DSAG-Vorstand Andreas Oczko:

Heißes Eisen SAP-Lizenzen

Lizenzen oder Software-Abo – das ist oft auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Gerade auch im ERP-Umfeld sind aber die Geschäftsbedingungen und die Lizenzverträge so kompliziert und umständlich, dass selbst die gutwilligsten IT-Leiter sich damit schwertun. Oft werden zur Sicherheit sogar eigene Tools für das Lizenzmanagement angeschafft. Wir befragten dazu Andreas Oczko, Vorstandsmitglied bei der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe.

DSAG-Vorstand Andreas Oczko: Wenn die Änderungen so gekommen wären, wären Partnerlösungen kaum noch bezahlbar gewesen. Das konnte bisher verhindert werden.

Gemäß der aktuellen Investitionsumfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe sind die Top-3-Investitionsschwerpunkte ihrer Mitglieder: Logistik, Marketing/Vertrieb/CRM und Finanzwesen. Digitalisierungsvorhaben werden gemeinsam von IT und Fachbereich angegangen. Nur fünf Prozent der Befragten setzen den Investitionsschwerpunkt beim neuen Produkt S/4 Hana – und weitere neun Prozent planen signifikante Investitionen. Im Schnitt steigen die IT-Investitionen in diesem Jahr um 2,7 Prozent (2015 waren 3,5 Prozent). Im SAP-Bereich wird weiterhin hauptsächlich für klassische Themen wie Rollouts, Konsolidierung und Harmonisierung investiert.

Für Hans-Achim Quitmann, DSAG-Vorstand Technologie, ist es wichtig, dass S/4 Hana zeitnah auch auf alternativen Datenbanken betreibbar ist. Außerdem müsse es möglich sein, S/4 Hana in Bezug auf Lizenzen, Migration, Funktionalität und Investitionsschutz ohne zusätzlichen Aufwand zu implementieren. Gerade das Thema „Lizenzen“ ist ein heißes Eisen – und das nicht nur bei neuen Produkten wie S/4, Hana und den Cloud-Lösungen. Dazu haben wir DSAG-Vorstand Andreas Oczko befragt.

Herr Oczko, SAP versucht, eine neue Lizenzpolitik bzgl. der Partnerprodukte durchzusetzen. Wie bewertet die DSAG diese Absicht?
Andreas Oczko:
Die zunächst von SAP angestrebten Änderungen bei den Netweaver-Foundation-for-3rd Party-Produkten und der SAP-Plattform-Lizenz haben die Kunden nicht besser gestellt und die Partner in eine schwierige Lage gebracht. Als DSAG haben wir hier sofort interveniert; wir sind diesbezüglich auch mit dem Partnerverein IA4SP in Kontakt. Aktuell müssen wir abwarten, in welche Richtung diese Entwicklung weitergeht.

Was ändert sich für die Kunden?
Oczko: Wenn die Änderungen so gekommen wären, wären Partnerlösungen kaum noch bezahlbar gewesen. Das konnte bisher verhindert werden.

Welche Lizenzmodelle spielen heute typischerweise bei der Anschaffung einer neuen ERP-Software eine Rolle?
Oczko: Kunden schauen heute bei SAP-Neuanschaffungen in Richtung S/4 Hana. Es empfiehlt sich zunächst eine klassische ERP-Lizenz anzuschaffen. Hinzu kommt die Lizenz namens S/4 Hana Enterprise Management for ERP Customers. Sie kostet einen einmaligen Betrag und ist zudem rabattierbar. Hierfür hat sich die DSAG in den vergangenen zwei Jahren eingesetzt.

Cloud-Modelle können auch in Betracht gezogen werden. Das ist eine strategische Entscheidung, weil es sich um standardisierte Software handelt; natürlich spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Investiere ich, schreibe ich ab und zahle Wartungskosten. Oder zahle ich Miete – und wenn der Mietvertrag ausgelaufen ist, habe ich, wie im richtigen Leben, nichts mehr in den Händen.

