Anwender befürchten weitere Einbußen in der Support-Qualität

Oracle-Support wird rumänisch

Die Spatzen pfeifen es schon seit 2014 von den Dächern: Oracle spart beim Software-Support. Die Gerüchte um den Stellenabbau im europäischen Support bewahrheiten sich schon Ende März, meldet heute die Deutsche Oracle-Anwendergruppe e.V. (DOAG), die rund 7.300 Mitglieder vertritt. Dann soll der Support für die deutschen Kunden nach Rumänien verlegt werden.

Es wird nicht nur Oracles Supportzentrum für Software-Produkte in Deutschland zum 31. März geschlossen, wobei rund 150 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Neben Deutschland trifft es auch die Supportzentren in Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich. Insgesamt sollen 450 Stellen wegfallen.

Die DOAG beruft sich auf Mario Kowalski, Customer Support Country Leader bei Oracle Deutschland. Ziel der Maßnahme sei die Verlegung des Supports nach Rumänien. Dort solle er quantitativ größer aufgestellt werden; genaue Mitarbeiterzahlen sind jedoch bisher nicht bekannt. Oracle selbst nahm auf Anfrage von DV-Dialog bisher nicht Stellung.

Viele offene Fragen

Für die Kunden ergeben sich daraus viele offene Fragen hinsichtlich der Gestaltung der Übergangszeit und der zu erwartenden Auswirkungen auf die Support-Qualität, um die es ohnehin schon schlecht bestellt ist. Die DOAG befürchtet hier einen „zumindest kurzfristigen Qualitätsverlust in der Übergangsphase“.

Wichtig sei aus Kundensicht vor allem, „ob Oracle in der Lage sein wird, die Qualität des Supports sowohl qualitativ als auch quantitativ aufrecht zu erhalten“, so Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG. „Entscheidend wird dabei sein, wie der Übergang Ende März reibungslos durchgeführt werden kann. Nichtsdestotrotz bedauert die DOAG sehr, dass Oracle Deutschland sich von vielen langjährigen Mitarbeitern verabschiedet und dadurch sehr viel Know-how in Deutschland verloren geht.“

Kannitverstan

Auch Christian Trieb, Leiter des Kompetenzzentrums Support bei der DOAG, wünscht sich eine möglichst komplikationsfreie Übergangszeit, „denn erst langfristig wird sich herausstellen, wie sich die Servicequalität entwickelt und welche Rolle mögliche Schwierigkeiten in der sprachlichen Verständigung dabei spielen.“ Wie die Kunden mit dem neuen Support aus Rumänien zurechtkommen, werde sich im Herbst bei der erneut geplanten DOAG-Umfrage zur Qualität des Oracle-Supports zeigen.

Oracle spart nicht nur in Europa, sondern auch in Australien. Auch dort soll Medienberichten zufolge Ende Februar das Supportzentrum geschlossen werden. Auch dazu gibt es keine Kommentare des Herstellers. Das Unternehmen Rimini Street, ein Anbieter von Fremdwartung für Oracle-Kunden, beobachtet jedenfalls bereits eine ungewöhnlich große Zahl von Oracle-Experten auf dem Arbeitsmarkt, die zuvor in dem Supportzentrum gearbeitet haben.

Bei Neueinstellungen ist Oracle übrigens nicht so schweigsam wie bei Entlassungen. So hat die gute geölte Vertriebsmaschine jetzt bekannt gegeben, dass in Europa 1.400 neue Verkäufer eingestellt werden – und in der Region Asia Pacific ebenfalls 1.000. Ob diese Handlungsweise kundenorientiert ist, darf bezweifelt werden.

www.doag.de

www.oracle.de

www.riministreet.com/de

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