IBM mit neuen Highend-Servern, Speichern und Software-Releases

Performance-Push mit Power7+

Im Herbst-Announcement hat IBM heute ein Bündel von 120 neuen Technologien vor-gestellt, um den IT-Herausforderungen im Umfeld von Sicherheit, Cloud Computing und sehr großen Datenmengen zu begegnen. Dazu zählen die überarbeiteten Power-Servermodelle 770 und 780, die erstmals mit dem neuen Prozessor Power7+ ausgestattet sind, das Highend-Speichersystem DS8870, Softwareupdates für die aktuelle Mainframe-Generation sowie der Technologie-Refresh 5 von IBM i 7.1.

  • Der im Sommer vorgestellte Mainframe zEnterprise EC12 umrahmt vom überarbeiteten Power System 770 mit Power7+ (links) und dem Power-Topmodell 795.

  • Testingenieur Scott Reichmann inspiziert in Rochester eines der neuen Power Systems.

„IBM verbessert die Security-, Cloud- und Analytik-Eigenschaften von IT-Infrastrukturen mit neuen Power -, Speicher- und Mainframe-Technologien“, lautet die Überschrift über das aktuelle Herbst-Announcement. Im Fokus steht dabei der neue Prozessor Power7+, der die Leistung der neuen Power-Modelle 770 und 780 „bei vielen Workloads“ gegenüber ihren Vorgängern bei unverändertem Energieverbrauch um bis zu 40 Prozent verbessern soll. Für mehr Datensicherheit und Compliance sorgen soll die neue Security- und Compliance-Software PowerSC, die jetzt Echtzeit-Security-Alerts und ein verbessertes Compliance-Reporting ermöglicht.

Power-Modelle 770 und 780 mit bis zu 829.800 CPW

Auch das Topmodell 795 der Power-Produktlinie wurde verbessert, indem bis zu 16 TB Hauptspeicher mit neuen 64-GB-Dual-In-Line-Memory-Modulen (DIMM) zum Einsatz kommen können. Der Power7+ wurde hier allerdings noch nicht eingebaut.

Upgrades auf die neuen Modelle Power 770 und 780 sind von Power6- und Power7-Maschinen aus möglich. Das Modell 770 kann mit vier, acht, 12 oder 16 Prozessor-Chips bestückt werden, wahlweise mit 3 oder 4 Power7+-Cores; auf das technisch mögliche Dual-Chip-Modul (DCM) wird noch verzichtet. Also gibt es 770-Varianten mit minimal 12 und maximal 64 Power7+Cores, die mit 3,8 oder 4,2 GHz getaktet sind und eine CPW-Leistung zwischen 90.000 und 379.300 CPW bieten. Die bisherigen Power7-Modelle bleiben im Angebot.

Das neue Modell 780 kommt in Varianten mit der identischen Prozessor-Chipzahl, aber mit jeweils vier oder acht Cores und mit 4,42 bzw. 3,72 GHz getaktet. Den bisherigen Turbocore-Modus gibt es nicht mehr; vielmehr arbeiten die neuen 4-Core-Modelle quasi im permanenten Turbocore-Modus, was sich bei den Software-Lizenzkosten in der Unix/Linux-Welt spürbar bemerkbar machen kann. Hier hatten Hersteller wie Oracle den Turbocore-Modus nicht berücksichtigt und bei den Software-Lizenzen immer die maximal mögliche Zahl aktiver Cores zugrunde gelegt.

Der CPW-Range der neuen 780-Modelle liegt zwischen 123.500 und 829.800 CPW für das Modell mit 128 Cores. Preise wurden noch nicht genannt; lieferbar sind beide Modelle ab dem 19. Oktober. Vermisst wird noch die Unterstützung des aktuellen Standards „Peripheral Component Interconnect Express“ (PCIe oder PCI-E) 3.0 direkt durch den Prozessor , etwa zur schnellen Verbindung von Massenspeichern mit Power7 (Bandbreite von 10 GBit/s je PCIe-Link). Da Power7 PCIe-Gen2 unterstützt, wird der Anschluss noch über ein spezielles Hub-Chip (P7IOC) realisiert, der vom Prozessorbus GX++ nach PCIe 3.0 übersetzt. Die nächste Prozessorgeneration soll dann PCIe-Gen3 direkt aus dem Chip heraus treiben.

Der Prozessor Power7+ hat mit 80 MB zweieinhalbmal mehr Level3-Cache-Speicher auf dem Chip, eine schnellere Dateiverschlüsselung für AIX und Hauptspeicherkompression. Im Labortest hat IBM bei den neuen Power7+-Maschinen 20 bis 30 Prozent mehr Performance pro Core gemessen; bei Java-Anwendungen sollen die Server daher 40 Prozent schneller sein als mit Power7, bei klassischen OLTP- und ERP-Umgebungen immerhin 30 Prozent.

Technologie-Refresh 5 für IBM i 7.1

Mit dem Technologie-Refresh (TR) 5 für IBM i 7.1 erweitert IBM ab 9. Oktober vor allem die Stärken bei der Selbstverwaltung der eingebauten Datenbank DB2, die SQL-Befehle sowie die Performance beim Symmetrischen Multi-processing. Ebenfalls erweitert wurden die XML-Services um eine sprachen-unabhängige Methode für den Zugriff auf native IBM-i-Objekte, sei es lokal oder remote. Mit neuen Funktionen für die Datensicherungssoftware BRMS können jetzt auch vernetzte BRMS-Installationen gemanagt und automatisiert werden. Auch aktuelle Releases ausgewählter IBM-Softwareprodukte (wie z.B. Websphere Application Server V8.5) werden nunmehr auf dem OS/400-Nachfolger unterstützt, ebenso JTOpen Lite für den Zugriff auf Host-Daten von mobilen Java-Applikationen auf Smartphone oder Tablet aus.