Beim SAP-Preismodell im Cloud-Umfeld gilt es zudem zu bedenken, dass es nicht „atmet“. Wird z.B. nach der Metrik „Umsatz“ abgerechnet und der Umsatz sinkt, bleiben die Lizenzgebühren auf dem gleichen Niveau. Steigt auch der Umsatz, steigen die Lizenzumsätze entsprechend.

Die Lizenzierung nach Servergröße erscheint nicht nutzengerecht, weil sich diese durch den Einsatz virtueller Maschinen und neuer Technologien immer wieder ändern kann, ohne dass der Nutzen sich ändert. Auch die Lizenzierung nach Named- bzw. Concurrent-Usern muss überdacht werden, weil im Zeitalter von eCommerce und Industrie 4.0 ja auch Kunden, Geschäftspartner und Lieferanten mit der ERP-Software arbeiten, ohne dass diese eine Voll-Lizenz erhalten sollen. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie bei der Ausgestaltung eines neuen Lizenzvertrages?
Oczko: Es gab und gibt spezielle User für Lieferanten und Geschäftspartner, die es auch im neuen S/4-Hana-Lizenzmodell gibt. Das hat sich nicht geändert. Wenn ich einen Geschäftspartner auf mein System lasse, nutzt er die Software. Als Eigentümer der Software muss ich diese dann lizenzieren. Das verursacht immer wieder Diskussionen. Als DSAG sind wir mit SAP zu diesen Themen, speziell im Bereich Internet-of-Things-Pricing, im steten Austausch.

Von einer Lizenzierung nach Servergröße halten wir bei der DSAG nur wenig. Angenommen, ein Rechner wurde mit zwei CPUs und zwei Cores lizenziert. Durch den Ressourcenhunger einer Anwendung sind es heute vier CPUs mit je vier Cores. Damit steigt der Preis für die gleiche Lizenz um das Achtfache, ohne dass der betriebswirtschaftliche Mehrwert ebenfalls steigt. Dadurch treibt die technische Entwicklung die Lizenzkosten und nicht der Nutzen der Software.

Bezüglich der Named- oder Concurrent-User ist festzuhalten, dass es bei SAP auch sogenannte Engines gibt, die nicht nach diesen beiden Modellen lizenziert werden.

Worauf müssen die IT-Chefs dabei vor allem achten, damit sie trotz verteilter Unternehmensstrukturen (z.B. viele Standorte, Home Offices, Mobiler Außendienst etc.) und trotz unternehmensübergreifender ERP-Nutzung bei einem Audit keine böse Überraschung bei den ERP-Lizenzen erleben?
Oczko: Wer ein der Unternehmensgröße und der -komplexität gerechtes Lizenzmanagement betreibt, ist auf dem richtigen Weg. Für Unternehmen mit eher wenigen Systemen, eignet sich die SAP License Administration Workbench.

Das Tool verwaltet entsprechende Informationen, muss allerdings auch gepflegt werden. Dazu zählt: Wie viele Lizenzen wurden gekauft und wie passt das alles zusammen? Beispielsweise habe ich 50 Professional-User und 30 Limited-Professional-User gekauft. Doch dann ändert sich das Nutzungsverhalten und ich benötige 70 Professional-User und nur noch zehn Limited Professional User. Infolge dessen bin ich zum einen unterlizenziert und habe zum anderen 20mal die falsche Lizenz.

Außerdem sind Prozesse erforderlich, die das Anlegen neuer User oder Löschen nicht mehr benötigter User abbilden – so genannte Change/Leaver-Prozesse. Größere Unternehmen nutzen darüber hinaus eventuell eine zusätzliche Software für das Lizenzmanagement.

Zudem ist zu beachten, ob die Nutzung konform ist. Greifen mehrere Nutzer über Schnittstellen auf Daten zu, ist das lizenzrechtlich nicht abgedeckt. Erweitert man das System, muss sichergestellt werden, dass das im Rahmen der Lizenz erlaubt ist. Die DSAG hat dazu Gremien, in denen Anwender sich intensiv austauschen können.

Herr Oczko, vielen Dank für das Interview!

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