Ulmer Systemhaus setzt auf Digitalisierungsstrategie

Dickes Umsatzplus für Fritz & Macziol

Das Ulmer Systemhaus Fritz & Macziol, im Oktober 2014 von der mittlerweile insolventen Imtech-Gruppe an den französischen Bau- und Mischkonzern Vinci Energies verkauft, hat das Jahr 2015 mit einem Umsatzplus von 20 Prozent auf 342 Mio. Euro abgeschlossen. Zugleich sei eine organisatorische Neuausrichtung umgesetzt worden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Digitalisierungsmaßnahmen wurden in einer neuen Stabsstelle unter Leitung von Dr. Bernhard Kirchmair gebündelt.

  • Oliver Schallhorn (links) und Stephan Pawlowski, die beiden Geschäftsführer der Fritz & Macziol GmbH

  • Dr. Bernhard Kirchmair bringt internationale Konzern- und Start-up-Erfahrungen ein

Die Belegschaft der Vinci-Tochter F&M unter der Dachmarke Axians wuchs nach Firmenangaben um fünf Prozent auf fast 800 Beschäftigte an 14 Standorten in Deutschland. Auf der Basis eines sehr starken RZ-Geschäftes konnten hohe Zuwachsraten vor allem in den Bereichen Analytics & Data sowie IT Management & Betrieb erzielt werden. Weitere Wachstumstreiber kamen aus den Bereichen IT-Sicherheit sowie SAP Hana.

Traditionelles IT-Geschäft weiter wichtig

Die eigene digitale Transformation sei vorangetrieben sowie das herstellerunabhängige IT-Angebot an den Wachstumsthemen ausgerichtet worden, heißt es. Zu den Top-Partnern zählen demnach Cisco, EMC, HP, IBM, Microsoft sowie SAP. Die größte Nachfrage gebe es bei Cloud-Themen; auch das traditionelle IT-Geschäft sei weiterhin von Bedeutung, da es oft als Basis für neue Entwicklungen dient. Ergänzt werde das Portfolio durch die Spezialkompetenzen der Schwesterfirmen Actemium, Crocodial und Omexom innerhalb des Konzerns, allen voran in den Bereichen Industrie 4.0 und „Internet of Things“.

„2015 haben wir unsere operativen Ziele erreichen können und, obwohl sehr viel umgestellt wurde, ein signifikantes Wachstum realisiert“, beobachtet Geschäftsführer Oliver Schallhorn einen „deutlichen Gewinn an Attraktivität und Durchschlagskraft“ nach der Übernahme durch Vinci. Das Umsatzwachstum sei nicht die entscheidende Kennzahl. Wichtiger sei die Profitabilität. „Wir sind mit unserem lösungsorientierten Geschäftsmodell, das die traditionelle IT mit den Werttreibern der Digitalisierung verbindet, auch strategisch auf der Überholspur und deshalb weiterhin auf Wachstumskurs.“

„Cross-Consulting Teams“

Die Ulmer hatten sich 2014 nach Wachstumsfeldern ausgerichtet und die Kompetenzen in zehn Bereichen gebündelt: Analytics & Data, Cloud Computing, Rechenzentrum & Converged Infrastructure, Managed Services & IT-Managementberatung, SAP, Software-Asset-Management, Collaboration & Social Business, App-Development sowie die Querschnittsthemen Netzwerk-Infrastruktur und Sicherheit. Die anbieterneutrale Beratung in Form eines „Cross-Consulting Teams“ soll noch im Laufe des Jahres durch Architekten mit einem breiten Wissensspektrum verbessert werden, speziell auch beim Cloud Computing.

Denn viele Unternehmen fragen sich nach Einschätzung der Ulmer, wie sich welches Cloud-Modell am besten kalkulieren und implementieren lässt. Mit dem Cloud-Service-Broker bieten sie daher eine Plattform für Vergleich, Einkauf, Konfiguration und Nutzung der Services unterschiedlicher IaaS-Anbieter wie Amazon, Microsoft (Azure) und IBM (Softlayer). Auch SaaS-Dienste wie Office 365, Sharepoint Online oder Openstack-Lösungen sowie Private-Cloud-Infrastrukturen können integriert werden. „Dadurch werden IT-Abteilungen zum agilen Service-Broker der Fachabteilungen und bekommen auch die Schatten-IT besser in den Griff“, heißt es. Das neue Online-Portal „F&M Cloud Motor“ soll deutschen Mittelständlern „konkrete und praxisnahe Hilfestellung bei ihrem digitalen Transformationsweg“ geben.

Der neue „Chief Digital Officer“

Dr. Bernhard Kirchmair (36) soll als „Chief Digital Officer“ neue digitale Geschäftsmodelle und Mehrwerte für die Kunden entwickeln. Im Februar von Telefónica Deutschland / O2 gekommen, berichtet der studierte Informatiker und Ökonom direkt an die Geschäftsführung. Zu seinen Aufgaben gehört nach Firmenangaben „die Formulierung und Umsetzung einer digitalen Agenda, um sowohl Zukunftsthemen wie Industrie 4.0/Internet of Things, Big Data und Cloud kundenorientiert auszubauen als auch konzerninterne Effizienzen zu heben“. Dies solle in Zusammenarbeit mit dem CEO, dem CIO, den anderen Stabsstellenleitern und Fachbereichsleitern sowie der Muttergesellschaft erfolgen.

„Im Endkundenumfeld sind innovative Online-Geschäftsmodelle bereits in der Breite etabliert“, so Kirchmair dazu. „Jetzt entsteht eine noch spannendere Dynamik im B2B-Bereich, die ganz andere Anforderungen stellt. Die Erfahrungen des B2C-Marktes gilt es nun in das Unternehmensgeschäft zu übertragen und mit Schnelligkeit und Agilität zu verbinden. Denn auch die Entscheider in den Unternehmen werden immer jünger und haben eine hohe Anspruchshaltung. Wir müssen die ‚Silos‘ in den Unternehmen aufbrechen sowie digitale Werte und Verhaltensweisen verankern, und zwar auf allen Ebenen.“

Kirchmair war schon für Allianz, IBM, Deutsche Telekom sowie KPMG tätig und gründete zwei Firmen im Internetbereich. Zuletzt verbrachte er mehrere Jahre in Führungspositionen bei Telefónica Deutschland / O2, wo er an der Digitalstrategie arbeitete und einen der digitalen Geschäftsbereiche leitete. Der in München lebende Manager hat erst vor kurzem sein 75. Land bereist.

Unter der Dachmarke Axians

Seit Oktober 2014 ist F&M ein Bestandteil des französischen Bau- und Industriekonzerns Vinci, der seine weltweiten IT-Aktivitäten unter der Dachmarke Axians betreibt. Im Jahr 2015 erwirtschaftete Axians mit 7.000 Mitarbeitern und 150 Geschäftseinheiten in 15 Ländern einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro.

Vinci Energies, die Dachsparte für Axians der Vinci-Gruppe, ist in 51 Ländern tätig und erwirtschaftete 2015 mit 65.000 Mitarbeitern rund 10,2 Mrd. Euro Umsatz. Vinci Energies ist mit 1.600 Business-Units im Bereich Energie- und Telekominfrastrukturen, Industrie- und Gebäudetechnik sowie IT aktiv. In Deutschland sind rund 11.000 Mitarbeiter aktiv, die 2015 einen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro erzielten.

www.fum.de

www.axians.de

www.vinci-energies.de

Bildquelle: Fritz & Macziol

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