Symphony Technology verkauft ERP-Hersteller

Marlin erwirbt IBS

In der wechselvollen Geschichte des schwedischen ERP-Herstellers IBS wird ein neues Kapitel aufgeschlagen – durch den Verkauf an Marlin Equity Partners. Weitere Details wie zum Beispiel der Kaufpreis sind nicht bekannt. Die weltweit aktive Investmentgesellschaft aus Kalifornien mit über 3 Mrd. Dollar verwaltetem Vermögen sieht aber durchaus Wachstumschancen für die seit 15 Jahren schwächelnde IBS.

Gegründet 1978, ist International Business Systems heute ein weltweit – auch in Deutschland – aktiver Anbieter von ERP-, Lager- und Supply-Chain-Software mit Stärken in der Warenwirtschaft. Mit dem neuen Investor will IBS-CEO Douglas Braun „schneller in unsere Produkte und Dienstleistungen investieren, um unsere Wertschöpfung für die Kunden zu verbessern.“ Das tut nach schweren Zeiten und vielen Änderungen bei Management und Eigentümern auch Not.

Von den Gründern über Deccan und Symphony zur Marlin

Verkäufer ist die Symphony Technology Group, die IBS nach Jahren der Krise 2011 für 24,5 Mio. Euro von der Investmentgesellschaft Deccan Value Advisors übernommen hatte. Die ihrerseits war im Jahr 2008 eingestiegen. So kann so Brauns Statement in der Presseinformation nicht überraschen: Die Akquisition sei „eine durchaus gute Nachricht“ für das Unternehmen selbst, aber auch für die „Kunden, Partner, Lieferanten und alle, die Beiträge zu IBS leisten“. Laut Braun gibt es Kunden in mehr als 40 Ländern – zum Beispiel die Großhändler AEP und Fricke oder auch Miele und Zwilling.

IBS mit Hauptsitz in Stockholm und zwei Niederlassungen im deutschsprachigen Raum (in Hamburg und Oberdiessbach, Schweiz) blieb aber auch trotz dieser Eigentümerwechsel und diverser Ankündigungen auf Schrumpfkurs und hatte weiter mit Verlusten zu kämpfen. IBS gehört zu den langjährigen ERP-Partnern der IBM, mit der gemeinsam auch Hardware/Software-Pakete als sogenannte „IBM i Solution Editions“ angeboten werden.

Langjähriger IBM-Partner

Ende der 90er-Jahre gehörte IBS gemeinsam mit JBA und den deutschen Softwarehäusern wie Gus oder PSI zu den ausgewählten Partnern, die IBM für das letztlich im Sande verlaufene Entwicklungsprojekt „San Francisco“ um sich geschart hatte. Das ehrgeizige Ziel: Unter der Leitung des deutschen IBM-Managers Peter Kirn sollte ein globales Anwendungs-Framework mit wieder verwendbarer Standardfunktionalität entstehen, mit dem IBM-Partner wesentlich schneller neue Anwendungssoftware zur Marktreife bringen sollten.

Zahlen zu Umsatz, Gewinn oder Größe der Belegschaft von IBS waren bisher nicht zu erfahren. Nur die Menge der Kunden wurde beziffert – mit „mehr als tausend“. Zu den Glanzzeiten zählte IBS über 2.000 Mitarbeiter und rund 5.000 Kunden für seine RPG-Software, die mittlerweile in Java neu entwickelt worden ist und auch auf Windows-Servern läuft. Der neue Investor will nach den Worten von Shawn McMorran, Partner bei Marlin London, IBS dabei helfen zu wachsen – „sowohl organisch als auch durch Akquisitionen“.

Der Investor hat übrigens Erfahrung mit Softwarehäusern aus der AS/400-Welt. Zu Marlins Portfolio gehörten zum Beispiel die beiden Firmen Solarsoft und Aldon, die aber inzwischen an Epicor bzw. Rocket Software weiter verkauft worden sind. Übernahme und Weiterverkauf von Firmen ist das Geschäftsmodell von Marlin – und würde auch eine logische Fortsetzung im nächsten Kapitel der Firmengeschichte von IBS sein.

www.ibs.net/de

www.marlinequity.com

www.symphonytg.com

Bildquelle: Tony Hegewald / Pixelio.de

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok