Alter Vorstand Flury geht, neuer Eigner Allgeier kommt nicht

Easy ohne Flury

Ein Vorstand geht vorzeitig, ein Übernahmeangebot verläuft im Sande und ein nicht enden wollender Verdacht von Unregelmäßigkeiten in der Chefetage – der Dokumentenmanagementanbieter Easy macht wahrlich turbulente Zeiten durch. Jetzt haben die Aktionäre Aufsichtsrat und Vorstand teilweise entmachtet.

Der verbliebene Easy-Vorstand Andreas Nowottka bekam jetzt im Zuge der externen Sonderprüfung einen Fachanwalt als besonderen Vertreter an die Seite gestellt

Bei der Easy Software AG, Mülheim an der Ruhr, überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft aufgrund schwerwiegender Vorwürfe am 26. Juli gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden und größten Anteilseigner Manfred Wagner eine externe Sonderprüfung durchgesetzt hatte, wurde jetzt ein „besonderer Vertreter“ eingesetzt, der in seinen Befugnissen Aufsichtsrat und Vorstand verdrängt, berichtet die lokale Zeitung WAZ. Wagner weist die Vorwürfe zurück, Geld von Easy abgezweigt zu haben.

Am Freitag wurde bekannt, dass mit dem Vorstand Claus Flury „eine Aufhe-bungsvereinbarung zur vorzeitigen Beendigung seines Vorstandsvertrages abgeschlossen“ worden ist, wirksam zum 31. August 2012. Zu den Gründen wurde ebenso wenig gesagt wie zu einer Nachfolgeregelung. Flury, der im Vorstand für Unternehmensstrategie, Produkte, Entwicklung und Vertrieb verantwortlich zeichnete, hatte sein Amt erst am 15. Februar angetreten – als Nachfolger vorn Gereon Neuhaus. Der war wegen des Verdachts der Untreue im Juni 2011 gefeuert worden.

Seit Juli gab es überdies ein Übernahmeangebot durch das Systemhaus Allgeier, das mittlerweile wieder vom Tisch ist, weil Allgeier mangels Einigung mit dem Großaktionär Wagner, in Besitz von 27,4 Prozent der Easy-Aktien, nicht auf die angestrebten 75 Prozent der Aktien kommen kann. Pikanterweise hatte der Betriebsrat das Übernahmeangebot begrüßt, weil im Sinne der Mitarbeiter und des Unternehmens, während Vorstand und Aufsichtsrat es wegen der gebotenen 4 Euro pro Aktie als zu niedrig ablehnten. „Das Vorstandsmitglied Claus Flury hat an der Beschlussfassung krankheitsbedingt nicht mitgewirkt“, heißt es in der Stellungnahme. Pikanterweise gingen die Easy-Manager in ihrer Stellungnahme überhaupt nicht auf Allgeiers Zusagen in Bezug auf Beschäftigung und Produktentwicklung ein, so dass man sich zu einer „Ergänzung der gemeinsamen Stellungnahme des Vorstands und des Aufsichtsrats“ genötigt sah.

Vor diesem Hintergrund lässt sich trefflich über die Gründe von Flurys Abschied aus dem Easy-Vorstand spekulieren. Dort aktiv ist jetzt Andreas Nowottka, dem auf der Hauptversammlung die Entlastung für das Geschäftsjahr 2011 ebenso verwehrt blieb wie Wagner und zwei anderen Aufsichtsräten. Als „besonderer Vertreter“ im Sinne des Aktiengesetzes kommt der Fachanwalt Dr. Thomas Heidel von der Bonner Kanzlei Meilicke, Hoffmann & Partner hinzu.

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Presseinformation vom 27.08.2012 - Allgeier verfolgt Easy Software-Übernahme nicht weiter

Bildquelle: Easy Software AG

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