Mit HR-Software Mitarbeiter gezielt weiterqualifizieren

IT-Fachkräftemangel hausgemacht?

Es gibt keinen Fachkräftemangel – so lautet die These im aktuellen Buch „Mythos Fachkräftemangel“ von Martin Gaedt. Während Topunternehmen sich diesem Statement anschließen können, hat der IT-Mittelstand sehr wohl wachsende Probleme, im Personalmarketing-Wettkampf aufzufallen. Was also tun, wenn die Möglichkeiten des eigenen Employer Brandings zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter limitiert sind? Wir fragen Dr. Ralf Gräßler vom HR-Experten Veda aus Alsdorf, warum Personalplanung für den Mittelstand immer wichtiger wird.

Dr. Ralf Gräßler, Veda GmbH

Die Gleichung „Fachkraft = Fachwissen“ geht meistens auf. Einfacher als das Finden von Fachkräften in einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt ist gerade im Mittelstand das Entdecken oder Erweitern vorhandener Kompetenzen. Dem Mittelstand muss bewusst werden, dass viel Fachwissen und damit „neue Talente“ unentdeckt im Unternehmen schlummern und vor allem, dass Neueinstellungen die teuerste und unsicherste Variante der Deckung von Personalbedarf sind. Einfacher und sicherer: Gute Mitarbeiter im Unternehmen halten, fördern und verstecktes Wissen im Unternehmen identifizieren. Dazu gehört ein Maßnahmenbündel, das Personalarbeit und -planung in den Mittelpunkt stellt. Hier denkt der Mittelstand vielleicht noch zu patriarchalisch – man kennt seine Pappenheimer doch alle und weiß genau, wo ihre Grenzen sind. Wirklich?

Die Boston Consulting Group hat bereits 2011 zusammen mit dem Weltwirtschaftsforum sieben Antworten auf den Fachkräftemangel formuliert. Die erste: Strategische Personalplanung ist ein Muss! Sie erlaubt es Unternehmen, über einen Horizont von fünf bis zehn Jahren, quantitativ einschätzen zu können, ob und wo sich in den kommenden Jahren Kapazitätsrisiken einstellen.

Hoch relevant ist es, bei dieser Einschätzung sowohl den Personalbestand als auch den langfristigen Personalbedarf zu berücksichtigen, um frühzeitig passende Maßnahmen zu initiieren. Quintessenz der Studie: Unternehmen, die ihren Personalbedarf nicht strategisch planen, werden in fünf bis zehn Jahren zu den Verlierern auf dem Markt gehören.

Wir fragen Dr. Ralf Gräßler vom HR-Gesamtlösungsanbieter Veda aus Alsdorf, warum Personalplanung für den Mittelstand immer wichtiger wird.

Dr. Ralf Gräßler über Personalplanung im Mittelstand

Herr Gräßler, wenn Mittelständler wissen, welche Fachleute sie haben und brauchen: Wie lässt sich dann der Personalbestand effektiv nutzen und der ausgemachte Bedarf qualitativ decken?
Ralf Gräßler:
Indem ich alle meine Talente kenne und fördere und ihren Einsatz – gemeinsam mit ihnen und anhand der Unternehmensstrategie – plane. Unter dem Oberbegriff Talentmanagement gehören Bildungs- und Wissensmanagement zu den Maßnahmen, ebenso wie Kompetenzmanagement zur Identifikation von Qualifikation und Performancemanagement zur gemeinsamen Zielausrichtung aller Beteiligten.

Dann muss ich auch den externen Aspekt in die Personalplanung einbeziehen, denn ganz ohne Recruiting geht es nicht. Berater sprechen von einem „gesunden“ Verhältnis von 80:20 zugunsten des internen Pools. Dieses Verhältnis sichert uns externe Stärken und andere Sichtweisen von neuen Mitarbeitern, die Abläufe hinterfragen und Routinen aufbrechen.

Schlussendlich muss ich dann noch den externen Aspekt in die Personalplanung einbeziehen, denn ganz ohne Recruiting geht es auch nicht. Berater sprechen von einem „gesunden“ Verhältnis von 80:20 zugunsten des internen Pools. Dieses Verhältnis sichert uns externe Stärken und andere Sichtweisen von neuen Mitarbeitern, die Abläufe hinterfragen und Routinen aufbrechen.

Diese Aufgaben bewältigt der Mittelstand aber nicht allein. Als HR-Software-Anbieter empfehlen Sie wahrscheinlich ein Bündel an Lösungen, das dabei unterstützt?
Gräßler:
Ein „Bündel“ sollte es nicht sein, das klingt ein bisschen unkoordiniert. Wichtig ist eine integrierte Lösungswelt, von der alle Beteiligten profitieren. HR-Software muss von Routinen entlasten, Prozesse strukturieren und Daten intelligent zur Verfügung stellen. Talentmanagement bezieht Mitarbeiter und Führungskräfte ganz stark ein.

