Interview mit Heidi Schmidt und Roland Zurawka von der PKS Software GmbH in Ravensburg

Generationswechsel aktiv gestalten

Den bevorstehenden Generationswechsel auf der Serverseite – gekennzeichnet durch Schlagworte wie Power8, Pure Systems oder Smart Cloud – kann der IT-Chef als Chance nutzen, falls er eine Anwendungsmodernisierung in Betracht zieht. Endlich lassen sich mit guten Argumenten alte Zöpfe abschneiden, die z.B. noch mit OS/400 V5R4 verbandelt sind. Doch viele IT-Chefs müssen nicht nur die technische Erneuerung stemmen, sondern stehen auch vor der Herausforderung des Generationswechsels in der Belegschaft. Für PKS-Geschäftsführerin Heidi Schmidt gilt es, die drei aktiven Generationen Babyboomer, Gen X sowie die nach­rückende Gen Y in eine konstruktive Zusammenarbeit zu bringen.

  • „Brücken schlagen zwischen den Generationen!“ empfehlen Heidi Schmidt und Roland Zurawka von der PKS Software GmbH in Ravensburg.

  • Schmidt hält es für entscheidend, die Gen Y für die unbekannte Welt von IBM i zu begeistern.

  • „Unternehmen brauchen Mit­arbeiter, die sich mit beiden Technologien – alt und neu – speziell auf IBM i auskennen – sonst ist keine optimale Software-Architektur zu schaffen“, so Roland Zurawka.

Nach wie vor betreiben viele Firmen ihre Kernanwendungen auf der Plattform IBM i. Weil diese Anwendungen in die Jahre gekommen sind und weil sie vielen neuen Anforderungen hinsichtlich Funktionalität und Technologie gerecht werden müssen, wächst der Handlungsdruck auf die IT-Chefs. Und dies umso mehr, falls es an der kontinuierlichen Modernisierung dieser Anwendungen gemangelt hat, eben weil sie die fachlichen Anforderungen bestens abdecken. Und gerade weil die Serverplattform so stabil ist und technische Änderungen für die Software weitgehend abfedert. Dieser Vorteil wird zum Pferdefuß, wenn die Akzeptanz wegen einer veralteten Benutzeroberfläche schwindet und die Flexibilität mangels Integration leidet.

In Sachen Anwendungsmodernisierung gibt es viele Optionen, von der Einführung einer neuen Standardsoftware über ein konsequentes Reengineering bis hin zu einer völligen Neuentwicklung der maßgeschneiderten Anwendungen. Letzteres ist sicher eher selten, kommt aber vor, falls passende Softwarepakete „von der Stange“ nicht erhältlich sind oder ihre Anpassung zu aufwendig wäre. Die Fortführung der Eigenentwicklung erhält die Flexibilität des Unternehmens, bringt Wettbewerbsvorteile und kann mit heutiger Softwaretechnologie einfach um fertige Businessfunktionen aus der Standardsoftware-Welt erweitert werden, etwa in standardisierten Bereichen wie Buchhaltung oder Personalwesen.


Stillstand ist Rückschritt. Darauf weist Heidi Schmidt in ihren Vorträgen die AS/400-Anwender regelmäßig hin.


„Leider haben viele in den letzten Jahren die technologische Erneuerung und Anpassung ihrer eigenentwickelten Lösungen vernachlässigt“, diagnostiziert die Geschäftsführerin der Ravensburger PKS Software GmbH. Sie spricht hier von „technischen Schulden“. Diese Defizite können so beängstigend für die Entscheidungsträger werden, dass sie zur Standardsoftware flüchten wollen. Doch dies sei gar nicht notwendig, gebe es doch mittlerweile praxistaugliche Werkzeuge und Methoden zur nachhaltigen Modernisierung, erklärt Schmidts Geschäftsführerkollege Roland Zurawka, der bei PKS die Produktentwicklung, Beratung und das Projektgeschäft verantwortet. Er weiß aus Kundenprojekten, dass so bis zu 85 Prozent der Kosten gespart wurden, die eine Komplett­erneuerung mit sich gebracht hätte.

Die Modernisierung der Bedienabläufe von Altanwendungen macht laut Schmidt eine Produktivitätssteigerung von 25 Prozent und mehr möglich. Dabei helfe die Neugestaltung der 5250-Anwendungen durch bessere, integrative Oberflächen. Allerdings sind auch die soziologischen Prägungen der Generationen zu beachten, die heute in den Firmen zusammenarbeiten. Diese Prägungen bergen durchaus Konfliktstoff – nicht nur bei der Akzeptanz unterschiedlicher Oberflächen.

Vor allem ist für Schmidt ein wertschätzender Umgang zwischen den „alten Hasen“ (als Know-how-Träger) und den nachrückenden „Greenhorns“ gefragt; nur wenn Erfahrung und Innovation konstruktiv zusammenträfen, könne das Unternehmen aus seiner Individualsoftware weiter Nutzen ziehen.

Frau Schmidt, welche Situation finden Sie typischerweise vor, wenn ein IT-Chef PKS bei der Modernisierung seiner bewährten AS/400-Systeme zu Rate zieht?
Heidi Schmidt:
Viele IT-Verantwortliche befinden sich heute in einer verzwickten Situation: Vor ein paar Jahren noch hatte man die AS/400 samt Anwendung zum „Auslaufmodell“ deklariert. Folgerichtig wurde wenig bis gar nichts in die fortlaufende technische Erneuerung und erst recht nicht in den Aufbau und die Ausbildung von Nachwuchskräften investiert.

Heute jedoch will kaum mehr ein Kunde weg von der AS/400-Plattform – haben sich doch all die Experimente beim Umstieg auf neue, angeblich kostengünstigere oder zukunfts­sichere Plattformen und Lösungen als Trugschluss erwiesen. Heute ist es meist so, dass die IT-Chefs zu uns kommen, damit wir gemeinsam einen Weg finden, die technischen Schulden der letzten Jahre effizient abzuarbeiten und die AS/400-basierte Kernanwendung samt dahinterstehender Mannschaft wieder fit für die heutigen und zukünftigen Anforderungen zu machen.

Heute jedoch will kaum mehr ein Kunde weg von der AS/400-Plattform."


Gibt es auch aussichtslose Fälle? Legacy-Anwendungen sind kein wertvolles Erbe, sondern Altlasten für den IT-Chef, die entweder durch Standardsoftware oder durch Neuentwicklungen abgelöst werden sollten...
Roland Zurawka:
Eine Standardsoftware empfehlen wir generell bei allen Prozessabläufen, die nicht zur Kernkompetenz des Unternehmens zählen. Dies sind häufig die Bereiche Personal, Finanz- und Rechnungswesen oder Controlling. Hier muss man das Rad mit einer Individual­anwendung wirklich nicht neu erfinden.

Anders sieht es bei jenen Prozessen und Verfahren aus, die die Kernkompetenz der Firma darstellen. Hier lohnt sich in jedem Fall eine effiziente, schlagkräftige und fitte Individualentwicklung – nur so können sich Firmen heute noch vom Mitbewerb differenzieren. Das beweisen die Marktführer aller Branchen.

Und auch auf der AS/400 gibt es ja hervor­ragende Standardlösungen für klassische Bereiche – jedoch sollte jeder Kunde gut prüfen, ob das jeweilige Softwarehaus wiederum seine technischen Schulden im Griff hat und fortlaufend in die Werterhaltung und Weiterentwicklung von Anwendung und Entwicklungsteam investiert. Leider muss man sagen, dass auch das ein oder andere Softwarehaus  durch Fehlentscheidungen in der Investitionsplanung nicht mehr am Puls der Zeit arbeitet und damit der Ruf der Plattform auch schon Schaden erlitten hat.

Wie lässt sich erkennen, ob eine Moder­nisierung oder eine Ablösung sinnvoller ist?
Zurawka:
Die Analyse des vorhandenen Codes ist hier die einzig valide Erkenntnisgrundlage! Man muss immer erst die vorhandene Anwendung genau analysieren und den „estimated rewrite effort“ berechnen. Wir sprechen kurz von ERE, dem zu erwartenden Aufwand für die Neuimplementierung.

Hierzu führen wir gemeinsam mit den Entwicklern, die die Anwendung gut kennen, und mit Hilfe unserer PKS Application Analysis Suite – kurz PAAS – eine maschinelle Komplett­analyse der vorhandenen Sourcen durch. Dabei wird auch festgestellt, wie viel sogenannter toter Code vorhanden ist, der problemlos archiviert werden kann.
Das ist schon einmal der erste wichtige Schritt zur Bereinigung. Weiter geht es mit dem sogenannten Clustering. Das ist ein von uns entwickeltes Verfahren, um die kompletten Programme und Files logisch den für den Kunden relevanten Sach- und Fachgebieten zuzuordnen.

Mit welchem Ergebnis?
Zurawka:
Solch eine Ausarbeitung macht ersichtlich, wie die Anwendung tatsächlich heute „tickt“; nur so kann dann gemeinsam mit dem Kunden eine Roadmap für eine Neuentwicklung entworfen werden. Alles andere wäre Blindflug und nicht professionell. Mit dem ERE ermitteln wir zudem pro Cluster den zu erwartenden Aufwand bei der Neuimplementierung. Diese Berechnung beruht auf Metriken aus der Softwareliteratur sowie unseren Erfahrungswerten aus den vergangenen 20 Jahren, in denen wir solche Projekte schon für Kunden durchführen. Also:

  • Erstens: Klärung der Frage, ob ein Umstieg auf Standardsoftware in Frage kommt. Wie gesagt ist das nicht zu empfehlen bei den Prozessen, mit denen der Kunde seine Kernkompetenzen unterstützt!
  • Zweitens: Bewertung des Datenbankmodells der Anwendung. Die Grundfrage lautet hier: „Ist die Grundidee, die im Datenmodell steckt, noch für das Business passend?“ Heißt die Antwort „Ja“, ist eine schrittweise Neuentwicklung mit einer intelligenten Integrationstechnologie der kostengünstigste Weg.
    Bei einem klaren „Nein“ muss über die Erstellung eines neuen Datenbankmodells beraten werden – dann kann aber i.d.R. viel weniger der vorhandenen Businesslogik aus dem Altsystem weitergenutzt werden.
  • Wenn eine Modernisierung bzw. die schrittweise Neuentwicklung favorisiert werden kann, folgt drittens eine fundierte, maschinelle Analyse des bestehenden Systems inklusive der Bereinigung um nicht mehr benötigte Module und „toten“ Code.

Auf welche Weise kann bei der Modernisierung der Brückenschlag zwischen prozeduraler RPG-Programmierung von einst und modernen Programmiersprachen und Entwicklungsmethoden von heute so gelingen, dass sich die alte und neue Softwarewelt reibungslos zusammenfügen lassen?
Zurawka:
Hierzu braucht es eine spezielle Integrationstechnologie, die wir mit PKS eXcite speziell auf IBM i anbieten, und das fundierte Know-how aus der prozeduralen wie auch der heutigen serviceorientierten Programmierwelt. eXcite ist nicht nur eine Plattform zur Integration zwischen 5250- und Java-Oberflächen, sondern ebenso eine Plattform zur Prozess­optimierung, da sich damit vorhandene Workflows sehr effizient verbessern und mit neuen Abläufen integrieren lassen. Vor allem aber braucht es Mitarbeiter, die sich mit beiden Technologien – alt und neu – speziell auf IBM i auskennen – sonst ist keine optimale Software-Architektur zu schaffen.

Können Sie das an mobilen Anwendungen verdeutlichen, über die z.B. der Außendienst per Smartphone oder Tablet auf eine vor 20 Jahren „selbstgestrickte“ RPG-Warenwirtschaft zugreifen soll?
Schmidt:
Klar! Für unseren Kunden Zapf, Deutschlands führenden Hersteller von Betonfertiggaragen, haben wir genau das gemacht. In wenigen Monaten wurde das komplette RPG-System mit eXcite für die Nutzung auf iPads verfügbar gemacht. eXcite bietet für diesen Bedarf einen Mobile-Client, der auf Basis von HTML5 und CSS3 das typische Look and Feel von Mobile-Anwendungen ermöglicht. Alle Daten bleiben sicher auf der IBM i. Die Businesslogik muss nicht neu erfunden werden. Und trotzdem ist der Client von einer nativen App nicht zu unterscheiden.

Andere Beispiele: Die Personalsoftware auf der AS/400 soll um ein Bewerbermanagement und den Einbezug von „Social Media“ erweitert werden – oder ein Online-Shop wird in die Anwendungslandschaft integriert...
Schmidt:
Zum ersten Beispiel: Bei einer Personalsoftware würde ich stark Richtung Standardsoftware plädieren. Beim zweiten Beispiel, dem Onlineshop, ist eXcite das Mittel der Wahl, denn damit kann ich die vorhandene Anwendung in eine Webanwendung transformieren und das Look and Feel von Shopanwendung und Kernsystem identisch konfigurieren. Die technische Integration ist auf Basis von Web­services-Technologie und Javascript-Bibliotheken überhaupt kein Problem, wenn man den Java-Kontext auf IBM i beherrscht.

