Virginia Rometty übernimmt das Zepter ganz

Palmisano verlässt IBM

Der Verwaltungsrat von IBM hat CEO Virginia Rometty (55) zur Vorsitzenden gewählt. Sie löst am 1. Oktober Sam Palmisano (61) an der Spitze des höchsten Kontrollgremiums ab, wie sie ihn schon zu Jahresbeginn als CEO beerbt hatte. Palmisano bleibt kurze Zeit Berater bei IBM, bis er am 1. Dezember in Rente geht.

  • Sam Palmisano (61), seit 2002 an der Spitze der IBM, geht am 1. Dezember in Rente

  • CEO Virginia Rometty wird Vorsitzende des Verwaltungsrates der IBM

Palmisano hatte 2002 Lou Gerstner als Konzernchef abgelöst und ist seit 2003 auch Vorsitzender des Verwaltungsrats. Hatte Gerstner den taumelnden Computerriesen aus der existentiellen Krise geführt, trimmte Palmisano IBM strikt auf Rentabilität. Er kaufte zahlreiche Softwarehäuser und IT-Dienstleister auf, angefangen mit PricewaterhouseCoopers über Rational, Informix, Candle, Filenet, Telelogic, Ilog, SPSS, Sterling Commerce bis hin zu Demandtec Ende 2011, um nur einige der großen Übernahmen zu nennen.

In Palmisanos Amtszeit fällt aber auch die Trennung von Geschäftsbereichen, die nicht genügend Gewinn abwarfen und nicht mehr in das Portfolio eines breit aufgestellten IT-Dienstleisters passten. Am Anfang stand im Dezember 2002 der Verkauf des Magnetplattengeschäftes an Hitachi. Es folgte im Dezember 2004 die spektakuläre Trennung vom PC-Geschäft durch ein Joint-Venture mit Lenovo. Ebenfalls in ein Joint-Venture, diesmal mit dem japanischen Ricoh-Konzern, brachte Palmisano die Druckersparte Infoprint ein; mittlerweile hat Ricoh Infoprint komplett übernommen.

IBM lobt in der Pressemitteilung, dass Palmisano in seiner Amtszeit den Wert des Unternehmens an der Börse um 100 Mrd. Dollar gesteigert habe. Zu seinen Verdiensten zählt auch, dass er IBM ohne – anders als HP oder Dell – große Probleme durch die Wirtschaftskrise des Jahres 2009 steuerte. Andererseits hat IBM in seiner Amtszeit die Führungsrolle im IT-Markt an HP verloren und verlagert zunehmend Jobs in Billiglohnländer.

Seit 2010 veröffentlicht IBM keine Beschäftigungszahlen mehr; Gewerkschaft-ler schätzen, dass alleine in den USA die IBM-Belegschaft von gut 133.000 im Jahr 2005 auf aktuell 92.000 geschrumpft ist. IBM begründet das auch damit, dass die Jobs in die Wachstumsmärkte wandern, also zum Beispiel nach China, Indien, Afrika oder Brasilien. Weltweit betrachtet wächst die IBM-Belegschaft jedenfalls; aktuell sind laut Fortune weltweit 433.362 Mitarbeiter bei dem IT-Konzern beschäftigt. Im Jahr von Palmisanos Amtsantritt 2002 arbeiteten IBM knapp 320.000 Menschen für IBM.

Ganz offensichtlich führt „Ginny“ Rometty, früher eine enge Mitarbeiterin Palmisanos und zuletzt Chefin des Verkaufs, diesen Kurs weiter. Schon in den ersten Monaten als CEO hat sie etliche Unternehmen erworben, darunter nicht nur Softwarehäuser wie Kenexa, Green Hat oder Worklight, sondern auch den Flashspeicher-Hersteller Texas Memory Systems. Auch den ersten Spinoff hat sie im April bereits eingestielt: Den Verkauf der Kassensysteme an Toshiba Tec.

www.ibm.de

www.endicottalliance.org

Bildquelle: IBM

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