SAP-Systemhäuser ändern ihre AGB

Logische Konsequenz

Nachdem die SAP ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen im Sommer geändert hat, um juristischen Vorstößen von Gebrauchsoftwarehändlern die Spitze zu nehmen, ziehen jetzt die SAP-Systemhäuser auf breiter Front nach. Das ist logisch, weil sie ja SAP-Lizenzen weiterverkaufen und damit ohnehin einen Großteil der SAP-AGB übernehmen.

Gebrauchtsoftwarehändler Axel Susen zu SAP-Lizenzverträgen: „Bisherige Einschränkungen fallen weg und geben dem Kunden mehr Freiheit“.

Wer SAP-Software rechtmäßig nutzen will, muss auch die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Walldorfer ERP-Marktführers akzeptieren. Die machten früher es so gut wie unmöglich, einmal erworbene SAP-Lizenzen weiterzuverkaufen – zum Beispiel weil die Userzahl gesunken ist, weil eine Tochtergesellschaft auf Microsoft Dynamics umgestellt wurde oder weil SAP CRM durch Salesforce.com ersetzt wurde. Nicht einmal die Insolvenzverwalter hatten gute Karten, wenn sie die Konkursmasse nach einer Pleite des Lizenzinhabers auf diesem Weg vergrößern wollten. Dabei kann es durchaus um sechs- bis siebenstellige Eurobeträge gehen.

Wegen dieser Knebelverträge zog der Gebrauchsoftwarehändler Susensoftware GmbH, Herzogenrath, gegen SAP vor das Landgericht Hamburg. Das erklärte im Oktober 2013 einige Passagen aus den AGB von SAP für rechtswidrig, die den Weiterverkauf und die Wartung der Unternehmenssoftware regeln. Zwar hatte SAP zunächst Berufung gegen das Urteil eingelegt –diese aber im Juli zurückgezogen und lieber die kritischen Passagen AGB leicht so geändert, dass sie dem Urteil Rechnung tragen. Jetzt ist es möglich, mit einem Schlag den gesamten Lizenzbestand zu veräußern – etwa bei einer SAP-Ablösung oder im Falle der Insolvenz. Für Betriebe, die ihre SAP-Lizenzen nur teilweise veräußern wollen, hat sich wenig geändert.

Eine Voraussetzung für die Nutzung von Gebrauchtlizenzen ist z.B. ein gültiger Wartungsvertrag. Das ist im Moment ein Knackpunkt, denn Händler wie Axel Susen werden in der Regel Zeit brauchen, bis sie für gebrauchte Lizenzpakete Interessenten finden. Der Verkäufer wird nicht weiter für die nunmehr unbenutzten Lizenzen Wartungsgebühren zahlen, Susen wohl kaum sein Risiko erhöhen wollen und der Käufer keinerlei Interesse daran haben, Wartungsgebühren für die Übergangsfrist nachzuzahlen, in der die Software ruhte. Da SAP die Reaktivierung eines ruhenden Wartungsvertrages sehr teuer macht, dürfte der Spareffekt bei Gebrauchtsoftware wegfallen. Hier kommen dann Anbieter von Fremdwartung wie Rimini Street ins Spiel.

„Jetzt zieht auch das größte deutsche SAP-Systemhaus nach“, erklärte die Susensoftware GmbH gestern mit Verweis auf das rechtskräftige Hamburger Urteil. Auch die All for One Steeb AG werde entsprechende Änderungen in den eigenen AGB umsetzen und „rechtswidrige Passagen verbessern“. Laut Susen fallen „bisherige Einschränkungen dann weg und geben dem Kunden mehr Freiheit“.

Ob das viel mehr Freiheit ist, sei einmal dahin gestellt. Das werden voraussichtlich die Juristen in Zukunft klären müssen. Denn eines ist klar: Die SAP ist „not amused“ über Susens Geschäftsmodell. Und das ist auch noch längst nicht Mainstream. Beim größten SAP-Haus All for One Steeb beispielsweise sind nach Informationen von DV-Dialog nur bei ein bis zwei Prozent aller Neuabschlüsse von Verträgen gebrauchte Lizenzen überhaupt ein Thema.

Eines ist aber auch klar: Die IT-Chefs brauchen einfachere Lizenzmodelle und -verträge, ein nachvollziehbares Pricing sowie Investitionsschutz über einen längeren Zeitraum. Oder wie der Anwenderverein DSAG es auf seiner Homepage überdeutlich formuliert: „Eine SAP-Preisliste, welche klar und verständlich ist!“ Dann legt er dort den Finger in die Wunde: Die Preisliste sei „zu umfangreich, kompliziert im Aufbau und schlecht lesbar“. Das heutige SAP-Lizenzmodell sei „ein Korsett für die Unternehmung“. Und bei Abgabe einer neuen Preisliste seien die Veränderungen zur Vorgängerin „transparent dem Kunden zu deklarieren“.

www.susensoftware.de

www.sap.de

www.dsag.de

Bildquelle: Susensoftware GmbH

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