Worauf ist aus technischer Sicht zu achten, damit langfristig haltbare und performante, skalierbare Schnittstellen zwischen alter und neuer Softwarewelt entstehen?
Zurawka:
Das A und O solcher Optimierung ist eine Schichtentrennung. Hierfür werden die Programme in eigenständige Services zerlegt. Die so entstehenden Module können direkt von anderen Modulen aus angesprochen oder per SOAP- bzw. Rest-Services von der „neuen“ Softwarewelt angesprochen werden. In einem weiteren Schritt kann diese Art von Services auch in einer neuen Technologie entwickelt und per Wrapper von der „alten“ Softwarewelt konsumiert werden. Zum Schneiden und Auftrennen der Anwendung nutzen wir unsere Software-Suite PAAS – damit können ressourcenoptimale Vorgehensweisen beim Modularisieren gefunden werden.


„Moderne Software-Entwicklung beginnt mit der Entwicklungsumgebung."


Was sollte ein IT-Chef in den „Werkzeugkasten“ seiner Programmierer packen? Welche Neuerungen sind relevant, wie etwa Free RPG, RPG OA, Java, Eclipse oder PHP?
Schmidt:
Moderne Software-Entwicklung beginnt mit der Entwicklungsumgebung; hier bietet IBM mit dem Rational Developer for i, basierend auf Eclipse, ein leistungsfähiges und speziell auf die AS/400 abgestimmtes Toolset. In dieser Umgebung können auch weitere Programmiersprachen direkt integriert werden.
Mit der neuesten Generation von Free RPG können innerhalb kürzester Zeit sowohl gestandene RPG-Programmierer als auch nicht RPG-Programmierer moderne und zeitgemäße Programme entwickeln. In den Werkzeugkasten eines Programmierers gehören meines Erachtens heutzutage: versierter Umgang mit Eclipse, Kenntnisse in Java, Free RPG und ILE sowie natürlich auch die Kompetenz, sich in gewachsenen Codestrukturen mittels Werkzeugen zurechtzufinden und diese zu verstehen.

Welche Werkzeuge sind für die Frontend-Entwicklung zu empfehlen, um dem End­anwender auch auf Tablet und Smartphone das gewohnte Look and Feel beim Arbeiten mit AS/400-Anwendungen zu bieten?
Zurawka:
Um Frontends neu zu entwickeln, empfehle ich eines der am Markt weitverbreiteten Javascript-Frameworks, z.B. jQuery, Dojo oder ExtJS. Diese Frameworks bieten auch spezielle Ausprägungen für die Entwicklung von optimierten Frontends für Tablets und Smartphones. Wichtig hierbei ist es, wie schon skizziert, zuvor die zu verwendenden Businesskomponenten als Services zu realisieren. 

Sollte sich im Laufe der Zeit herausstellen, dass das gewählte Framework oder dessen Technologie nicht mehr den Anforderungen im Hause entsprechen, kann mit geringem Aufwand auf ein anderes Framework gewechselt werden. Die gesamte Anwendungslogik, die als Service zur Verfügung steht, bleibt dabei außen vor.
Sollen die neuen Anwendungen bzw. Anwendungsteile mit der bestehenden IT-Welt integriert werden, kann dies mit der eXcite-Technologie performant und auf ganz einfache Art und Weise realisiert werden. Im Laufe der Zeit kann sich dann das Verhältnis von „bestehender“ und „neuer“ Software gegenläufig entwickeln, ohne dabei einen Medienbruch für die Anwender oder einen „Big Bang“ riskieren zu müssen.

Wann können Cloud-Lösungen für Software-Entwicklung und -Test helfen, wie z.B. die neue „Power-Development-Plattform“ oder die Smart Cloud Application Services der IBM?
Schmidt:
Dies ist eher für Softwarehäuser interessant, da damit auf die Schnelle die eigene Software auch auf anderen OS/400-Versionen getestet werden kann, ohne dass man sich dafür eine eigene Umgebung aufbauen muss. Sicherlich sind solche Lösungen auch interessant, um im Vorfeld eines Releasewechsels eine neue OS/400-Version zu evaluieren. Nehmen wir an, Sie entwickeln noch unter V5R4 und würden gern ein paar Versuche mit dem neusten Free RPG durchführen, dann können Sie dieses ganz einfach in der Cloud realisieren.

