Interaktion von Mensch und Maschine in der Fabrik gefragt

„Smart Factory“: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Industrieausrüster und Unternehmen der Automobilindustrie investieren derzeit in neue Technologien zur Vernetzung von Mitarbeitern und Maschinen. Kollaborative Roboter, Wearables und künstliche Intelligenz sind fester Bestandteil ihrer Strategie zur Steigerung der Produktivität. Dennoch hapert es oft noch bei der Umsetzung ihrer Pläne, sodass sie die Vorteile neuer Technologien für die „Connected Industrial Workforce“ bisher nicht voll nutzen können, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Accenture.

Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland

Die Umfrage „Machine dreams: Making the Most of the Connected Industrial Workforce“ unter 512 Entscheidern in China, Frankreich, Deutschland, Japan und den USA, die in ihren Unternehmen für Vernetzung und Digitalisierung in der Produktion zuständig sind, belegt den raschen Wandel hin zu einer engen Verzahnung von Maschinen, künstlicher Intelligenz und den Mitarbeitern in der Fertigungsindustrie. So entsteht eine „Connected Industrial Workforce“, die in ihrer Arbeit von einer Kombination aus mobilen Technologien wie Wearables, Sicherheits- und Tracking-Technologien und Analytics unterstützt wird.

Die Studie zeigt, dass die Vernetzung der Mitarbeiter in der Fertigung bei der großen Mehrheit (94 Prozent) der Befragten bereits fester Bestandteil der Geschäftsstrategie ist. In den kommenden fünf Jahren planen sie rund ein Viertel der gesamten Forschungs- und Entwicklungsausgaben - also bis zu 220 Mrd. Euro - für die Vernetzung von Mensch und Maschine zu investieren. Das ergäbe eine Investitionssumme in Höhe von 181 Mrd. Euro für Unternehmen der Automobilindustrie und 39 Mrd. Euro für Industrieausrüster.

„Intelligente Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben in der Fabrik, doch der Mensch wird weiterhin im Mittelpunkt stehen. Die kollaborativen Roboter und mobilen Technologien unterstützen den Arbeiter bei seiner Tätigkeit, indem sie ihm stark repetitive oder gefährliche Aufgaben abnehmen und eine höhere Produktivität ermöglichen“, sagt Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung von Accenture Deutschland. „Technik unterstützt die Mitarbeiter, ihre Arbeit effizienter zu verrichten und Abläufe zu verbessern, wird sie aber nicht ersetzen.“

Zögernd statt zupackend

Obwohl die befragten Fertigungsunternehmen klare Vorteile in der Vernetzung von Mensch und Maschine sehen, sind sie bei der Umsetzung von konkreten Projekten bisher zögerlich. So hat weniger als ein Viertel der Unternehmen (22 Prozent) bereits umfassende Lösungen für die „Connected Industrial Workforce“ in der eigenen Fertigung implementiert. 85 Prozent der Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen beim Einsatz von digitalen Technologien nur als Mitläufer oder gar Nachzügler, jedoch nicht in einer führenden Position.

Einer der Stolpersteine ist die technische Umsetzung bei der Vernetzung von Mensch und Maschine. Mehr als drei Viertel (76 Prozent) aller befragten Führungskräfte sehen in der fehlenden Datensicherheit ein mittleres oder großes Risiko; um den Sicherheitsrisiken zu begegnen, wird vielerorts die IT-Infrastruktur ausgebaut. 72 Prozent der Befragten stufen die Komplexität und die damit verbundenen Gefahren als mittleres oder großes Risiko ein. Für sieben von zehn Entscheidern (70 Prozent) stellt der Mangel an ausreichend qualifizierten Mitarbeitern ein solches Risiko dar.

Mensch im Mittelpunkt

Die große Mehrheit (85 Prozent) der Befragten ist der Ansicht, dass sich der Fokus in der Produktion zunehmend in Richtung Interaktion von Mensch und Maschine verschieben wird. In Zukunft werden kollaborative oder komplett autonome Maschinen und von Menschen angelernte Roboter den Mitarbeiter in der Fabrik unterstützen und so seine Effektivität steigern.

Insbesondere fahrerlose Transportfahrzeuge - also mobile Roboter, die Materialien in der Fabrik oder der Lagerhalle hin- und her bewegen - spielen hier eine wichtige Rolle. Bei den Befragten fließen bereits mehr als die Hälfte der Investitionen in solche Robotertechnologien. Zudem planen sie in den nächsten fünf Jahren ihre Ausgaben für Roboter zu steigern, die Hand in Hand mit Menschen und außerhalb von Käfigen arbeiten („Collaborative Robots“, kurz Cobots). Hinzu kommen Investitionen in Augmented-Reality-Systeme wie Datenbrillen oder sogenannten Smart Helmets, also mit Minicomputern und Bildschirm ausgestattete Helme.

Vorreiter Automobilindustrie

Von den untersuchten Fertigungsunternehmen, die neue Technologien vor allem zur Steigerung der Produktivität einsetzen wollen, zeigen die Automobilhersteller und ihre Zulieferer das größte Interesse an kollaborativen Robotern, fahrerlosen Transportfahrzeugen und Augmented-Reality-Geräte wie Datenbrillen oder Smart Helmets.

„Die Mensch-Maschine-Schnittstelle ist ein großes Themenfeld der Industrie 4.0“, glaubt Riemensperger. „Deutschland kann hier eine führende Rolle übernehmen, wenn es den Unternehmen gelingt, die Mitarbeiter in Fertigungsunternehmen auf die neuen Aufgaben einzustellen. Die Berufsbilder ändern sich, IT-Kompetenz und der Umgang mit digitalen Daten wird für viele Aufgaben in Produktion und Montage zum Muss.

Über die Studie

Accenture befragte für die Studie 512 Führungskräfte in Unternehmen in China, Frankreich, Deutschland, Japan und den USA. Die Teilnehmer wurden danach ausgewählt, ob sie in der Entwicklung und Umsetzung der Firmenstrategie rund um die Vernetzung von Mensch und Maschine eingebunden sind. Dazu gehören unter anderem Werksleiter, technische Leiter sowie Verantwortliche für Forschung und Entwicklung, Betriebsleiter und Personalverantwortliche sowie Vorstandsmitglieder. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer stammt aus dem Industrieanlagenbau, der Rest aus Automobil- und Baumaschinenindustrie. Die Interviews wurden im Dezember 2015 geführt.

Bildquelle: Accenture

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