Ebenfalls neue mit dem TR5 für für IBM i 7.1 sind Cloud-Features, etwa Erweiterungen beim Systems Director VMControl für die rasche Inbetriebnahme virtueller Appliances oder SmartCloud Entry for IBM i als einfach zu installierende und zu betreibende Private-Cloud-Lösung. In einem „Statement of Direction“ kündigte IBM zudem Pläne an, mit dem Image Construction and Composition Tool auch IBM i zu unterstützen. Ebenso wurde auch PowerVM Live Partition Mobility für IBM-i-Partitions auf den neuen Pureflex-Systemen in Aussicht gestellt.

Aufbau virtualisierter privater Clouds erleichtert

Zusätzlich will IBM mit der Power Systems-Familie den Bau privater Clouds oder von Managed-Service-Infrastrukturen besser unterstützen, damit diese auch dynamisch auf Veränderungen in den Anwendungs- und Workload-Anforderungen angepasst werden können. Das Festure „Elastic Capacity on Demand for Power Systems Pools“ ermöglicht das Teilen von Ressourcen über mehrere Server der Baureihen Power 780 oder 795. Dies erhöht die Verfügbarkeit, durch den Zugang zu Ressourcen auch während geplanten und ungeplanten Wartungsaktivitäten. Zudem lässt sich die Effizienz bei Platz- und Energieverbrauch laut Hersteller um bis zu 56 Prozent verbessern.

Um schnell Ressourcen auszubalancieren, lassen sich in mit PowerVM v2.2.2 verwaltete Cloud-Infrastrukturen jetzt individuelle Serverpartitionen einfacher als bisher verschieben. Einzelne virtuelle Maschinen können bis zu dreimal schneller verschoben werden und gleichzeitig stattfindende Migrationen können bis zu 4,7 mal schneller als bei vorherigen Versionen erfolgen. Außerdem wurde die Granularität von PowerVM verbessert; nunmehr lassen sich damit bis zu 20 Virtuelle Maschinen (VMs) pro Core definieren, doppelt so viele wie bisher. Das Topmodell 795 könnte damit im Maximalausbau theoretisch 5.120 virtuelle Maschinen beherbergen – praktisch ist diese Zahl aber auf 1.000 begrenzt, immer noch eine von Betriebssystem und Administrator heute wohl noch nicht beherrschbare Vielzahl.

Viel Neues an der Speicherperipherie

Als leistungsstärkstes Mitglied der Speichersystemfamilie DS8000 ist das Modell DS8870 durch den Einsatz des Power7-Prozessors und bis zu 1TB Systemcache bis zu dreimal schneller als sein Vorgänger DS8800, hat IBM gemessen. Zusätzlich bringt die DS8870 standardmäßig selbstverschlüsselnde Laufwerke, verbraucht bis zu 30 Prozent weniger Energie als der Vorgänger und erfüllt laut IBM „selbstverständlich“ die Elektronikschrottverordnung RoHS II der EU.

Das neue Speichersystem XIV G3 „Entry“ ist für kleinere Kunden gedacht, die nicht die hohe Skalierbarkeit der größeren Modelle benötigen. Eine neue Multi-Management-Software hilft, mehrere XIV-Systeme wie ein einen einzigen Speicher zu betreiben und zu verwalten. Ebenfalls neu ist der Openstack-Nova-Treiber für einfache Speicherprovisionierung in der Cloud.

Auf der Bandspeicherseite wurde die Systemsoftware der Virtual Tape Library TS7700 überarbeitet und die neue Generation LTO6 in Form von Medien und Bandlaufwerken angekündigt. Die neue Version 3.0 bietet ein neues Niveau mit End-to-end-Verschlüsselung und die Fähigkeit, bis zu sechs TS7700 in einer Gridarchitektur miteinander zu verbinden – für schnellen Zugang zu Informationen sowie Redundanzfunktion. Außerdem unterstützen die Betriebssysteme IBM i 7.1 und IBM i 6.1 nun auch Wechselspeicher im RDX-Format, als Nachfolger kostengünstiger Bandspeicher-Oldtimer wie DAT160, QIC oder LTO2.

Wenn man bedenkt, dass IBM auf DCMs noch ebenso verzichtet wie auf den Einbau der schnellen Prozessoren in die Einstiegs- und Midrange-Modelle der Power-Familie, gibt es noch viel Luft für weitere Performance-Schübe. Der Druck der Serverrivalen HP und Oracle/Suns scheint derzeit auch nicht so groß wie früher; beide sind wohl mehr mit sich selbst beschäftigt. Die Nutzung von 3- und 4-Core-Chips und der Start mit Power7+ in den Topmodellen kann aber auch als Indiz dafür gelten, dass der Yield in IBMs Chip-Fabrik East Fishkill noch verbessert werden muss, um die für den Lowend-Markt nötigen Stückzahlen wirtschaftlich produzieren zu können.

www.ibm.de

Das Herbst-Announcement der IBM vom 3. Oktober

IBM i 7.1 Technology Refresh 5 offers performance, usability, and integration enhancements

Bildquelle: IBM

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