Nicht nur die Technik, auch organisatorische und menschliche Aspekte können für den Erfolg von Modernisierungsprojekten entscheidend sein. Was sind hier nach Ihrer Erfahrung die dicksten Stolpersteine?
Schmidt:
Die dicksten Stolpersteine sind in der Tat die organisatorischen und menschlichen. Häufig sind die RPG/Cobol-Entwickler und die Java-Programmierer nicht in gemeinsamen Teams organisiert. Das ist ein großes Problem, denn der Software-Stack sollte mit Experten aus beiden Welten bestückt sein, wenn man die alte und die neue Welt verbinden möchte. Bei der menschlichen Komponente wird gern unterschätzt, dass ein konstruktives Miteinander der Generationen nicht von selbst geschieht. Wir haben ja drei ganz unterschiedlich sozialisierte Generationen in den IT-Teams:

  • die Babyboomer, geprägt von hohen Geburtenzahlen und mit dementsprechendem Konkurrenzdenken groß geworden. Diese  „Kinder des Greenscreens“ sind häufig eher zufällig in der IT bzw. der Software-Entwicklung gelandet.
  • die Generation X, geprägt durch Couplands Roman „Generation X“, sehr gut angepasst an die Gesellschaft. Sie sind Kinder der Windows- und Client-Server-Welt.
  • die Generation Y – heute zwischen 17 und 34 Jahren alt. Die Generation, die bereits 2020 die Hälfte der Erwerbstätigen stellen wird. Eine Generation, die technologieaffin groß geworden ist, sich Informationen am liebsten online und in Netzwerken beschafft. Die Kinder der Tablets und Smartphones.


Der IT-Chef sollte also auch die soziologischen Prägungen der Generationen beachten – sowohl auf Anwender- und Kundenseite als auch in seiner eigenen Abteilung ...
Schmidt:
So unterschiedlich diese Generationen sind, so sehr sind wir aufgrund der demografischen Entwicklung darauf angewiesen, die langjährige Expertise und das fundierte Wissen sowie die jugendliche Neugier zusammenzubringen und für das Unternehmen zu nutzen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass im klassischen Handwerkerbereich, der ja einfach auch schon eine viel ältere Tradition hat als die IT, der respektvolle Umgang zwischen Meister und Lehrling besser gelebt wird als in der IT – davon kann sich die IT echt noch eine Scheibe abschneiden. Lange Rede, kurzer Sinn: Die technischen Herausforderungen bei einer innovativen Erneuerung von Kernsystemen sind die Seite der Medaille, die häufig in den Vordergrund gestellt wird. Hier gibt es aber viele gute Werkzeuge und Technologien, diese zu meistern.
Die andere Seite, nämlich die organisatorischen und menschlichen Herausforderungen, werden oft unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen. Doch viele IT-Manager und Geschäftsführer sehen darin inzwischen sehr wohl den entscheidenden Faktor für eine erfolgreiche Zukunft der Unternehmens-IT auf der Plattform IBM i –  und damit den ausschlaggebenden Impuls für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Welche Herausforderungen resultieren daraus bei der Zusammenstellung der Entwicklungsteams – und überhaupt bei der Personalplanung für die IT-Abteilung?
Schmidt:
Es ist darauf zu achten, dass man fortlaufend auch in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter investiert und zusieht, dass fachlich und menschlich ein „rundes“ Team mit unterschiedlichen Talenten und Fähigkeiten zusammenarbeiten kann. Leider wurde in vielen Firmen dem Thema „Ausbildung“ einige Jahre zu wenig Beachtung geschenkt – vielleicht auch, weil man wie eingangs erwähnt glaubte, dass IBM i ein Auslaufmodell sei und weil es genug Nachwuchs mit Standard-Skills im Open-Systems-Umfeld zu geben schien.

Das Blatt hat sich massiv gewendet. Wer jetzt nicht rasch die verlorene Zeit aufholt, etwa durch die Nutzung spezieller Ausbildungsangebote wie etwa unsere i-cademy oder die Azubi-Initiative von Common Deutschland, läuft Gefahr, dass er die individuelle Software-Entwicklung und seine maßgeschneiderten Anwendungen aufgeben muss, nur weil kein fachkundiges Personal für die Weiterentwicklung mehr vorhanden ist. Das ist fatal, denn häufig basieren der unternehmerische Erfolg und die Vorteile der Abgrenzung gegenüber dem Mitbewerb genau auf diesen zentralen Anwendungen.

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