Schwache Hardware-Verkäufe nagen auch am Gewinn

IBM schrumpft weiter

Seit dem Jahr 2011 hat IBM mit chronischem Umsatzschwund zu kämpfen. Lag der Umsatz 2011 bei 107 Mrd. Dollar, blieben 2012 noch 104,4 Mrd. und im vergangenen Jahr trotz günstiger Wechselkurse nur 99,8 Mrd. Dollar Umsatz. Dennoch gelang es durch Sparen, den Verkauf nicht so lukrativer Sparten, einer geringeren Steuerquote und den Zukauf Gewinn versprechender Firmen den Profit über den Prognosen der Analysten zu halten – auch wenn er 2013 um ein Prozent auf 16,5 Mrd. Dollar eingeschmolzen ist. Die Hardware-Sparte bereitete einfach zu große Probleme. Eine Konsequenz: Das Topmanagement erhält keinen Bonus.

Martin Schroeter, neuer Finanzvorstand der IBM: „Wir sind uns aber auch darüber klar, dass die Power-Plattform frühere Umsatzniveaus nicht mehr erreichen wird. Wir werden Maßnahmen ergreifen und das in einem neuen Geschäftsmodell berücksichtigen.“

IBM hat vor allem an schwachen Hardware-Verkäufen zu knabbern. Der Umsatz der Systems & Technology Group (STG) schrumpfte 2013 um 19 Prozent auf 14,4 Mrd. Dollar, im Schlussquartal sogar um 26 Prozent auf 4,3 Mrd. Dollar. Das verursachte letztlich im 4. Quartal einen Umsatzrückgang um mehr als 5 Prozent auf 27,7 Mrd. Dollar ein; der Gewinn wuchs dennoch dank einer geringeren Steuerquote im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar.

Die Server sind also das große Sorgenkind, auch wenn die Service-Sparte gleichfalls schwächelte. Schon in diesem Jahr soll die STG aber laut Martin Schroeter, der gestern als neuer Finanzvorstand erstmals die Bilanzzahlen präsentierte, keinen negativen Einfluss mehr auf die „Gesamtperformance“ der IBM mehr haben. 2013 habe die STG 1,7 Mrd. Dollar weniger Gewinn gemacht als noch 2012, allein im 4. Quartal sei der STG-Gewinn um über 750 Mio. Dollar geschrumpft. Immerhin sei die STG auch dank des Stellenabbaus im 4. Quartal mit 200 Mio. Dollar wieder profitabel gewesen – und sollte 2014 den Gewinn nicht mehr beeinträchtigen. „Flat-Profit ist aber nicht das langfristige Geschäftsmodell für die STG“, betonte Schroeter. 2015 sollte ein neuer Mainframe-Produktzyklus den Gewinn steigern – und auch Power8 gibt Anlass zu Optimismus.

Vielversprechend entwickeln sich auch die im April 2012 vorgestellten Pure Systems: Im 4. Quartal will IBM über 2.500 dieser Maschinen geliefert haben, was bisher insgesamt mehr als 10.000 installierte Systeme weltweit bedeutet.

„Wir kämpfen mit einigen Herausforderungen in unserem Hardware-Geschäftsmodell für die Power-, Speicher- und x86-Systeme“, erklärte Schroeter die Schwächephase im 4. Quartal. Der Umsatzrückgang bei den Mainframes dagegen sei durch den Produktzyklus bedingt und nach einem sehr guten Vorjahr eingeplant gewesen. Der Power-Umsatz brach um 31 Prozent ein, obwohl IBM laut Schroeter „signifikante Kapazitäten“ ausliefern und den Marktanteil im Unix-Markt halten konnte. Offenbar hat der Preiskampf mit den verbliebenen Unix-Protagonisten Oracle und HP – Schroeter spricht nur von einem „deutlich verbesserten Preis/Leistungsverhältnis“ – viel Umsatz gekostet.

Um das Geschäftsmodell für die Power Systems zu verbessern, will man die Plattform relevanter für die Kundschaft machen. Erste Maßnahme sei die Einführung der „Integrated Facility for Linux“ (IFL), mit der sich – ähnlich wie beim Mainframe – Linux-Workloads kostengünstig auf vorhandene Server verlagern lassen. Außerdem werde die Linux-Relevanz der Plattform mit der Einführung der Power8-Prozessoren im Verlaufe des Jahres durch zusätzliche „Big Data“- und Cloud-Features weiter erhöht. Und durch das im August 2013 von IBM, Google, Nvidia, Mellanox und Tyan ins Leben gerufen Open Power Foundation soll ein „Ökosystem“ für Entwickler entstehen, dem am Montag auch die chinesische Suzhou Power Core Technology Company und das Research Institute of Jiangsu Industrial Technology beigetreten sind. „Wir sind uns aber auch darüber klar, dass die Power-Plattform trotzdem frühere Umsatzniveaus nicht mehr erreichen wird“, so Schroeter weiter. „Wir werden Maßnahmen ergreifen und das in einem neuen Geschäftsmodell berücksichtigen.“

www.ibm.de

Bildquelle: IBM

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