher- und Rechenkapazitäten, sogenannten „Cloud Computing“-Ressourcen, betreiben. Das im Mai mit der Berliner Zimory GmbH gegründete Joint Venture Deutsche Börse Cloud Exchange AG soll dafür Anfang 2014 „den ersten neutralen, sicheren und transparenten Handelsplatz in Betrieb nehmen“. Die DBCE wird nach dem Aufbau des Marktplatzes alle börsentypischen Aktivitäten durchführen, von der Bereitstellung des Handelssystems über das Settlement bis zum Management der Zahlungsströme.

Ziel ist es, den Vertragsabschluss mit Cloud-Providern zu beschleunigen, der heute noch individuell ausgehandelt werden muss – durch standardisierte Produkte und Verfahren für den Zutritt, den Handel, Vertragsabschluss und die nötigen Kontrollen. Dafür kassiert die DBCE eine Gebühr.

Management heterogener Cloud-Ressourcen

Zimory, ein Hersteller von Cloud-Managementsoftware, soll sicherstellen, dass alle Nutzer des Marktplatzes problemlos auf die verschiedenen, gekauften Cloud-Kapazitäten zugreifen können. Als Nutzer kommen neben Häusern der IT-Branche vor allem Unternehmen und Behörden in Betracht, aber auch Organisationen wie Forschungseinrichtungen, die zusätzlichen Speicher- und Rechenbedarf decken müssen oder aber Überkapazitäten haben und diese anbieten wollen. „Die Deutsche Börse mit ihrer großen Expertise im Betreiben von Märkten macht erstmalig möglich, dass IT-Kapazitäten wie Wertpapiere, Energie und Rohstoffe standardisiert und vollelektronisch gehandelt werden können“, sagte Michael Osterloh, Mitglied der Geschäftsführung der Deutsche Börse Cloud Exchange.

Bisherige Cloud-Börsen, wie etwa von Amazon oder Virtustream, sind noch strikt an bestimmte Anbieter gebunden. Als erster internationaler, anbieterneutraler Marktplatz dieser Art soll die DBCE hinsichtlich des Produktangebots, des Zulassungsverfahrens, des Anbieterwechsels sowie für Garantie und Gewährleistung der gekauften Kapazitäten Standards festlegen und überwachen. Kunden können den Anbieter der Kapazitäten und die Vertragslaufzeit frei wählen. Ebenso können sie wählen, welcher Rechtsraum für die ausgelagerten Daten gelten soll. Das Produktangebot soll zum Start Speicherplatzkapazitäten und Rechenleistungen umfassen.

Spezifikation der Produktstandards noch in Arbeit

Die Spezifikation der Produktstandards und deren technische Bereitstellung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Teilnehmern des Marktplatzes und dessen Umfelds. Hierzu gehören sowohl Vertreter aus der IT-Branche als auch mittelständische Unternehmen und Großkonzerne aus den unterschiedlichsten Industrien, z.B. Cloud Sigma, Devoteam, Equinix, Host Europe, Leibniz-Rechenzentrum, Profi AG, T-Systems und TÜV-Rheinland.

Bisher funktioniert der Cloud-Markt noch nicht effizient. „Verträge zwischen Cloud-Providern und Anwendern werden jeweils bilateral geschlossen“, kritisieren beispielsweise die Analysten der Experton Group. „Die Migration von Anwendungen von einer Cloud-Plattform zur anderen ist aufwendig und risikobehaftet“. Der Mangel an Standardisierung könne zu einem „Vendor Lockin“ führen – und aufgrund unterschiedlicher Definitionen die Preise für Cloud-Service verschiedener Provider nur bedingt vergleichen. „Von einem transparenten und effizienten Markt kann also noch keine Rede sein. Derzeit machen die Transaktionskosten bei der Evaluierung, Beschaffung und Integration einen Großteil der möglichen monetären Vorteile im Vorfeld zunichte“. Die Experton Group schätzt diesen „Verlust“ auf bis zu 20 Prozent der Cloud-Gesamtkosten.

Das soll die DBCE nächstes Jahr ändern. „Der Cloud-Marktplatz der Deutschen Börse bietet Unternehmen eine weitere Möglichkeit, hochsichere und erprobte Cloud-Services von T-Systems zu beziehen. Aufgrund des hohen Standardisierungsgrads geht das über die Börse sehr schnell, effizient und zu tagesaktuellen Preisen", sagte etwa Frank Strecker, verantwortlich für das Cloud-Geschäft von T-Systems, gestern auf der Pressekonferenz.

„Als mittelständisches Systemhaus sieht die Profi AG ihre aktive Mitarbeit am Aufbau eines solch innovativen Marktplatzes als strategisches Investment in den Aufbau neuer Marktzugänge und Geschäftsmodelle rund um das Thema Cloud-Computing“, erklärte Manfred Lackner, Vorstand der Profi Engineering Systems AG. Damit baue man die Kernkompetenz im Bereich Cloud-Infrastruktur und die strategische Ausrichtung als Cloud-Integrator weiter aus.

Weltweiter Handel von Cloud-Services geplant

Damit der weltweite Handel von Cloud-Services tatsächlich so sicher und schnell verlaufen kann wie der von Aktien oder natürlichen Rohstoffen, müssen sich die Anbieter der DBCE einem gründlichen Zulassungsverfahren unterziehen. Das wird von TÜV Rheinland konzipiert, der das Projekt als unabhängiger Partner begleitet. „Dieses Angebot wird das Cloud Computing insbesondere im Mittelstand sehr beflügeln. Wir freuen uns, dass die Deutsche Börse auch hier großen Wert darauf legt, nicht nur eine hochprofessionelle, sondern auch sichere Plattform zu betreiben“, erklärte gestern Ulrich Fietz, Finanzvorstand bei TÜV Rheinland.

Dieses Zulassungsverfahren dürfte entscheidend sein, denn Mittelständler begegnen der Cloud noch mit großer Skepsis, z.B. in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit. „Das Vertrauen wird einer unserer wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Akzeptanz des Marktplatzes sein“, erklärt denn auch Osterloh. „Vertrauen und Akzeptanz können wir nur über testierte Qualität und Sicherheit schaffen.“ Käufer von IaaS-Ressourcen könnten ein hohes Maß an Sicherheit und Standardisierung voraussetzen. Das sorge für Transparenz und ermögliche Teilnehmern, Ressourcen bedarfsgerecht einzukaufen.

www.dbcloudexchange.com

www.deutsche-boerse.de

www.zimory.com

www.t-systems.de

www.profi-ag.de

Sie können sich die Aufzeichnung der Pressekonferenz zum Start des neuen Unternehmens hier anschauen.

 

Bildquelle: Thorben Wengert/Pixelio.de

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