Datev-Gründer Sebiger gestorben

Ein deutscher IT-Pionier

Am 25. August ist Dr. h.c. Heinz Sebiger, Mitgründer der Datev eG, im Alter von 93 Jahren in Nürnberg gestorben. Der immer schon technisch interessierte Steuerberater Sebiger hat die Genossenschaft seit ihrer Gründung am 14. Februar 1966 in Nürnberg zu einem der größten IT-Dienstleister in Deutschland aufgebaut.

Ein Visionär ist von uns gegangen: Dr. h.c. Heinz Sebiger, Steuerberater, Gründer und Ehrenvorstandsvorsitzender der Datev eG

Sebiger stand 30 Jahre an der Spitze der Datev. Als er 1996, über siebzig­jäh­rig, den Vorstandsvorsitz seinem Nachfolger Dieter Kempf überließ, galt er bereits als einer der drei deutschen IT-Pioniere neben Konrad Zuse und Heinz Nixdorf. Im Nürnberger Opernhaus feierte er noch im Februar dieses Jahres mit rund 700 Ehrengästen den 50. Jahrestag des Bestehens der Datev.

„Mit ihm verlässt uns eine Persönlichkeit, deren Pioniergeist vor mehr als 50 Jahren dem steuerberatenden Berufsstand die Informationstechnologie erschlossen und damit völlig neue, wegweisende Impulse gegeben hat.“ So schreibt Dr. Robert Mayr im Namen der Geschäftsleitung und aller Mitarbeiter der Datev zum Tode Sebigers. „Seinem Weitblick und seiner unermüdlichen Tatkraft ist es zu verdanken, dass es die Datev gibt und sie über die Jahrzehnte von einer kleinen Genossenschaft zu einem der führenden Softwarehäuser Europas heranwachsen konnte.“ Mayr hatte am 1. April das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Kempf übernommen.

In allen Nachrufen ist von Anerkennung und Dankbarkeit die Rede. Die Technik-Freaks von Heise würdigen Sebigers Beitrag zur Gründung der „Datenverarbeitungsorganisation der Steuerbevollmächtigten für die Angehörigen des steuerberatenden Berufes in der Bundesrepublik Deutschland“ im Jahre 1966. Schon damals setzte sich Sebiger für die zentralisierte IT ein. Statt Timesharing wie seinerzeit spricht man heute von Cloud-Computing. Nur die IT-Architektur dahinter ist bei der Datev geblieben: Modernste Mainframe-Technik.

In einer ersten Reaktion sagte der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly: „Mit Dr. Sebiger ist ein Visionär von uns gegangen. Als Pionierunternehmer hat er ein Beispiel dafür gegeben, dass mit Mut, Augenmaß und dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit dauerhafter Erfolg sowie die langfristige Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen möglich sind. Dabei war er der Stadt und Region Nürnberg stets treu verbunden. Er hat sich für seine Heimatstadt sehr engagiert, etwa durch sein Bemühen um Institute und Lehrstühle der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, um die WiSo-Führungskräfte-Akademie und das Institut für freie Berufe. Auch die Museen der Stadt Nürnberg und soziale Einrichtungen verdanken ihm beträchtliche Zuwendungen. Bei all seinen großen wirtschaftlichen Erfolgen und Verdiensten ist er immer bescheiden geblieben.“

Raimund Vollmer, der Sebiger und seine Datev seit den 70er Jahren journalistisch begleitet hat, erinnert sich an  „den mit unglaublichem Esprit angereicherten Humor“ des Verstorbenen. „In seinem Innersten war er nämlich ein Lausbub, der - und das weiß auch kaum jemand - in seiner Jugend sogar Steptänzer war“, plaudert Vollmer aus dem Nähkästchen. Da wird mancher überrascht sein, der ihn nur als Steuerberater kannte, so Vollmer weiter. Aber auch etwas anderes habe Sebiger ausgezeichnet: „Er konnte wirklich wie ein Kind staunen. Vor allem über die Technik. Hier musste er immer das Neueste und Beste haben. Vor allem von Apple.“

www.datev.de

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