Hier brauchen wir Lösungen, die dieses Mitmachen unterstützen, Self-Services beinhalten und eine einfache Benutzerführung bieten. Letzteres ist inzwischen zum Grund Nummer eins geworden, warum Unternehmen neue HR-Software anschaffen: Mitarbeiter sind aus dem privaten Gebrauch von Smartphones oder Tablets einen einfachen Umgang mit Software gewohnt.

Was macht eine gute Lösung aus – z.B. im Kompetenzmanagement?
Gräßler:
Kompetenzmanagement unterstützt HR bei der Identifikation und Nutzung sowie dem Controlling unternehmensweiter Wissenspotentiale. Die Frage, ob der richtige Mitarbeiter auf dem richtigen Platz ist, wird nicht dem Zufall überlassen. In einem softwaregestützten Prozess wird Kompetenz von der Einstellung bis zum Austritt hinweg definiert, identifiziert und begleitet.

Im Rahmen dieser Strategie muss HR-Software jederzeit die zentrale Frage beantworten können, welches Wissen im Unternehmen abrufbar ist und zukünftig benötigt wird. Durch die ganzheitliche Verknüpfung von Potenzialbewertung und Qualifikationsmaßnahmen gewährleistet HR-Software zudem einen leistungs- und qualifikationsgerechten Personaleinsatz, der auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert.

Hauptziel im Kompetenzmanagement ist die Sicherung zukünftiger Leistung: Welche Kompetenzen müssen wir schon heute gemeinsam erarbeiten, damit wir übermorgen noch wettbewerbsfähig sind?

Sie haben gesagt, dass dieses gemeinsame Erarbeiten von Zielen auch Inhalt des Performancemanagements ist. Schaffen es Mittelständler damit, dass die Mitarbeiter sich aktiv beteiligen und können so die Talente in der eigenen Belegschaft entdecken, fördern und eine Beziehung zu ihnen aufbauen?
Gräßler: 
Ja, genau. Die Aufgaben von Kompetenz- und Performancemanagement – so wie wir es bei Veda verstehen und auch leben – sind eng verbunden. Performancemanagement kombiniert die Unternehmensziele mit den Leistungszielen und -wünschen der Mitarbeiter. Durch die Kombination von Motivation und Leistungserfolg entsteht für Arbeitgeber und Mitarbeiter eine Win-Win-Situation. Allerdings nicht von alleine, hier ist viel Kulturarbeit nötig.

Eine wichtige Voraussetzung ist, dass jeder Mitarbeiter bereit ist, seine Motivation, sein Können und seine Ziele im Dialog zu reflektieren und offen zu legen. Damit Mitarbeiter diese Bereitschaft zeigen können, benötigen sie eine passende Unternehmenskultur und Führungskräfte, die ein vertrauensvolles Miteinander und auch Leistung fördern.

Diese geförderte und geforderte Leistung ist ja nicht auf Dauer abrufbar. Wer heute noch gut „performt“, kann vielleicht übermorgen die Anforderungen nicht mehr erfüllen. Wie geht man im Talentmanagement mit dem heißen Eisen „lebenslanges Lernen“ um?
Gräßler: 
Bei der Personalbedarfsplanung geht es nicht nur darum, einmalig das richtige Talent für die richtige Position zu finden, da stimme ich Ihnen zu. Es geht vor allem um die stetige und gezielte Weiterentwicklung der Talente durch Training und Weiterbildung.

„Gezielt“ heißt in diesem Zusammenhang, dass Weiterbildung auf die Potenziale und Ziele des Mitarbeiters ausgerichtet ist. Zum anderen heißt „gezielt“, dass der Blick auf die Unternehmensziele im Vordergrund steht.

Ein unternehmensinternes Weiterbildungsmanagement fördert den effektiven Transfer maßgeschneiderter Lerninhalte, berücksichtigt individuellen Lerngewohnheiten und prüft Weiterbildungsbedarfe regelmäßig anhand der Unternehmensziele. Auch hier kann Software wunderbar unterstützen – und Überblick und Kennzahlen bieten. 

Welche Anforderungen steht im Bereich Recruiting im Vordergrund?
Gräßler:
Den „neuen“, anspruchsvollen Bewerber gewinnt man durch Wertschätzung und Kommunikation. Essenziell ist daher die Unterstützung durch Software, die nicht nur den Recruitingprozess von Routinen entlastet und Abstimmungsprozesse managt, sondern durch zielgruppengerechte Ansprache das Employer Branding unterstützt. So bleibt Raum für die Hauptperson: Den Mitarbeiter.

Herr Gräßler, vielen Dank für das Interview!

www.veda.net

Bildquelle: Veda

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok