SAP spricht von „Unternehmensführung in Echtzeit“

ERP-Revolution mit Hana

Ab sofort sind Kernanwendungen der SAP Business Suite auch auf Basis der Echtzeitdatenbank Hana verfügbar. Das kündigte der Walldorfer Softwarekonzern gestern in einer globalen Pressekonferenz in Frankfurt, New York und Palo Alto mit dem neuen Release SAP Business Suite powered by Hana an. Dass auch die Transaktionsdaten im Hauptspeicher statt auf der Festplatte gehalten werden, verkürzt die Antwortzeiten deutlich und kann alle Geschäftsprozesse beschleunigen, von der Logistik bis zur Lohnabrechnung.

SAP-Mastermind Hasso Plattner: „Ich sehe in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine brillante Zukunft für die SAP“.

Firmengründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat sein „Baby“, die nicht-relationale In-Memory-Datenbank Hana, erstmals im August 2006 in Walldorf vorgestellt – im Rahmen einer Vision der Business-Software der Zukunft. Im Dezember 2010 kam die erste Version auf den Markt. Am 10. Januar stellte Plattner höchstpersönlich Hana als neue SAP-Basisplattform für jede aktuelle und neue Software des Konzerns vor. Möglich sei das nur, weil die Programmierer der SAP das gesamte Produktangebot – sprich 400 Millionen Zeilen Code – im Rahmen eines globalen Projektes neu gestaltet haben, schwärmt Plattner. Ein Dutzend Entwicklungszentren rund um den Globus hätten mitgewirkt, etwa Walldorf, Potsdam, Palo Alto oder Shanghai, und ihre jeweiligen Stärken eingebracht.

Auch die klassische Datenbank bleibt nutzbar

Nun ist also auch die Business Suite von SAP „powered by Hana“. Das kann als Meilenstein in der 40jährigen Firmengeschichte gelten, da die In-Memory-Datenbank Hana die Grundlage für eine intellektuelle Erneuerung der SAP bildet und als Basis sowohl bestehender als auch künftiger Anwendungen dient, wie Plattner betont. Er spricht von einem fundamentalen Wandel. Ein Monatsabschluss sei nur noch eine Frage von Minuten oder Stunden, nicht mehr von Tagen. Batch-Programme seien nicht mehr notwendig. Plattner stellte aber auch klar, dass dank der Mächtigkeit des heutigen SQL auch die bisher unterstützten Datenbanken – DB2, Oracle, Microsoft SQL Server, MaxDB und SAP ASE – weiterhin unterstützt werden. Die mehr als 40.000 SAP-Kunden mit Business Suite können also ab sofort upgraden und danach weiterhin ihre Datenbank nutzen.

Der Code der neuen SAP-Anwendungen ist laut Plattner bis auf wenige Ausnahmen, die mit klassischen Datenbanken über SQL so noch nicht abgebildet werden können, identisch. Man werde weiter Innovationen für alle unterstützten Datenbanken vorantreiben und in bewährter Weise mit diesen Datenbank-Partnern zusammenarbeiten. SAP werde im ureigenen Interesse dafür sorgen, dass die Anwendungen ohne Code-Änderungen auf den verschiedenen Datenbanken laufen und Funktionen, die über Stored Procedures bereit gestellt werden, auch für alle Datenbanken bereitgestellt werden.

„Nur in Kombination mit Hana können die Kunden die volle Leistung der SAP-Anwendungen nutzen“, stellte CEO Jim Hageman Snabe klar. Es gehe nicht nur um eine Verbesserung, sondern um die Neugestaltung des Zugriffs auf Geschäftsdaten in Echtzeit. Deshalb habe man auch von der Tradition der Nummerierung der Produktpalette von R/1 bis R/3 Abstand genommen. „R/4 würde sich anhören wie die nächste Generation von irgendetwas.“ Allerdings ist ihm auch klar, dass die Kunden für diese Umstellung Zeit brauchen, so dass sie auch schrittweise erfolgen kann. Zu sensibel sind die kritischen ERP-Funktionen, etwa für Warenwirtschaft oder Produktionsplanung. Ausfälle könnten fatal sein. Also muss Hana seine Tauglichkeit für den Transaktionsbetrieb erst einmal nachweisen – insbesondere die Verlässlichkeit und Transaktionssicherheit. Man darf gespannt sein, wie SAP dafür im volatilen Hauptspeicher sorgt. Außerdem ist Hauptspeicher (und auch SSD) immer noch deutlich teurer als konventioneller Plattenspeicher, was in den meisten Fällen Mischformen bei der Datenhaltung auf Disk und RAM wirtschaftlich sinnvoll machen dürfte.

Umstellung in weniger als sechs Monaten versprochen

Für Kunden, die auf die neue Business Suite umstellen wollen, stellt SAP ein Service Pack zur Verfügung. Wer zudem seine Datenbanken auf Hana migrieren möchte, erhält Rapid-Deployment-Solutions. Eine spezielle Rapid-Deployment-Solution, die für das erste Quartal 2013 geplant ist, soll Kunden helfen, in weniger als sechs Monaten in den Live-Betrieb zu gehen – als Paket aus vorkonfigurierter Software, Implementierungsservices, Inhalten und Trainings mit definiertem Umfang zum Festpreis.

SAP-Vorstand Vishal Sikka, verantwortlich für Technology & Innovation, betont: „Wir lassen unseren Kunden die Wahl in Bezug auf Datenbanken. Die üblichen Abwägungen zwischen Kosten und Leistung fallen weg, und wir vereinfachen die Landschaften unserer Kunden erheblich.“ Unter Berücksichtigung der Rückmeldung von SAP-Anwendergruppen und Kunden habe man das Preismodell an das aktuelle Einkaufsverhalten im Bereich Datenbanken angepasst, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: „Das Preismodell orientiert sich prozentual am Anwendungswert und ist im Vergleich zu Marktalternativen äußerst wettbewerbsfähig.“

Das bestätigt Marco Lenck, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). SAP habe die DSAG-Vorschläge angenommen, das Preismodell am Vertragswert der SAP-Installation zu orientieren und nicht hauptspeicherbasiert zu gestalten. „Bestandskunden haben dank des konventionell ausgerichteten Pricings einen einfachen Zugang zu Innovationen im Hana-Umfeld.“ Andreas Oczko, Mitglied im DSAG-Vorstand ergänzt: „Wir haben uns für ein Preismodell eingesetzt, das sich an der Wertschöpfung des Kunden orientiert.“ SAP-Kunden müssten jetzt nur die Lizenzen upgraden, die wirklich auf die Hana-Datenbank zugreifen und nicht pauschal den gesamten Lizenzvertrag. „Die Datenbank für die Business Suite on Hana kostet damit lizenzseitig für Bestandskunden praktisch genauso viel wie herkömmliche Datenbanken.“

SAP Business Suite powered by Hana – schon im Einsatz

Allerdings erübrigen sich dedizierte OLAP-Lösungen und Applianes wie Exadata, Netezza oder Teradata. Zudem verringert die Nutzung einer Plattform die Komplexität durch redundante Daten und Systeme. Zu den ersten Nutzern von Hana für SAP-Transaktionen zählen Ferrero und John Deere, weltweiter Marktführer im Bereich Landtechnik. „Wir können die Markteinführung von neuen Produkten und Dienstleistungen revolutionieren und wichtige Prozesse wie Materialplanung in Echtzeit durchführen“, sagte Derek Dyer, IT-Manager bei Deere and Company. „Zudem stehen uns ganz neue Anwendungen, wie vorbeugende Wartung, Verfügung.“

Enzo Bertolini, CIO der Ferrero Group, schildert die ersten Eindrücke von SAP ERP powered by Hana. Geschwindigkeit und Benutzbarkeit sei dank Informationen in Echtzeit erheblich besser. „Durch bessere Simulationen und schnellere Planung erwarten wir klare Vorteile bei Verkaufsförderungen und in der Lieferkette“, so Bertolini weiter. „Für die Zukunft stellen wir uns die Verbindung von mobilen Technologien mit Big Data vor. Dies wird die Art und Weise, wie wir Entscheidungen treffen und unsere Prozesse steuern, verändern.“

Unternehmen können dank Hana in Echtzeit Geschäfte abwickeln, Daten analysieren und Vorhersagen treffen. Welche Bestellungen sind noch offen? Wie viele Lieferungen verspäten sich, und welcher Kunde ist dadurch betroffen? Dank der in Echtzeit gewonnenen Erkenntnisse sind die Manager laut Plattner auch in der Lage, schnell zu handeln. Das werde die Art, wie Unternehmen agieren und zusammenarbeiten, grundlegend verändern.

Plattner spricht von einer „Revolution, die von SAP angetrieben wird“. Der Mensch brauche eben Geschwindigkeit; niemand wolle länger als einige Sekunden auf Informationen warten. Dieser Schritt sei eine so große Veränderung wie die Einführung des ERP-Systems R/3 vor zwanzig Jahren, der SAP den weltweiten Durchbruch gebracht habe. Vor wenigen Jahren sei die Zukunft von SAP noch ungewiss gewesen, sagte Plattner. Das habe sich in den letzten Jahren grundlegend geändert: „Ich sehe in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine brillante Zukunft für die SAP“.

www.sap.de

Bildquelle: SAP

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